Berlin-Programm für Ostalgiker

Ich gehe einfach mal davon aus, dass Sie diesen Beitrag nicht lesen würden, wenn Sie meine Faszination für die DDR nicht zumindest zu einem gewissen Grad teilen würden. Vielleicht waren Sie schon mal in Berlin, oder vielleicht planen Sie gerade Ihren ersten Besuch. In diesem Fall fragen Sie sich bestimmt, wo Sie anfangen sollen. Mir ging es ganz genauso, als ich vor ein paar Wochen in New York war. Aber keine Sorge, ich habe das perfekte Ein-Tages-Programm für Sie. Guter Tipp: Als Erstes sollten Sie sich eine Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel besorgen.

Vormittag: Russisch frühstücken und jede Menge Architektur

Blintschiki und Sirniki

Die DDR und die Sowjetunion waren beste Freunde, deshalb ist es nicht weiter überraschend, dass der Einfluss der russischen Kultur in der ehemaligen DDR vielerorts zu spüren war. Deswegen würde ich vorschlagen, dass Sie Ihren Berlin-Tag in Friedrichshain beginnen, und zwar mit einem Frühstück in der Datscha. Dort steht russische Hausmannskost mit einem zeitgenössischen Twist auf der Speisekarte. Jeden Morgen gibt es eine Auswahl an verschiedenen Frühstücksgerichten und sonntags eins der besten Brunch-Büffets in ganz Berlin.

Central Berlin - Datscha
Russisch mal anders in der Datscha. Bildquelle: Daphne Damiaans

Datscha: Gabriel-Max-Straße 1, Friedrichshain

Frankfurter Tor und Karl-Marx Allee

Wenn Sie dieses Programm an einem Sonntag durchziehen, könnten Sie beim Boxhagener Platz vorbeigehen und auf dem Trödelmarkt ein authentisches DDR-Wohnaccessoire abstauben. Dann müssen Sie sich allerdings darauf gefasst machen, den ganzen Tag eine Lampe mit sich herumzutragen. Ansonsten gehen Sie direkt zum Frankfurter Tor, wo die Karl-Marx-Allee anfängt. Die in den 1950er Jahren angelegte Prachtstraße zählt ohne jeden Zweifel zu den Meisterwerken der DDR-Baukunst. Damit sollte ein für allemal der Beweis erbracht werden, wozu dieses neue Deutschland fähig war. An den interessantesten Stellen finden Sie Informationstafeln mit Wissenswertem zur Geschichte dieser faszinierenden Straße.

Central Berlin - Strausberger Platz
Frankfurter Tor und Karl-Marx-Allee. Bildquelle: Daphne Damiaans

Strausberger Platz, Kino International und Eisbein

Weiter geht‘s zum Strausberger Platz. Je nachdem, wie gut Sie zu Fuß sind, können Sie entweder laufen oder mit der U5 fahren. Am Strausberger Platz gibt es ebenfalls stalinistische Architektur zu bewundern. Zu den Höhepunkten zählen das Kino International und Café Moskau. Biegen Sie an der Berolinastraße rechts ab und im Zickzack zum Volkspark Friedrichshain. Der Weg führt Sie an Plattenbauten im typischen Stil der sechziger und siebziger Jahre vorbei. In dieser Straße wohnten übrigens Alex und seine Mutter in dem Film „Goodbye Lenin“.

Central Berlin - Kino International
Kino International. Bildquelle: Kino International

Central Berlin - Home of Alex Goodbye Lenin
Berolinastraße – hier wohnt Alex in „Goodbye Lenin“. Bildquelle: Andrea David

Im Volkspark angekommen, sollten Sie sich als erstes das Spanienkämpfer-Denkmal anschauen. Es wurde zu Ehren der sozialistischen Freiwilligen errichtet, die im Spanischen Bürgerkrieg auf seiten der Republik kämpften. Gehen Sie dann in Richtung Nordwesten am äußeren Rand des Parks weiter. Nach wenigen Minuten sehen Sie zu Ihrer Rechten die Speisegaststätte Pila. Neben dem Restaurant, in dem authentische Ostküche serviert wird, ist in dem Gebäude auch ein kleines DDR-Museum untergebracht. Zeit für eine Mittagspause!

Central Berlin - Spanienkämpfer
Das Spanienkämpfer-Denkmal. Bildquelle: Daphne Damiaans

Speisegaststätte Pila: Weinstraße 11, Friedrichshain (sonntags und montags geschlossen)

Nachmittag: Alex, Mauer und Alltagsleben

Alexanderplatz

Die Tramhaltestelle Ecke Greifswalder Straße/Friedenstraße ist nur wenige Gehminuten von der Gaststätte Pila entfernt. Von hier aus sind Sie im Handumdrehen am Alexanderplatz. Dass der Alex der Berliner DDR-Platz ist, braucht man nicht eigens zu betonen. Auf den ersten Blick mag er wie eine Betonwüste wirken, die von Geschäften umstanden ist. Der Fernsehturm überragt zwar alle anderen Gebäude, ist aber keineswegs die einzige Sehenswürdigkeit: Daneben gibt es das Park Inn, das Haus des Lehrers, Haus des Reisens und viele mehr. Seit 1989 sind ein paar neue Gebäude entstanden, insgesamt hat sich der Platz jedoch seit dem Mauerfall kaum verändert.

Central Berlin - Alexanderplatz
Der Alexanderplatz aus der Vogelperspektive. Bildquelle: Daphne Damiaans

Gedenkstätte Berliner Mauer

Auch wenn sie nicht das erfreulichste Überbleibsel der DDR ist, kommen Sie bei Ihrer ostalgischen Zeitreise an der Berliner Mauer nicht vorbei. Und weil der Alexanderplatz nebenbei auch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt ist, erreichen Sie von hier aus bequem Ihr nächstes Ziel: Fast vierzig Jahre lang verlief die Mauer mitten durch die die Bernauer Straße. Ein Abschnitt ist noch als Teil der Gedenkstätte Berliner Mauer erhalten (und wurde nicht wie in der Eastside Gallery nach der Wende mit Kunstwerken verziert …). Beinahe noch beeindruckender sind jedoch die in der Gedenkstätte gesammelten menschlichen Schicksale zum Lesen und Anhören und der Blick über die Mauer vom Wachturm aus (Eintritt frei).

Central Berlin - Gedenkstätte Berliner Mauer
Abschnitt der Gedenkstätte Berliner Mauer. Bildquelle: Daphne Damiaans

Gedenkstätte Berliner Mauer: Bernauer Straße 119, Mitte

Kulturbrauerei und DDR-Museum

Wenn Sie der Mauer folgen, landen Sie am Nordbahnhof. Dort gibt es eine interessante Dauerausstellung über die Geisterbahnhöfe in den Jahrzehnten der deutschen Teilung zu besichtigen. Oder Sie bleiben über der Erde und nehmen die Tram zur Kulturbrauerei. Das DDR-Museum auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei gehört nicht nur zu meinen Favoriten, sondern bietet sogar kostenlosen Eintritt. Die interaktive Ausstellung widmet sich hauptsächlich Alltagsgegenständen aus der DDR. Man kann hier stundenlang verweilen, aber Sie kriegen inzwischen bestimmt Hunger…

Central Berlin - GDR Museum
DDR-Museum in der Kulturbrauerei. Bildquelle: Daphne Damiaans

Kulturbrauerei: Knaackstraße 97, Prenzlauer Berg (Museum montags geschlossen)

Abend: Würstchen und Bier (was sonst?)

Konnopke’s Imbiss: Currywurst

Nur wenige Schritte entfernt befindet sich am U-Bahnhof Eberswalder Straße der wohl berühmteste Currywurst-Imbiss in ganz Berlin: Konnopke. Currywurst ist zwar keine ostdeutsche Erfindung – Konnopke auch nicht. Jedoch haben beide die DDR miterlebt und gehören (mitsamt dem Apostroph) einfach zu ihrer Geschichte dazu. Seit dem Mauerfall ist Konnopke Kult, deswegen sollten Sie sich auf keinen Fall die Chance entgehen lassen, mit eigenem Gaumen zu schmecken, warum die Berliner so darauf stehen.

Central Berlin - Konnopke's Imbiss
Konnopke‘s Imbiss. Bildquelle: konnopke-imbiss.de

Konnopke’s Imbiss: Schönhauser Allee 44B, Prenzlauer Berg (sonntags geschlossen)

Prater Biergarten und Gaststätte

Soll‘s etwas mehr sein als nur eine Wurst, am liebsten mit einem frisch gebrauten Bier dazu? Der Prater Biergarten, der älteste (1837 eröffnet!) und bekannteste der Stadt, ist nur einen Katzensprung entfernt. Von April bis September können Sie den Tag draußen auf dem weitläufigen Areal ausklingen lassen. Außerhalb der Biergartensaison ist auch die urige Gaststätte sehr empfehlenswert. Wie wär‘s zum Beispiel mit einer Portion Königsberger Klopse?

Central Berlin - Prater Biergarten
Bier und Stimmung im Prater. Bildquelle: Berlin Food Stories

Prater Biergarten und Gaststätte: Kastanienallee 7-9