7 erstaunliche Fakten, die Sie zu Fernsehserien in der DDR wissen sollten

„Es war nicht alles schlecht in der DDR“ – dieser augenzwinkernde Satz galt auch für das Fernsehen der DDR. Bekannte Formate des deutschen Fernsehens, die noch heute produziert werden, hatten ihren Ursprung in Ostdeutschland. Es war auch nicht alles nur politisch-ideologisch eingefärbt, wie man in der DDR schnell vermuten mag. Tatsächlich waren im Osten produzierte und ausgestrahlte Filme stärker von Zensur und Politisierung betroffen. Stattdessen gab es auch im Deutschen Fernsehfunk des Ostens ab den 1960er Jahren einige Glanzlichter, die gerne angesehen wurden. Wir haben Ihnen in der Folge 7 Fakten zusammengestellt, von denen Sie die meisten sicherlich nicht kennen.
DDR-Fernseher Rembrandt
Fernsehgerät Rembrandt – das erste in der DDR entworfene und gefertigte Modell – Quelle: SchiDD Wikimedia, CC-BY-SA 4.0

Fakt 1: Das 10-fache des Monatseinkommens für den ersten DDR-Fernseher

Im Jahr 1952 bekam die DDR ihr erstes Fernsehprogramm, das sogenannte offizielle Versuchsprogramm, das die ersten 30 Fernsehgeräte mit zwei Stunden Sendezeit pro Tag bespielte. Hier ging es vor allem um tagesaktuelle Nachrichten, zu Beginn noch wenig von der SED eingefärbt. Im Januar 1956 ging der Deutsche Fernsehfunk offiziell live. Bis 1970 stieg die wöchentliche Sendezeit auf mehr als 130 Stunden, und immer mehr DDR-Bürger leisteten sich den Luxus, einen Fernseher zu besitzen. Immerhin kostete das Modell Leningrad, der erste DDR-gefertigte Fernseher, 1952 mit 3500 DDR-Mark noch das Zehnfache eines durchschnittlichen Monatseinkommens. Doch mit der Zeit fielen die Preise, mehr Geräte wurden angeschlossen und 1969 wurde, anlässlich des 20. Jahrestags des Bestehens der DDR sogar das zweite Programm, der DFF2, eingeschaltet.

Fakt 2: Das Sandmännchen wurde in der DDR erfunden

In der steigenden wöchentlichen Sendezeit fanden neben Nachrichten- und Informationssendungen auch vielfältige Unterhaltungsprogramme Platz – nicht wenige von ihnen sind noch heute bekannt. Zwar kein echtes „Must-See“, aber doch Klassiker ist das Sandmännchen. 1959 noch vor dem West-Sandmännchen ausgestrahlt, belegt es bis heute einen Vorabendslot und verbreitet ein Stück Ostalgie. Um die Erstausstrahlung lieferte es sich einen Wettkampf mit dem westdeutschen Fernsehen, das am 1. Dezember 1959 senden wollte. Um den kapitalistischen Nachbarn zuvorzukommen, wurde das erste Ost-Sandmännchen deshalb schon neun Tage vorher ausgestrahlt.

Sandmännchen der DDR neben Trabant
Das Ost-Sandmännchen begrüßt seine jungen Zuschauer auch heute noch regelmäßig

Fakt 3: Polizeiruf 110 hat seinen Ursprung in der DDR

Ebenso klassisch ist Polizeiruf 110, dessen moderne Fortführung bis heute eine ansehnliche Zuschauerquote erzielt und seit 1971 Ermittler auf die Spur von Verbrechern führt. Anders als sein westliches Pendant, Tatort, geht es hier nicht nur um Mord und Totschlag, sondern die volle Bandbreite an Straftaten. Ein weiterer großer Unterschied zum Tatort liegt darin, dass Verbrechen, Ermittlung und Polizeiarbeit Vorrang vor der Charakterentwicklung der Ermittler haben. Die Serie reiste durch verschiedene Regionen der DDR und nahm den Zuschauer mit auf die Reise.

Fakt 4: Auch in der DDR wurden Verbrechen in Krimiserien dargestellt

Man mag denken, eine Serie über Verbrechen hätte im Fernsehen der DDR keinen Platz gehabt, schließlich propagierte die politische Führung des Arbeiter- und Bauernstaates ja die vollkommene Friedfertigkeit des Landes. Bis 1965 gab es auch tatsächlich keine Darstellungen von Verbrechen in der DDR, Krimiserien spielten im (westdeutschen) Ausland. In Der Staatsanwalt hat das Wort ging es ab 1965 jedoch zum ersten Mal um Verbrechen in der DDR, deren Hintergründe in Form von Kurzdramen abgehandelt wurden. Fokus lag hierbei auf der Tat und ihrer Vorgeschichte, die abschließende Rechtseinordnung durch einen echten Staatsanwalt sollte auch dazu dienen, den rechtlichen Kompass der Zuschauer zu kalibrieren. Auch heute noch werden Wiederholungen der Serie, die bis 1990 produziert wurden, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt.

Fakt 5: Das DDR-Fernsehen war weltoffen

Auch in anderer Hinsicht unternahm das DDR-Fernsehen Reisen: In Treffpunkt Flughafen folgte der Zuschauer den Schauspielern auf ein Flugzeug der DDR-Fluggesellschaft Interflug auf Fernreisen. Sowohl an Bord als auch am Boden in der Ferne wurden Probleme im Leben der Figuren thematisiert, wobei immer auch der echte Schauplatz (z. B. Addis Abeba oder Kuba) mit eindrucksvollen Aufnahmen in Szene gesetzt wurde. Der Deutsche Fernsehfunk präsentierte sich hier weltoffen.

Cockpit Interflug Treffpunkt Flughafen
Die Crew der Interflug musste viele Krisensituationen meistern

Fakt 6: Die längste Dokumentation der Welt kommt aus der DDR

Eindrucksvoll ist die Reihe von Dokumentationsfilmen Die Kinder von Golzow: hier folgten die Filmemacher Barbara und Winfried Junge von 1961 bis 2007 18 Kindern durch das Heranwachsen und Erwachsenwerden. Insgesamt entstanden so 20 Dokumentarfilme, was Die Kinder von Golzow zur weltweit längsten Dokumentation machte.

Gedenktafel Die Kinder von Golzow
Gedenktafel für die Kinder von Golzow, Quelle: OTFW Wikimedia, CC-BY-SA 4.0

Fakt 7: Es wurden auch Serien aus dem kapitalistischen Ausland gezeigt

Tatsächlich ließen sich die Ostdeutschen nicht nur mit Eigenproduktionen bespielen, sondern brachten auch Filme und Serien aus dem Ausland, sogar dem sogenannten nichtsozialistischen. In den 1980er Jahren konnten die Zuschauer beispielsweise Tom Baker in seiner Darstellung des Sherlock Holmes folgen – in Der Hund der Baskervilles von 1982 verfolgten sie so eine der erfolgreichsten Produktionen der BBC. Manchmal waren die durch die DEFA synchronisierten Fassungen sogar deutsche Erstausstrahlungen.
Natürlich gab es viele Programme, die ideologisch-politisch eingefärbt waren. Mit dem Wachstum der potenziellen Zuschauer und angemeldeten Fernsehgeräte sah das Zentralkomitee der SED in diesem aufblühenden Medium ein dankbares Werkzeug, die Bewohner der DDR auch zuhause zu erreichen. Allerdings ging diese Rechnung oft nicht auf wie gedacht (Link DDR-Filme, Indianer) und die Bürger machten sich ihr eigenes Bild. Langweilig war das Fernsehprogramm unterm Strich nicht: zwischen Eigenproduktionen und aus dem Ausland eingekauften Programmen wurden viele Genres und Geschmäcker bedient.