4 DDR-Fotografen, die Sie unbedingt kennen sollten

Dresden war in der DDR die Innovationsschmiede für Fotografie und Kameratechnik. In den Werkstätten VEB Niedersedlitz wurden die Kamera-Modelle Praktica und Pentacon hergestellt. Das waren die führenden Systemkameras der DDR.

Mit diesen Kameras konnten zahlreiche Fotografen festhalten, wie sich die DDR seit der Wende verändert hat. Die Ausstellung „Blick Verschiebung“ zeigt diese Fotos im Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum auf Schloss Biesdorf noch bis zum 8. April 2018. Ausgestellt werden insgesamt 22 Künstler. Die 4 wichtigsten Fotografen stellen wir Ihnen direkt vor.


Siegfried Wittenburg: Das Leben in der DDR dokumentiert

Die Kameras wurden von ihren Fotografen auf viele Motive gerichtet, doch gerade Architektur- sowie Alltags- und Straßenfotografie sind aus heutiger Perspektive besonders spannend. Denn sie ermöglichen einen Blick auf das normale Leben und viele Fotografen versuchten sich in ihren Bildern von der vorgeschriebenen Bildsprache des Sozialismus zu trennen. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Bilder von Siegfried Wittenburg.

Mann fotografiert
Foto von Clem Onojeghuo – Unsplash

Den Alltag der Menschen in der DDR festzuhalten, sah er damals als Herausforderung an. In seiner Ausstellung „Grüße aus der DDR oder Der Alltag in einem verschwundenen Staat“ zeigt er Bilder, die diese Herausforderung dokumentieren. Das Foto einer im Bau befindlichen Plattenbausiedlung konnte als reines Dokument dienen, konnte aber auch als Kritik am Staat verstanden werden. Umso mehr kann Fotografie aus der DDR als eindrucksvolles Zeitdokument angesehen werden. Wittenburg ist gebürtiger Rostocker und war vorrangig im Norden der DDR künstlerisch angesiedelt.

Arno Fischer: DDR-Hauptstadt in Bildern

Auch der Berliner Alltag in der DDR wurde von Fotografen begleitet. Einer der stilbildenden Künstler, Arno Fischer, wurde 1927 in Berlin-Wedding geboren und zog 1953 in den Berliner Osten. In seinen Bildern dokumentiert er den Berliner Neuanfang, war aber auch für die „Ost-Vogue“ Sibylle zuständig. Gerade seine Bildbände von Städten in der DDR und deren Bewohnern sind sehr politisch und wirken so über die Entstehungszeit hinweg. Von 1972 bis 1974 war Fischer als Gastdozent an der Leipziger Hochschule für Graphik und Buchkunst tätig, wo er von 1985 bis 1993 eine Professur für künstlerische Fotografie innehatte.

Kameraausrüstung
Foto von Luca Bravo – Unsplash

Ulrich Wüst: Fotograf der Wende

Der 1949 geborene Magdeburger Fotograf Ulrich Wüst zog 1972 nach seinem Studium von Architektur und Bauwesen in Weimar nach Ost-Berlin. Hier entstanden unter anderem beeindruckende Bilder der neuen Plattenbausiedlungen, aber auch des Berlins nach dem Fall der Mauer. Vor dem berühmten und unerwarteten Fall der Mauer 1989 entstanden viele Bilder von Ulrich Wüst, die ein Land zeigen, das sich in einer Sackgasse befand. Für ihn war das Jahr 1989 eines der produktivsten Jahre seiner Karriere. Diese und weitere Bilder stellte er unter anderem auf der Documenta 14 und in der C/O Galerie aus.

Linse schwarz/weiß
Foto von Suvan Chowdhury – Pexels

Helga Paris: Verfehlte Wohnungspolitik, festgehalten in schwarz-weiß

Helga Paris hat sich als Fotografin in der DDR Portraits gewidmet. Ihre Bilder von Punks in den 1980iger Jahren oder der Hausfrau in Schürze vermitteln trotz der allgemeinen Gleichheit der DDR die besondere Individualität jeder Person. Helga Paris studierte Mitte der 1950er Jahre Modegestaltung in Berlin, brachte sich dann aber selbst die Grundlagen der Fotografie bei und arbeitete dann als freischaffende Fotografin. In einer besonderen Serie dokumentierte sie den Verfall der Innenstadt von Halle, die auf einer Ausstellung 1986 gezeigt werden sollte. Leider wurde die Eröffnung abgesagt, da die Bilder die verfehlte Wohnungspolitik in Halle zu deutlich zeigten.

Kamera Auswahl
Foto von Sam Walker – Pexels

Übrigens: Die wohl größte Privatsammlung von DDR-Fotografien gehört der Aachenerin Gabriele Koenig. 2004 stieß sie auf ein eindrückliches Foto des ostdeutschen Fotografen Thomas Steiner. In der Folge kaufte sie über 200 Bilder, die alles von Architektur bis Aktfotografie ablichten – von Schnappschüssen der Arbeiter in einer staatlichen Kantine bis hin zu Bildern aus dem Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen.