15 skurrile Fakten über die DDR, die Sie mit Sicherheit noch nicht wussten

Das Leben in der DDR, vor allem in Ostberlin, fasziniert die Menschen bis heute. Viele der Ereignisse und Anekdoten, die wir heute kennen, stimmen einen nachdenklich. Doch daneben gibt es auch zahlreiche witzige Klischees und kuriose Details aus dem Alltag der DDR, die uns einfach nur Staunen lassen. Wir präsentieren Ihnen heute 15 skurrile Fakten über die DDR, von denen Sie bislang bestimmt noch nichts gewusst haben:

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1. Die DDR hatte weltweit die höchste Dichte an Kleingärten
2,6 Millionen Wochenendgrundstücke und etwa 855.000 Kleingärten – die Datsche, also das kleine Gartenhäuschen, in das man sich am Wochenende zurückziehen konnte, war in der DDR so beliebt wie kaum in einem anderen Land. Der Rekord spricht für sich: Zu jener Zeit besaß die DDR weltweit die höchste Dichte an Gartengrundstücken. Und bis heute prägen zahlreiche Kleingartenanlagen das Bild der östlichen Bezirke Berlins

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Ein typischer Kleingarten in der DDR. Quelle: dpa

2. In der DDR herrschte Vollbeschäftigung
In der Deutschen Demokratischen Republik hatte jeder Mensch das Recht auf Arbeit und wurde vom Staat mit einem Arbeitsplatz versorgt. In der Folge gab es so gut wie keine Arbeitslose. Doch nicht jeder, der eine Arbeitsstelle hatte, hatte auch tatsächlich was zu tun. Zudem wurden viele Stellen mit Ungelernten besetzt. Wer seiner Pflicht zur Arbeit nicht nachkam, drohte sogar Gefängnis. Dennoch war die Planwirtschaft der DDR weniger produktiv wie die westdeutsche Marktwirtschaft.

3. Der Fernsehkoch Kurt Drummer war bei allen DDR-Hausfrauen bekannt
Der Fernsehkoch Kurt Drummer war über 25 Jahre im Fernsehen der DDR aktiv und begeisterte Privatköchinnen und -köche mit – für jene Zeit – raffinierten und gesunden Rezepten. Seine Sendung Der Fernsehkoch empfiehlt startete 1958. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in BRD war er sogar für die Verpflegung der DDR-Mannschaft zuständig. Seine Fernsehsendung wurde im Übrigen auf eigenem Wunsch abgesetzt: Zu aufwendig wurde die Beschaffung der Zutaten für die Gerichte, die er in der Sendung kochen wollte.

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Fernsehzeit im Wohnzimmer. Quelle: Stefan Kunze – fotolia.de

4. In vielen Filmen fasziniert die DDR bis heute
Es gibt zahlreiche Filme über das Leben in der DDR. Aber nur wenige Filme begeistern Publikum und Kritiker gleichermaßen. Zu den besten Filmen gehören Das Leben der Anderen, Der Tunnel , Sonnenallee, Bornholmer Straße und Good Bye, Lenin. Einige der genannten Filme erzielten auch international große Erfolge. So erhielt Das Leben der Anderen mit Ulrich Mühe 2006 sogar einen Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“.

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Die DDR in Film und Fernsehen. Quelle: dommy.de – photocase.de

5. Briefmarkensammeln war eines der beliebtesten Hobbys in der DDR
Philatelie beziehungsweise Briefmarkenkunde war eine Leidenschaft, die viele Menschen in der DDR teilten. Im Philatelisten-Verband der Deutschen Demokratischen Republik waren rund 70.000 Personen als Mitglieder registriert. Zum Vergleich: Heute gibt es im vereinten Deutschland zwar rund drei Millionen Menschen, die Briefmarken sammeln. Der Bund Deutscher Philatelisten meldet jedoch lediglich 60.000 Mitglieder.

6. Die Dialekte West- und Ostberlins unterscheiden sich erheblich
Durch die Teilung der Hauptstadt in West- und Ostberlin entwickelte sich der Sprachgebrauch unterschiedlich. Zudem war der Dialekt in Ostberlin viel stärker verbreitet und wurde in alles sozialen Schichten sowie im öffentlichen Bereich gesprochen. Typisch für Ostberlin sind Ausdrücke wie Asphaltblase für den Trabant oder Nuttenbrosche für den Brunnen am Alexanderplatz. Zudem setzte sich in Ostberlin Broiler für Hähnchen und Plaste für Plastik durch.

7. Typisch DDR: Die Kinder hießen Mandy und René
Der Mädchenname Mandy bahnte 1974 seinen Weg in die Top Ten der beliebtesten Mädchennamen der DDR und verweilte dort bis in die späten 1980er Jahre. 1980 beispielsweise belegte der Name Rang sechs. Der Name René, der sowohl von Mädchen als auch Jungen getragen wurde, gehörte bereits 1970 zu den beliebtesten Namen und blieb es bis 1980. Doch entgegen des Klischees trugen nicht alle Kinder der DDR diese Namen. Kathrin, Stefanie und Nicole bei den Mädchen sowie Thomas, Christian und Stefan bei den Jungen führten ebenfalls lange Zeit die Hitlisten der beliebtesten Namen an.

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Quelle: Flügelwesen – photocase.de

8. Nur jeder zweite Haushalt der DDR besaß einen Fernseher
Fernseher und Telefone waren im sozialistischen Staat Mangelware. So waren in der DDR nur etwa 52 Prozent aller Haushalte mit einem Farbfernseher ausgestattet. Ein Telefon gab es sogar lediglich in neun Prozent der Haushalte. Zum Vergleich: Farbfernseher waren in Westdeutschland beinahe flächendeckend verbreitet, 94 Prozent aller Haushalte besaßen einen. Auch das Telefon hielt in der BRD zügig Einzug: 98 Prozent der Haushalte waren mit einem Telefon ausgestattet.

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Luxusgerät Fernseher. Quelle: complize – photocase.de

9. Der Song Wind of Change erschien erst zwei Jahre nach dem Mauerfall
Das Lied, das wohl den meisten zur Wende einfällt, gab es 1989 zum Mauerfall noch gar nicht: Wind of Change von den Scorpions erschien erst 1991 als Single. Auf Seiten der DDR war es die Band Silly, die mit ihrem Album Februar den musikalischen Hintergrund lieferte. Daneben gibt es weitere typische Lieder, die den Soundtrack zur Wende bilden. Neben Freiheit von Marius Müller Westernhagen sind es die Songs Looking for Freedom von David Hasselhoff sowie Rockin‘ in a the free world von Neil Young.

10. Es existieren etwa 111 Kilometer Stasi-Akten
In den sogenannten Stasi-Unterlagen sammelte das Ministerium für Staatssicherheit, kurz Stasi genannt, jahrelang personenbezogene Informationen zu den Bürgern der DDR. Bislang sind 111 Kilometer Akten und 39 Millionen Karteikarten aufgefunden worden. Darüber hinaus gibt 1,75 Millionen Fotografien, 2.800 Filme und Videos sowie 28.400 Tonbänder.

11. In der DDR wurde gerne auswärts gespeist
Zu feierlichen Anlässen wurde in der DDR gerne auswärts gegessen. Insgesamt gab es 25.700 Speisegaststätten. Als Klassiker der Speisekarte gelten Gerichte wie Schweinesteak mit Letscho, Hallesche Fettbemmen und Mecklenburgische Schlachteplatte. Für die in Ostberlin erfundene Ketwurst, bei der eine Brühwurst in Ketchupsauce getunkt und in ein längliches, warmes Brötchen gesteckt wird, erhielten die Erfinder sogar eine offizielle Auszeichnung.

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Das Café Moskau in Berlin. Quelle: Daphne Daamians

12. Bis zu 15 Jahre Wartezeit für ein neues Auto
Das Auto der DDR war der Trabant, kurz Trabbi genannt. Doch wer eins fahren wollte, musste sich in Geduld üben: Vor dem Fall der Mauer im Jahr 1989 warteten die DDR-Bürger häufig bis zu 15 Jahre auf die Auslieferung ihres Trabants. Das hatte zur Folge, dass ein gebrauchter Trabbi üblicherweise sogar teurer waren als ein Neuwagen.

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Quelle: auto-bilder.org

13. Die DDR war ein Volk der Camper
Wer als DDR-Bürger auf Reisen ging, tat dies am liebsten mit Zelt und Wohnwagen. Etwa eine halbe Million Menschen verbrachten Ende der 1970er Jahren ihren Urlaub im Zelt oder Wohnwagen auf dem Campingplatz. Dabei stand die Tschechoslowakei –heute Tschechien, Slowakei und Ukraine – im Ranking der beliebtesten Urlaubsziele an der Spitze. Aber auch Bulgarien, Ungarn und die Sowjetunion bereisten die DDR-Bürger gerne.

14. Jeans war in der DDR lange Zeit verpönt
Der Aufstieg der Jeans, in der DDR Nietenhose genannt, wurde von der SED-Führung argwöhnisch beobachtet und lange Zeit unterbunden. Kein Wunder, stand das Kleidungsstück für Lässigkeit, Rebellion und Freiheit – typische Werte des Westens. Doch der Siegeszug konnte auch in der DDR nicht aufgehalten werden: 1968 wurde die erste Jeans aus Ungarn importiert,1974 gab es die ersten Jeans aus Lößnitz in Sachsen.

15. In der DDR gab es Bananen
Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass den DDR-Bürgern Bananen völlig unbekannt waren. Doch entgegen dieses Gerüchts gab es im Arbeiter- und Bauernstaat sehr wohl Bananen, doch galt sie als heißbegehrte Mangelware. Wie Hochrechnungen bestätigen, importierte die DDR im Jahr 1978 6,3 Kilo Bananen pro DDR-Bürger. 1988 ging diese Quote auf 2,8 Kilogramm pro Kopf zurück. Das war im Vergleich zur Bundesrepublik sehr wenig. Diese importierte 1984 neun Kilo pro Bundesbürger.