Bestens versorgt am Strausberger Platz – Klinikum im Friedrichshain

Jede Großstadt muss für seine Bewohner eine ausreichende medizinische Versorgung stellen können. So ist es natürlich auch in Berlin und so war es auch in der DDR. Der Grundstein für die medizinische Versorgung der Berliner wurde in Friedrichshain gelegt, mit dem ersten städtischen Krankenhaus Berlins – dem Städtischen Krankenhaus Am Friedrichshain. Welche bewegte Geschichte das Krankenhaus hinter sich hat und wie es sich in der DDR entwickelt hat, können Sie hier erfahren.


Bau und Einweihung des Klinikums im Friedrichshain

Bevor der Bau des Klinikums im Friedrichshain begann, wurde von der Stadt Berlin erst einmal der Beschluss gefasst, ein städtisches Krankenhaus zu bauen. Dieser Beschluss wurde am 28. Dezember 1867 von der Stadtverordnetenversammlung von Berlin gefällt. Das Krankenhaus sollte in einem abgetrennten Bereich des Volksparks Friedrichshain entstehen. Der bekannte Berliner Architekt Martin Gropius und Heino Schmieden wurden beauftragt, die Entwürfe für die Gebäude zu erstellen. Die beiden Architekten entwarfen mehrere Pavillons, die in dem Park gebaut werden sollten. Diese Bauweise wurde in dieser Zeit bevorzugt, da die Meinung vorherrschte, dass Krankheiten über schlechte Luft verbreitet wurden.

Nachdem am 17. Oktober 1868 der Bau des ersten städtischen Krankenhauses Berlins begann, wurde die Anlage mit 12 Pavillons fristgerecht 1874 fertiggestellt und am 8. Oktober des gleichen Jahres eröffnet. Am gleichen Tag wurden die ersten Patienten aufgenommen und belegten die ersten der insgesamt 620 verfügbaren Betten.

Klinikum Friedrichshain Plan
Krankenhaus Friedrichshain Pavillon Plan; Quelle: wikimedia

Technische Neuerungen – Stets am Zahn der Zeit

Technische Entwicklungen in der Medizin nehmen in den folgenden Jahren nach der Fertigstellung des Krankenhauses an Fahrt auf und so kommen neue Geräte, Systeme und Räumlichkeiten zu dem bestehenden Krankenhaus hinzu.

Neben einer neugeründeten Schwesternschule, um die Ausbildung zu professionalisieren, wurde auch ein neuer Operationspavillon errichtet. Ein Meilenstein für die Medizin war die Entdeckung der Röntgenstrahlen 1895. Zwei Jahre später erhielt das Krankenhaus am Friedrichshain sein eigenes Röntgenkabinett.

Über die folgenden Jahrzehnte blieb das Krankenhaus immer auf dem neuesten Stand der Forschung und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Krankhäuser Berlins.

Dunkle Zeiten für das Klinikum Friedrichshain

Der Erste und der Zweite Weltkrieg brachten das Krankenhaus an seine Grenzen und mit ihm das Personal. Wurde während der Weltwirtschaftskriese Personal entlassen, da die Etats gekürzt wurden, wurde das Personal in den 1930er Jahren durch die menschenverachtenden Rassengesetze der Nazis verkleinert.

Während eines Bombenangriffs auf Berlin 1942 wurde das Krankenhaus Friedrichshain zum ersten Mal getroffen. Bei weiteren Angriffen wurde das Krankenhaus bis zum Kriegsende im Mai 1945 größtenteils zerstört.

DDR – Wiederaufbau und Modernisierung

Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau des Krankenhauses und inklusive Umstrukturierung. Mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik wurde das Krankenhaus auch in die sozialistische Verwaltung integriert. In den folgenden Jahren stand der Auf- und Ausbau im Mittelpunkt und 12 Fachabteilungen konnten eingerichtet werden. Die Pavillon-Architektur wurde beim Wiederaufbau durch zentrale, größere Gebäude abgelöst und mit der Fertigstellung des Bettenhauses im Jahr 1954 vollständig ersetzt.

Krankenhaus Friedrichshain, Poliklinik.
Krankenhaus Friedrichshain Poliklinikum 1967; Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-F0426-0203-001 / CC-BY-SA 3.0; wikimedia

Personalmangel und Mauerbau

Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre flüchteten immer mehr Bewohner der DDR nach West-Berlin. Dies führte dazu, dass es im Krankenhaus im Friedrichshain zu Versorgungsproblemen kam, da aus diesem Krankenhaus die meisten Mediziner in den Westen flüchteten. Mit dem Mauerbau 1961 verkomplizierte sich die Flucht aus der DDR. Trotzdem flüchtete weiterhin medizinisches Personal aus dem Krankenhaus in den Westen.

In den Folgejahren normalisierte sich der Betrieb des Krankenhauses und die erste Nierentransplantation in der DDR konnte 1967 durchgeführt werden. 1969 wurde dann das erste und einzige Nierentransplantationszentrum der DDR eröffnet.

In den 1970er Jahren kam es wieder zu einem großen Personalmangel, woraufhin eine Zusammenarbeit mit Vietnam ins Leben gerufen wurde. Vietnamesisches Personal kam in die DDR und nach Friedrichshain, um den Personalmangel aufzufangen.

Wachstum, Ausbau und Wiedervereinigung

In den nächsten Jahren wuchs das Krankenhaus weiter und es entstanden eine neue Kinderklinik, das Bettenhaus wurde vergrößert und die Abteilung Nuklearmedizin wurde eröffnet. Damit verfügte das Krankenhaus über die neueste Technik und konnte so seine Patienten in allen Bereichen versorgen.

Mit dem Fall der Mauer und der folgenden Wiedervereinigung wurde begonnen, das Krankenhaus auf Grund eines medizinischen Überangebots in Berlin zu verkleinern. Einige Abteilungen wurden aufgelöst und die Bettenanzahl sank von knapp 1.100 auf 800.

Krankenhaus Friedrichshain Eingangstor
Krankenhaus Friedrichshain Eingangstor; Quelle: By Maria Krüger (Own work), via Wikimedia Commons

Zeitweise wird sogar eine komplette Schließung des Krankenhauses diskutiert, die aber durch den enagierten Einsatz von Personal und Klinikleitung abgewendet werden kann. Das Krankenhaus wird zu einem Modellkrankenhaus ernannt und soll nun neue Strukturen schaffen um effizienter zu arbeiten.

Mit Hilfe von umfangreichen Umbaumaßnahmen schafft das Krankenhaus den Übergang ins neue Jahrtausend und versorgt nunmehr seit 144 Jahren die Berliner und im speziellen die Friedrichshainer Bevölkerung.

Die zentrale Lage des Krankenhauses, nur knapp einen Kilometer vom Strausberger Platz und den Eigentumswohnungen von Central Berlin entfernt, macht es zur ersten Anlaufstelle für viele Bewohner aus den Bezirken Mitte, Friedrichshain und Prenzlauer Berg.