Berlin für Mütter – nicht nur am Muttertag

Meine Zeit in Berlin neigt sich mit rapider Geschwindigkeit ihrem Ende zu – mein letzter Monat! – , und eins steht auf alle Fälle fest: Der Preis für meine treusten Besucher geht an meine Eltern. Zwar hatten sie die Berliner Highlights alle schon gesehen – und zwar lange, bevor ich mich entschied, hierher zu ziehen. Das hielt sie nicht davon ab, viele Male wiederzukommen. Wahrscheinlich weiß meine Mutter inzwischen mehr über Berlin als ich. Deswegen – und natürlich, weil der Muttertag vor der Tür steht – ist dieser Beitrag meiner Mutter gewidmet und soll Euch einige ihrer absoluten Lieblingsadressen hier in Berlin vorstellen.


Meine Eltern in einem echten Berlin Photoautomat. Bildquelle: Daphne Damiaans

Schloss Charlottenburg

So sehr meiner Mutter die kreative Atmosphäre in der deutschen Hauptstadt gefällt, so wenig ist sie von dem Graffiti auf den ganzen schönen Gebäuden angetan. Stimmt schon, Berlin kommt manchmal etwas schmuddelig rüber. Den perfekten Gegenpol dazu bietet das immer makellos adrette Schloss Charlottenburg. Das größte Berliner Schloss wurde 1695/99 erbaut. Seit seiner sorgfältigen Renovierung prunkt es nun wie ein kleines Versailles im kaum weniger schmucken Charlottenburg. Mir hat es viel Spaß gemacht, durch die endlosen Zimmerfluchten zu wandeln – eins üppiger ausgestattet als das andere – und mir vorzustellen, wie es wohl gewesen sein mag, hier zu wohnen.

Spandauer Damm 20-24, Charlottenburg


Schloss Charlottenburg. Bildquelle: spsg.de


Schloss Charlottenburg. Bildquelle: spsg.de

Frühstück im ALEX

Auch wenn sie es nur ungern zugeben würde, weiß ich, dass meine Mutter nicht wirklich darauf steht, auf einem durchhängenden Sofa mit dröhnenden Techno-Beats im Hintergrund zu frühstücken. Sie ist durchaus bereit, alle möglichen abenteuerlichen Gerichte auszuprobieren (siehe „Abendessen im Soy“), und lässt sich auch von Avocado auf Toastbrot oder Pancakes mit Buttermilch und schwarzen Johannisbeeren nicht ins Bockshorn jagen. Aber eigentlich hat sie‘s am liebsten gemütlich – ein bequemer Stuhl an einem ganz normalen Tisch und ein reichhaltiges Büffet mit allem Drum und Dran: von Croissants bis hin zu Eiern, von Süßspeisen bis hin zu verschiedenen Käsesorten. Im ALEX werden ihre Ansprüche voll erfüllt, und das auch noch in einer tollen Location direkt unterm Fernsehturm.

Panoramastraße 1A, Mitte


Meine Mutter im ALEX. Bildquelle: Daphne Damiaans

Spaziergang am Landwehrkanal

Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Eltern nie wirklich verstanden haben, was an dem Lärm und Gedränge des Türkenmarkts am Maybachufer so toll sein soll. Aber dann war da dieser zauberhafte Herbsttag, an dem wir wieder einmal am Landwehrkanal spazieren gegangen sind – weitab vom Türkenmarkt an einem der vielen ruhigen Abschnitte entlang. Die Altbaufassaden erstrahlten in herbstlichen Gelb- und Rottönen, die Sonne wärmte unsere Gesichter. Wir traten durch einen Hofeingang und entdeckten mitten in der Großstadt ein kleines Paradies – Welten entfernt von der Hektik des Kottbusser Damm. Mit rosig glühenden Gesichtern gingen wir ins Kaffee A.Horn und aßen einen der leckersten Käsekuchen in ganz Berlin, und meine Eltern begriffen endlich, warum ich unbedingt nach Berlin ziehen wollte.

Kaffee A. Horn: Carl-Herz-Ufer 9, Kreuzberg

Markt auf dem Kollwitzplatz

Meine Eltern schwärmen bis heute von einem Markt, den sie auf ihrer allerersten Berlinreise entdeckt hatten – lange, bevor ich auf den Gedanken kam, hier leben zu wollen. Dort hatten sie sich an einem Stand einen Kaffee und an einem anderen ein leckeres Stück Kuchen gekauft, beides in der Sonne genossen und dabei die schillernde Vielfalt der Berliner in ihrem natürlichen Element erlebt. Bei ihrem letzten Besuch schafften wir es endlich, diesem Markt an der Kollwitzstraße einen Besuch abzustatten. Trotz des nasskalten Wetters fand ich, dass der Markt zu den schönsten in ganz Berlin gehört. Das lag nicht nur an den bunten Ständen, die Gemüse, Blumen, Tücher (meine Mutter liebt Tücher) und verschiedene Weinsorten verkauften, sondern vor allem auch an der unübertrefflichen Lage inmitten der mit wunderschönen Gebäuden und jeder Menge Bäumen gesäumten Kollwitzstraße.

Donnerstags (12.00 – 19.00 Uhr) und samstags (9.00 – 16.00 Uhr)

Abendessen im Soy

„Habt ihr schon mal vietnamesisch gegessen?“, fragte ich meine Eltern, als sie mich zum ersten Mal in Berlin besuchten. Meiner Mutter stand die Skepsis ins Gesicht geschrieben. Sie ist kein großer Fan des fettigen Essens, das in Holland üblicherweise als „chinesisch“ aufgetischt wird, obwohl kein Chinese es als solches wiedererkennen würde. Trotzdem konnte ich sie überreden, mit mir ins Soy zu gehen, eins meiner Favoriten unter den vietnamesischen Restaurants in Berlin. Wir teilten uns eine Portion banh xeo – ein knuspriger Pfannkuchen mit einer Füllung aus verschiedenen Gemüsesorten und Kräutern –, probierten echte Frühlingsrollen (nicht die Riesendinger, die es auf holländischen Wochenmärkten zu kaufen gibt) und Sommerollen, die mit zu den leckersten gehörten, die ich je gegessen habe. Seitdem ist meine Mutter auf der Suche nach einem guten vegetarischen vietnamesischen Kochbuch – und will jedes Mal, wenn sie hier ist, ins Soy gehen.

Rosa-Luxemburg-Straße 30, Mitte


Abendessen im Soy. Bildquelle: TripAdvisor

Tausend Dank für ALLE Eure Besuche, papa en mama – ich hab euch sehr lieb!