Frohe Weihnachten (auch aus der DDR)

Die Deutschen lieben Weihnachten. Oder zumindest die Adventszeit, denn das richtige Weihnachtsfest habe ich hier ja noch nicht erlebt. Die meisten Niederländer wissen noch nicht einmal, was diese vorweihnachtliche Zeit bedeutet, aber hier in Berlin bedeutet Vorweihnachtszeit Kerzen, Adventskalender, verkaufsoffene Sonntage und jede Menge mehr. Noch nicht einmal die DDR war in der Lage, den Deutschen ihr Weihnachtsfest zu nehmen – und das will schon etwas heißen. Hier sind meine drei Schritte, die Sie zum Adventsexperten machen.

Rund 30 000 Lichter leuchten am Weihnachtsbaum. Foto: Maurizio Gambarini
Wahrscheinlich der schönste Weihnachtsbaum in Berlin
Quelle: dpa

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Bel Étage Dinners 2015: Das Auge isst mit

Für alle Hobbyköche, die dieses Jahr an Weihnachten etwas ganz Besonderes versuchen wollen, hat der japanische Gastronom und Chefkoch Shinji Kobayashi einen bodenständigen Tipp: „Mein persönlicher Rat wäre, dass Sie immer frische Zutaten verwenden, die gerade Saison haben. Kochen Sie mit Verstand, aber folgen Sie auch Ihrer Intuition!“

Sein Können beim Kochen konnte Kobayashi bei einem der drei Bel Étage Dinners unter Beweis stellen, die im November in der Central Berlin Bel Étage Suite, dem Show-Apartment am Strausberger Platz, veranstaltet wurden.

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Quelle: Andreas Alexander Bohlender

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Das Paradies für Kinder in Ost-Berlin

„Es weihnachtet sehr in Berlin“, wie wir Deutschen zu sagen pflegen. Weihnachtliche Stimmung liegt in der Luft, mit einem Weihnachtsmarkt an jeder Ecke und überfüllten Einkaufzentren, in denen Menschen auf der Suche nach dem perfekten Geschenk oder Outfit sind. Und zwischen dem ganzen Trubel findet man die Kinder, die aufgeregt umher springen und sich fragen, was der Weihnachtsmann denn dieses Jahr bringen wird. Wenn man zu Zeiten der DDR auf der Suche nach einem Geschenk für die Kleinen war, dann gab es nur eine Adresse: den Straußberger Platz mit dem berühmten „Haus des Kindes“. Wenn ich ehrlich bin, jetzt wo ich davon weiß, bin ich wirklich traurig, nicht in Ost-Berlin aufgewachsen zu sein.

Zentralbild Kohls 21.12.1960 Haus des Kindes im Weihnachtsschmuck
Zentralbild Kohls 21.12.1960 Haus des Kindes im Weihnachtsschmuck

1960: Weihnachtsshopping im „Haus des Kindes“
Quelle: Bundesarchiv

Das „Haus des Kindes“ stand es, in großen, auffälligen Buchstaben stand es auf dem 12-stöckigen Hochhaus, um sicher zu gehen, dass kein Besucher der Karl-Marx-Allee das Kinderparadies am Strausberger Platz übersehen würde. Kam man vom Alexanderplatz, so befand es sich in dem rechten der beiden Türme, die den Eingang des Straußberger Platzes bilden. Drei Etagen waren gefüllt mit Kinderkleidung, Schuhen, Zubehör für Sport und zum Wandern, mit Spielsachen, Kinderbüchern, Schallplatten und Schulsachen. Was auch immer Sie Ihrem Kind schenken wollten (und was im Rahmen der DDR möglich war), am Strausberger Platz 19 hätten Sie es sicher gefunden. Besonders warurde das Einkaufserlebnis vor allem durch die wunderschönen Wandmosaike und dem „herumfliegenden“ Sputnik-Modell.

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Blick auf das „Haus des Kindes“ am Strausberger Platz
Quelle: Bundesarchiv

Erwachsene nur in Begleitung von Kindern

Aber es gab noch viel mehr zu entdecken: Im Erdgeschoss konnten Eltern ihre Kinder in einem Kindergarten, eine Art Smalland mit ausgebildetem Personal, abgeben und in aller Ruhe ihre Einkäufe erledigen. Der wahrscheinlich schönste Teil des Hauses, muss sich aber in den beiden oberen Stockwerken befunden haben. Nicht nur wegen des Ausblicks, sondern auch, weil es hier eine ganz besondere Regel gab: Erwachsene durften diesen Bereich nur betreten, wenn sie in Begleitung eines Kindes waren, denn hier lag das „Kinder-Café“. Ein spezieller Bereich nur für die Kleinen. Zusätzlich zu dem Café im oberen Teil befand sich seit 1966 im Untergeschoss ein mit 150 Plätzen ausgestattetes Puppentheater, in dem zum Beispiel das Puppenspiel um die Geschichte von „König Drosselbart“ von den Gebrüdern Grimm aufgeführt wurde.

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Das Grimm’sche Märchen vom „König Drosselbart“, präsentiert im Puppentheater des „Haus des Kindes“
Quelle: Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Heutzutage wäre das „Haus des Kindes“ wahrscheinlich ein Projekt eines internationalen Spielzeugherstellers oder eines Kindersenders. Aber nicht so in der DDR. Das „Haus des Kindes“ war einer Initiative der Regierung und wurde im Oktober 1954 vom ersten Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, persönlich eröffnet.
Wie so viele Dinge damals, war auch das Eröffnungsdatum des ersten Kinderkaufhauses nicht willkürlich gewählt. Denn neben der Eröffnung des „Haus des Kindes“ am 18. Oktober 1954 feierte auch die DDR in diesem Monat ihren fünften Geburtstag.
Die Idee eines solchen Hauses nur für Kinder war jedoch nicht neu, denn in Prag gab es bereits ein derartiges Kinderkaufhaus.
Und außen wurde zur Begrüßung der Gäste Goethes „Faust“ zitiert: „Solch ein Gewimmel möchte ich sehn, auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.“

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Ein spielendes Mädchen am Tag der Eröffnung 1954
Quelle: Bundsarchiv

Märchenfiguren und kaiserliche Einflüsse

Die Ideen für das Innendesign stammten zum einen aus dem Prager Projekt und zum anderen aus dem neo-klassizistischen Schloss Charlottenhof in Potsdam, der ehemaligen kaiserlichen Residenz nahe Berlin. Das Ergebnis: ein Eingang, der mit Marmor und Säulen gestaltet war und indem sich ein großes Wandgemäldebefand, während sich in den Treppenhäusern kleine, eiserne Märchenfiguren, hergestellt in der berühmten Kunstschmiede Berlin, zeigten.
In den Etagen zwischen den Geschäften und dem Café befanden sich außerdem auch Wohnungen. Sogar der Architekt des Strausberger Platzes, Hermann Henselmann, mochte das Gebäude so sehr, dass er sich entschied, gleich zwei Wohnungen mit seiner Familie zu beziehen.
Ein interessanter Fakt für Architekten: Das „Haus des Kindes“ befand sich in einem der zwei Türme am Strausberger Platz, welche vorgefertigte Montagebauten aus Stahlbeton waren.

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Wandgemälde in der Eingangshalle
Quelle: Daphne Damiaans

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Die kunstvollen Verzierungen im Eingangsbereich
Quelle: Daphne Damiaans

Kakerlaken und die Stasi

Und wie immer kommt es zu der unausweichlichen Frage: Was passierte nach dem Fall der Mauer? Nachdem das Kinderkaufhaus im Jahr 1985 renoviert wurde, musste es 1990 endgültig seine Türen schließen. Das Café auf der oberen Etage schloss aufgrund massiver Beschwerden über Kakerlaken sogar schon 20 Jahre früher. Die Geschichte endet damit, dass nach der Schließung die Stasi, der Staatssicherheitsdienst der DDR, die oberen Etagen dafür nutzte, Ost-Berliner zu beschatten – 1990 fanden Mitarbeiter der Hausverwaltung Kamerahalterungen in dem Gebäude.
Interessanter Fakt, nicht nur für Architekten: Mitglieder der Stasi wurden von DDR-Gegnern gern als Kakerlaken betitelt.

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Ein Plakat aus den letzten Tagen des „Haus des Kindes“
Quelle: Bundesarchiv

Heutzutage befinden sich Lofts in der 11. und 12. Etage, welche es jeweils auf riesige 300 m² bringen. Der Sputnik ist verschwunden, aber in der Eingangshalle findet man immer noch das Gemälde, die Säulen und den Marmor. Die Märchenfiguren in den Treppenhäusern wurden bedauerlicherweise während der Renovierung 1990 entfernt. Jemand, der wie auch immer überlebt hat, ist der ehemalige Präsident Wilhelm Pieck: Eine Gedenktafel vor dem Gebäude erinnert noch heute an die Eröffnung des „Haus des Kindes“ am 18. Oktober 1954 durch den Präsidenten.
Bis ein geeigneter Käufer im Jahr 1999 gefunden wurde, standen die beiden unteren Etagen fast 10 Jahre leer. Jetzt befindet sich dort ein Geschäft für Designermöbel.
Nach viel weihnachtlichem Vergnügen für Kinder sieht das jetzt nicht mehr aus, dafür haben jetzt die Eigentümer der Lofts in den oberen Etagen etwas davon.

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Die Gedenktafel des damaligen Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, der das „Haus des Kindes“ 1954 eröffnete
Quelle: Daphne Damiaans

Mein Tipp ist daher: Wenn Sie einmal zum Weihnachtsshopping (oder irgendwann sonst im Jahr) in Berlin sind, dann besuchen Sie das „Haus Berlin“ – einer der Türme am Strausberger Platz. Der Ausblick ist vergleichbar mit dem, den damals das Kinder-Café gehabt haben muss. Im „Haus Berlin“ befindet sich in der obersten Etage eine Tanzschule und eine Panorama Bar. Um dort hinzugelangen, muss man nur im Erdgeschoss klingeln und dann mit dem Fahrstuhl nach ganz oben fahren.

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Das „Haus des Kindes“ (rechts),das „Haus des Berlin“ (links) mit der Karl-Marx-Allee
Quelle: norbertp4sie (Chroniknet)

Stadtentwicklung in Ost- und West-Berlin

Die Wiedervereinigung ist schon 25 Jahre her, aber die Folgen der DDR-Zeit sind in der deutschen Hauptstadt immer noch zu erkennen. Stadtplanung, Wohnungsbau und Infrastruktur haben sich in Ost und West aber nicht erst seit dem Mauerbau 1963 unterschiedlich entwickelt. Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Entwicklung in ganz Deutschland im Allgemeinen und in Berlin im Besonderen auseinander. Ursache waren die Zerstörungen des Krieges. Berlin musste in vielen Teilen neu aufgebaut werden. Vorher hatten Mietskasernen aus dem 19. Jahrhundert das Stadtbild geprägt. Jetzt sahen Architekten und Bauplaner ihre Chance, eine neue Stadtlandschaft zu gestalten. Die Ansätze liefen dabei in den beiden Teilen Berlins zuerst auseinander, bevor sie sich stilistisch wieder annäherten.

an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, DDR BRD
Quelle: Ezio Gutzemberg – Fotalia.com
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