Meine Straße, bevor es den Herrn Karl Marx gab

Heute habe ich beschlossen, mal etwas wirklich Verrücktes zu tun: Ich berichte euch, was auf der Karl-Marx-Allee vor der DDR passierte.
Die U-Bahn-Haltestelle Schillingstraße (zwischen dem Strausberger Platz und dem Alexander Platz) hat eine Dauerausstellung, die nicht nur die „neue“ Karl-Marx-Allee zeigt, sondern auch, was dort alles vor dem Krieg passierte. Diese Ausstellung hat mich dazu inspiriert, nach der verschwundenen Geschichte meiner Straße zu suchen – und das war gar nicht so einfach.

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Eines der Bilder, das in der U-Bahn-Station Schillingstraße zu finden ist
Quelle: Daphne Damiaans

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Vom Hausbuch in die Literatur

In französischen Spielfilmen ist die Concierge eine der zentralen Figuren. Ältere Frauen im Kittelschürzen, die jeden, der das Haus betritt, misstrauisch beäugen.

Amüsant, ungefährlich, maximal ein wenig klatschhaft. So war und ist der Westen. Jeder wie er kann. Vor 67 Jahren, als die DDR gegründet wurde, sah der Hauswart-Job ein klein wenig anders aus. Miefige Parteisoldaten kontrollierten die Bewohner, so auch die in der Karl-Marx-Allee. Und eine besondere Straße hatte natürlich besondere Maßnahmen.

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Quelle: mato – shutterstock.com

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Eine Erkundung der DDR-Ruinen

Während der Strausberger Platz ein ausgezeichnetes Beispiel für perfekt restaurierte DDR-Geschichte und -Architektur ist, gibt es aus derselben Zeit auch eine Reihe von Gebäuden, die dieses Glück nicht hatten. Sie sind in Vergessenheit geraten und warten entweder auf ihren unausweichlichen Verfall oder auf ihren Abriss. Traurig, oder? Als großer Fan der DDR-Geschichte und Architektur UND verlassener Häuser sind diese Gebäude für mich ein kleines Paradies. Einige habe ich bereits besucht, und meine Favoriten möchte ich Ihnen heute vorstellen.

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1910 konnte man das Ballhaus Grünau noch in seiner ganzen Pracht erleben.
Quelle: Digital Cosmonaut

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Symbiose aus Sozialismus und Kapitalismus – Die Karl-Marx-Allee in Berlin

Man sagt, wenn der Ostwind weht, dann spürt man ihn hier deutlicher als anderswo. Die Karl-Marx-Allee, ehemals Stalinallee, in den Ortsteilen Mitte und Friedrichshain, gehört zu Berlins markantesten Straßenabschnitten – selten liegen politische Geschichte, Systemkampf und Architektur so dicht beieinander. Die circa drei Kilometer lange Allee ist ein Stück Nachkriegsgeschichte im Herzen der deutschen Hauptstadt. Im Stile des Sozialistischen Klassizismus, die in der DDR auch Architektur der nationalen Tradition genannt wurde, und des Schinkelschen (preußischen) Klassizismus säumen sich entlang der Straße die sogenannten „Arbeiter-Paläste“. Im Laufe der Zeit wurde sie unter verschiedenen Namen bekannt. Vor 1949 war die Allee zweigeteilt, es gab die Große Frankfurter Straße (Frankfurter Tor bis Strausberger Platz) und die Frankfurter Allee (östlich des Frankfurter Tores). Die Nachkriegszeit änderte nicht nur die Bebauung und Architektur, sondern auch den Namen: Am 21.12.1949, Stalins 70. Geburtstag, wurde die Straße als Ganzes in Stalinallee umbenannt. Ein auffälliges Merkmal der ehemaligen Stalinallee ist die sehr ausladende, vielspurige Straße. Sie war nicht nur für den regulären Verkehr vorgesehen, sondern diente auch als Schauplatz für Paraden und Aufmärsche. Eingerahmt wird die Allee von den beiden Türmen am Frankfurter Tor, die im Stile des Französischen Doms gehalten sind, und den markanten Bauten am Strausberger Platz mit ihrer eigentümlichen treppenhaften Abstufung, die man sonst nur von repräsentativen Gebäuden in den USA kennt. Oft wird dieser Teil Berlins auch mit dem Begriff „goldener Osten“ umworben. Die Begriffsherkunft kommt vermutlich von der besonderen Lage der Arbeiterpaläste, denn im Sommer spiegelt sich die tiefstehende Abendsonne an den Außenfassaden und lässt die ganze Allee in einem schönen goldenen Sonnenton erstrahlen.

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Wie man sich durch die Berliner Bürokultur arbeitet

Es gibt Dinge, die findet man in jedem Büro auf der Welt. Aus diesem Grund sind Fernsehserien wie The Office ein riesiger Erfolg. Kollegen, die immer zu spät kommen oder einen keinen Sinn für Humor haben, aufblühende Büroromanzen bei After-Work Drinks und Beschwerden über den schlechten Kaffee, langsame Computer und natürlich ein grummeliger Boss. Allerdings habe ich festgestellt, dass in Deutschland im Vergleich zu den Büros in Holland vieles anders läuft. Und das ist großartig, denn ich denke, das sagt eine Menge über die Kultur im Allgemeinen aus. Also, hier sind meine Beobachtungen:

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Ein guter Grund um in der DDR zu arbeiten.
Quelle: Bundesarchiv

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