Stimmt das eigentlich? 7 Mythen über die DDR

Vor fast 30 Jahren fiel die Mauer. Seitdem ranken sich allerlei Mythen und Vorurteile um den deutschen sozialistischen Staat. Doch wer sich genauer mit der DDR und dem Alltag der Menschen in jenen Jahren beschäftigt, wird bald feststellen, dass nicht alles stimmt, was man sich über die Deutsche Demokratische Republik erzählt. Stimmt’s oder stimmt’s nicht? Wir bringen Licht ins Dunkeln und räumen auf mit den hartnäckigsten Mythen über die DDR.


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1. Mythos: In der DDR gab es keine Arbeitslosen.

Damals rühmten sich Regierungsvertreter der DDR gern mit der Vollbeschäftigung in ihrem Staat. Der Abbau der Arbeitslosigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg war ein wichtiges politisches Ziel. Zudem wurde Arbeitslosigkeit als ein Problem des Kapitalismus dargestellt. Im Sozialismus der DDR hingegen sollte jeder Person das Recht auf Arbeit gewährt werden – Vollbeschäftigung wurde zu einem wesentlichen Merkmal der zentralen Planwirtschaft. Und tatsächlich: Offene Arbeitslosigkeit war ein seltenes Randphänomen und galt unter Umständen sogar als Straftat. Dennoch gab es Arbeitslose. So führten beispielsweise Materialengpässe, marode Produktionsstätte und defekte Maschinen häufig zu Ausfallzeiten in Betrieben. Oft waren auch mehr Personen in einem Unternehmen angestellt als benötigt wurden, sodass nicht jederzeit alle beschäftigt werden konnten. DDR-Forscher und Historiker gehen daher von einer verdeckten Arbeitslosigkeit von rund 15 Prozent aus.

2. Mythos: In der DDR bekam jedes Kind einen Kitaplatz.

Kinder in der DDR
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Die Kinderbetreuung in Krippen, Horten und sogenannten Kinderkombinationen war in der DDR lückenlos geregelt. Es war üblich, dass Mütter schon nach einigen Wochen der Niederkunft wieder arbeiten gingen. Ihr Baby konnten sie ganztags in einer Krippe unterbringen, in denen sie häufig bis ins Schulalter von pädagogischen Fachkräften betreut wurden, wenn die Eltern arbeiten gingen. Angesichts der geringen Anzahl an Kitaplätzen heutzutage klingt das Kinderbetreuungskonzept der DDR überraschend fortschrittlich. Doch gab es auch nur wenige Alternativen: Erst 1976 konnte eine Mutter in der DDR sich dafür entscheiden, zu Hause zu bleiben, um selbst für das Kind zu Sorgen. Die Erziehung in den staatlichen Kinderkrippen folgte zudem den Leitlinien des Sozialismus, die auch eine Militarisierung der Kinder einschloss.

3. Mythos: In der DDR gab es keine Telefone.

Dass Bürger der DDR lange auf ein Auto warten mussten, ist hinlänglich bekannt. Doch auch Telefone ließen auf sich warten: Bis zu 25 Jahre nach Bestellung konnte es dauern, bis es ausgeliefert wurde. Besonders große Chancen auf einen Telefonanschluss hatten Menschen, die in der Stadt wohnten, beispielsweise in Ostberlin. Aber auch bestimmte Personengruppen wurden bevorzugt, wie Pfarrer, Ärzte und Parteifunktionäre. Verbreitet waren außerdem öffentlich zugängliche Telefone in Postämtern, Rathäusern und sogar in Privatwohnungen. 1989 besaßen nur elf Prozent der DDR-Bürger ein eigenes Telefon und 1,6 Millionen Menschen hatten eine Bestellung aufgegeben.


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4. Mythos: DDR-Bürger konnten nicht den Beruf ergreifen, den sie gern wollten.

Das Recht auf Arbeit gab es. Eingeschränkt war jedoch die Berufsfreiheit, also das Recht jedes Menschen, seinen Arbeitsplatz und seine Ausbildungsstätte frei wählen zu können und zu keiner Tätigkeit gezwungen werden zu dürfen. Wenn DDR-Bürger Verwandte oder andere Kontakte in den Westen hatten oder eine kritische Haltung zum Staat zeigten, wurde ihnen der Zugang zu bestimmten Berufsgruppen verwehrt. Sie erhielten zum Beispiel keinen Studienplatz. Oppositionellen wurden häufig unverfängliche Arbeitsplätze in Produktionsbetrieben zugeteilt. Auswege für Menschen, die sich der Zuweisung nicht beuge wollten, gab es wenige. Einige von ihnen übernahmen Tätigkeiten bei der Kirche.

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5. Mythos: Selbstständigkeit in der DDR war verboten.

In der DDR waren alle Betriebe in der Hand des Staates? Falsch! Auch im Arbeiter- und Bauernstaat hatten die Bürger grundsätzlich die Möglichkeit, einen eigenen Betrieb zu eröffnen und sogar Mitarbeiter einzustellen. Private Betriebe waren allerdings bei der Obrigkeit nicht gern gesehen. An Arbeitsmaterialien, Mobiliar oder Werkzeug zu kommen war entsprechend schwierig, sodass in den Betrieben häufig improvisiert werden musste. Zudem wurden Privatunternehmer dazu gezwungen, sich in Genossenschaften zusammenzuschließen, die wiederum staatlich kontrolliert waren.

6. Mythos: Sonntag war der einzige Wochentag ohne Schule.

Von einem langen Wochenende konnten Schüler der DDR nur träumen. Samstagsschule war ein ausgemachtes Ostprodukt und Unterricht an diesem Tag demnach völlig normal. Mit der Sechs-Tage-Woche folgte man dem großen Vorbild Moskau und anderen Ostblockstaaten. Doch nicht nur Schüler, auch die arbeitende Bevölkerung folgte über viele Jahre hinweg dem Rhythmus einer Sechs-Tage-Woche. 1967 wurde der freie Samstag als „gesetzlich verbrieftes Recht der Werktätigen“ eingeführt, womit Ulbricht auf eine weitestgehende Stabilisierung der DDR-Wirtschaft reagierte. Die Schüler mussten jedoch noch etwas länger warten: Erst in der Wendezeit wurde der Samstag zu einem schulfreien Tag sowie Lehrplan und Bildungssystem an die Bundesrepublik angepasst. Im Zuge dessen wurden auch der sogenannte Wehrunterricht und die morgendlichen Appelle gestrichen.

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7. Mythos: In der DDR hatten es sportliche Talente leicht.

Die DDR wird bis heute von vielen Menschen als regelrechte Sportnation verklärt. Die Beweise dafür erbrachte die DDR bei internationalen Sportwettbewerben, zum Beispiel bei den Olympischen Spielen 1968 und den Winterspielen 1976 und 1988, bei denen sich die DDR-Sportler vielfach gegen Sportler der Bundesrepublik, USA und sogar UdSSR durchsetzen konnten. Sportliche Höchstleistungen – am besten in prestigeträchtigen Spitzensportarten – waren ein wichtiges Anliegen der DDR-Obrigkeit. Weltrekorde und Medaillen trugen zur nationalen Identitätsbildung bei und stellten die DDR in der Weltöffentlichkeit in ein positives Licht. Dementsprechend hoch waren die finanziellen Summen, die in die Sportförderung gesteckt wurden. Sportschulen und -clubs als Ausbildungsstätte für Sportler waren über das gesamte Land verteilt. Doch den professionellen Berufssportler lehnte der SED-Staat ab. Stattdessen waren alle Sportler Amateure und neben ihrer mitunter beeindruckenden Sportkarriere bei einem Arbeitgeber angestellt.


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