Clauss Dietel: Design-Ikone aus der DDR

In der Designer-Szene in Deutschland gehört er zu den Größten: Clauss Dietel ist verantwortlich für die Gestalt von Produkten, die untrennbar mit der DDR verbunden sind. Gleichzeitig war er Vordenker für ein ökologisches Design. Ein Design, das entgegen der immer stärker werdenden „Wegwerfgesellschaft“ für das „Offene Prinzip“ steht.

DDR Design

Formgeber für den Wartburg 353

Clauss Dietel ist in Sachsen aufgewachsen und die väterliche Autovermietung beeinflusste ihn bei seiner beruflichen Entwicklung. Nach der Schule erlernte er erstmal ganz praktisch den Beruf des Maschinenschlossers und ging anschließend auf die Ingenieurschule für Kraftfahrzeugbau in Zwickau. Hier legte er den Design-Grundstein für eines der bekanntesten Produkte der DDR. In seiner Diplomarbeit gestaltete er einen Wagen der unteren Mittelklasse, der später zum Wartburg 353 wurde.

Wartburg 353
Wartburg 353 Grundentwurf K.C. Dietel, Quelle: Stiftung Industrie- und Alltagskultur

Nach der Uni ist vor der Uni

Nach seinem Studium arbeitete er bis 1963 im Zentrum Entwicklung und Konstruktion für den Fahrzeugbau Karl-Marx-Stadt als Formgestalter. Anschließend setzte er seine Karriere als freischaffender Gestalter fort.
1967 ging er zurück an die Universität – nicht an die Universität, an der er selber gelernt hatte und auch nicht als Student, sondern als Dozent an die Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle. Hier unterrichtete er 8 Jahre bis 1975 und prägte den Begriff des „offenen Prinzips“. Produkte, die nach dem „offenen Prinzip“ gestaltet sind, sollten so gestaltet sein, dass sie den Zugang für Pflege, Reparatur und technische Neuerungen so einfach umsetzbar machten, dass Endverbraucher es ohne Fachmann schaffen. Anschließend ging er an die Fachschule für angewandte Kunst in Schneeberg, dessen Direktor er von 1986 bis 1990 war.

Nicht nur Fahrzeugdesign

Neben dem Design für den berühmten Wartburg gestaltete er auch ein kleines Motorrad. Das Legendäre Simson Mokick SR4-2. Ein schnittiges Motorrad, das 60 Km/h schafft und viele Fans unter historischen Zweirad-Enthusiasten hat.

Samsung Mokick
Simson Mokick – Entwurf K.C. Dietel, Quelle: DDRMoped.de

Aber nicht nur fahrbare Untersätze hat Clauss Dietel entworfen. Eines seiner meist gefertigten Stücke ist eine Schreibmaschine. Die Schreibmaschine Erika 50/60 und Erika 110/120. Die Erika 110/120 wurde ca. 80.000 Mal, die Erika 50/60 sogar ca. 500.000 Mal gefertigt. Und alle seine Produkte waren so durchdacht, dass kleine Macken selbst repariert werden konnten. Design, dessen Technik verständlich ist. Versuchen Sie das mal in einem Designhotel, in dem das Licht per iPad gesteuert wird.
Wäre die Mauer nicht gewesen, Clauss Dietel hätte es mit seinen Ideen und Entwürfen wohl zu Weltruhm gebracht. Er ist vergleichbar mit Dieter Rams, der schon in den Sechzigern in der Bundesrepublik mit Produkten für „Braun“ (Radios, Musikanlagen) vorwegnahm, was später zum Markenzeichen von Apple wurde: Reduziertes Design, zeitlos im Gewand. Das war schon damals das Markenzeichen von Dieter Rams – und Prof. Karl Clauss Dietel.

Schreibmaschine Erika 50/60
Schreibmaschine Erika – Entwurf K.C. Dietel, Quelle: Stiftung Industrie- und Alltagskultur

Später Ruhm

Nach den vielen Jahren, die er im Beruf des Gestalters verbracht hat und besondere und prägende Entwürfe kreiert hat, wurde ihm im Jahr seines 80. Geburtstags die höchste deutsche Design-Auszeichnung verliehen. Für sein Lebenswerk erhielt er den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland. „Ich betrachte das als Würdigung für die Arbeit vieler Kollegen im Osten“, sagt der Preisträger.