Die kulinarische Hauptstadt – Ostalgie und internationale Küche

Berlin ist internationaler denn je. Das wird nicht nur auf den Straßen sichtbar, sondern ist auch an den vielen verschiedenen Restaurants erkennbar. Internationale Küche von asiatisch über lateinamerikanisch, orientalisch bis hin zu afrikanisch: alles findet sich in Berlin. An diesem Samstag startet die Berlin Food Week, auf der eine Woche lang verschiedene Veranstaltungen rund um Essen, Restaurant und Food Marktes stattfinden und die das gute Essen feiert.


Internationale Küche in der DDR

In den Zeiten der DDR war exotisches Essen nicht einfach zu finden und beschränkte sich auf die Regionen der sozialistischen Bruderstaaten. So konnten auf der Karl-Marx-Allee verschiedene Restaurants besucht werden, die unter anderem russische, rumänische und ungarische Köstlichkeiten anboten.

In den 1950er Jahren eröffnete der DDR-Handelsverband sieben solcher Restaurants in Ost-Berlin: Moskau, Budapest, Warschau, Bukarest, Sofia, Praha und Morave (ein Weinrestaurant benannt nach dem serbischen Fluss). Das offizielle Ziel war es, durch das Servieren landestypischer Gerichte und dem Veranstalten verschiedener Events, den Menschen der DDR diese Länder näher zu bringen. Das Café Warschau zum Beispiel beschäftigte fast nur Polen und servierte polnischen Kuchen (Warschauer Torte, um eine Sorte zu nennen) und andere Nationalgerichte.

Cafe Moskau
Café Moskau, Quelle: Bundesarchiv

Zu Gast waren jedoch nur die Eliten der DDR und – überraschenderweise – Gäste aus West-Berlin. Die Preise waren für DDR-Verhältnisse doch sehr hoch, sodass eben nur die DDR-Eliten und die Westberliner Gäste sich einen Besuch leisten konnten. Sie probierten gern die unterschiedlichen Geschmäcker der Küchen aus dem Ostblock. Das Gästebuch des Restaurants Budapest zeigt, dass hier sogar der spätere US-Präsident Richard Nixon ein herzhaftes Menü begleitet von Zigeunermusik genoss.

Central Berlin - Cafe Moskau
Café Moskau

Und heute?

Leider ist die Karl-Marx-Allee nicht mehr die kulinarische Meile, die sie einmal war. Was machen Sie jetzt also, wenn Sie in Berlin sind und Sie die Stimmung für polnisches, russisches oder bulgarisches Essen packt? Sie werden etwas über die Karl-Marx-Allee hinausgehen müssen. Aber es gibt immer noch sehr gute, landestypische Restaurants in Berlin – auch wenn sie nicht mehr von der Regierung geführt werden.

Für russisches Essen empfehlen wir Ihnen, ins Datscha (Gabriel-Max-Straße 1, Friedrichshain) zu gehen, für polnisches Essen sollte das Pierogarnia (Turiner Straße 21, Wedding) nicht auf Ihrer Liste fehlen, die ungarische Küche genießen Sie im Budapest Calling (Dorotheenstraße 12, Mitte), rumänisches Essen wird im Baron (Hermsdorfer Damm 133, Reinickendorf) serviert und den bulgarischen Geschmack erleben Sie im Primaria (Gärtnerstraße 12, Friedrichshain).

Für tschechische Küche können Sie auf der Karl-Marx-Allee bleiben und das Restaurant Prager Hopfenstube (Karl-Marx-Allee 127) besuchen.

Original DDR-Küche

Die meisten DDR-Köstlichkeiten sind auch heute noch feste Bestandteile der Speisepläne vieler Berliner. In 40 Jahren DDR hat sich trotz regionaler Unterschiede und Vorlieben eine eigene DDR-Küche entwickelt, die einige Besonderheiten aufweist, welche größtenteils historisch bedingt sind. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen durch Flucht und Vertreibung Millionen Deutsche aus den ehemaligen preußischen Provinzen wie Schlesien und Ostpreußen sowie aus den Gebieten des heutigen Tschechien in die Region, die später zur DDR wurde.

Küche DDR
Kochen in der DDR; Quelle: kallejipp-photocase.de

Diese Einwanderer brachten ihre regionalen Rezepte und Essgewohnheiten mit. So kam es zu Kreationen, die später fast ausschließlich in den Haushalten der DDR gekocht wurden und die über die Wiedervereinigung hinaus ihren festen Platz in der heutigen deutschen Küche behielten.

Bei den Gerichten der DDR-Küche spielten traditionelle und regionale Zutaten eine wichtige Rolle. Zu Speisen mit Schwein, Rind und Geflügel wurden überwiegend Kartoffelgerichte und Reis gereicht. Gerichte wie Kochklopse und Ragout fin dürfte jeder ehemalige Ostberliner aus seiner Kindergarten- oder Schulzeit kennen und lieben. Als Nachspeise gab es in vielen Küchen den typischen Schwedenbecher, ein Eisbecher mit Vanilleeis, Apfelmus, Eierlikör und Sahne. Er findet sich auch heute noch auf den Speisekarten vieler Restaurants.

Eisbecher
Eisbecher; Quelle: time.-photocase.de

Andere Gerichte, die weltweit und natürlich auch in der BRD ein Renner waren, waren in der DDR nicht gerne gesehen. Als in der BRD die ersten Pizzerien aufmachten und die Pizza begann, Deutschland zu erobern, war die Delikatesse aus dem kapitalistischen Süden in der DDR ebenso verpönt wie Hamburger und Hot Dogs.

So kam es, dass die Bürger der DDR ihre eigene Pizza erfanden – die Krusta! Zwar wurde diese DDR -Delikatesse nie als sozialistische Pizza-Alternative beworben, sie wies jedoch frappierende Ähnlichkeiten mit dem westlichen Pendant auf: ein knuspriger Boden, der mit Käse, Gemüse und Fleisch belegt wurde.

Krusta
Krusta – DDR Pizza

DDR Essen heute?

Wer gerne heute nochmal die originalen Gerichte der DDR testen möchte, findet in Berlin natürlich auch Restaurants, die alte DDR-Spezialitäten anbieten.

Wir empfehlen die „Volkskammer“ (Str. der Pariser Kommune 18b, 10243 Berlin) in der Nähe vom Strausberger Platz, in der in originalem Ost-Design sozialistische Volkskost serviert wird und das „Restaurant Pila“ (Weinstraße 11, 10249 Berlin), das als DDR-Museumslokal bekannt ist.

Wer einen original DDR-Snack probieren möchte, dem empfehlen wir „Alain Snack“. Hier gibt es noch den authentischen Ost-Hot-Dog. Guten Appetit und viel Spaß beim Schlemmen.