Zeiss-Großplanetarium Berlin – in der DDR und heute eines der besten Planetarien Europas

30-jähriges Jubiläum des Zeiss-Großplanetariums

Im Herbst 2017 jährte sich zum 30. Mal ein Ereignis, das für die DDR von nahezu staatstragender Bedeutung war: Am Rand des neuen sozialistischen Vorzeigewohngebietes Ernst-Thälmannpark im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg wurde am 9. Oktober 1987 das Zeiss-Großplanetarium mit Pomp und Gloria eröffnet. Erich Honecker ließ es sich nicht nehmen, den schicken Neubau höchstpersönlich an die Bevölkerung zu übergeben. Er und die ganze DDR-Führungsriege waren begeistert. Ein Redner sprach vom „neuen Wahrzeichen Berlins“, das Bauwerk wurde als „weithin sichtbares Zeugnis für die große sozialökonomische Leistungskraft der DDR“ gelobt, wie die Berliner Zeitung am 5. Oktober 2017 berichtete.

Zeiss-Planetarium-Berlin
Luftbild des Zeiss-Großplanetariums ©SPB / Foto: Hans-Friedger Lachmann

Hochkarätige Architektur und Technologie

Der Erfolg des Großplanetariums war geradezu vorprogrammiert, denn für das Projekt hatte man die Elite der landeseigenen Baumeister gewinnen können. Einer der renommiertesten DDR-Architekten, Erhardt Gißke, arbeitete hier mit einem der renommiertesten DDR-Bauingenieure, Ulrich Müther, zusammen. Gißke hatte zuvor den Palast der Republik und das Bettenhaus der Charité errichtet; Müther zeichnete für zahlreiche expressive Betonschalen-Bauwerke verantwortlich, darunter auch das sogenannte Ahornblatt auf der Berliner Fischerinsel.

Foyer-Zeiss-Planetarium
Foyer des Zeiss-Großplanetariums ©SPB / Foto: Frank-Michael Arndt


Planetariumssaal des Zeiss-Großplanetariums©SPB / Foto: Frank-Michael Arndt

Am Ernst-Thälmann-Park bündelten Gißke und Müther ihre Fähigkeiten und ließen mit dem Zeiss-Großplanetarium einen Bau zur Forschung und unterhaltsamen Wissensvermittlung entstehen, der weit über die Grenzen der DDR hinaus für Aufsehen sorgte: Nicht nur architektonisch war das Planetarium mit seiner dünnwandigen Betonkuppel ein Genuss. Der computergesteuerte Sternenprojektor „Cosmorama“ aus dem VEB Carl Zeiss Jena machte den Neubau zu einem der modernsten Planetarien weltweit. Unterstützt von 69 Diaprojektoren warf der „Cosmorama“ den Sternenhimmel in die 23 Meter hohen Kuppel. Eine Audioanlage mit 89 Lautsprechern sorgte für hochwertigen Sound. Dem phantastischen Erlebnis entsprechend, hieß das erste Programm „Phantastisches Weltall“.

Planetariumssaal
Planetariumssaal ©SPB / Foto: Frank-Michael Arndt

Veralterung, millionenschwere Sanierung und Wiedergeburt

Die Bevölkerung, der Honecker 1987 den Staffelstab übergeben hatte, nahm das Angebot bereitwillig an. In den ersten beiden Jahren nach der Eröffnung kamen über 500.000 Besucher. Stolz führte man Staatsgäste durch das Gebäude, Fachleute aus aller Welt tagten dort. Doch irgendwann kam das Planetarium in die Jahre. Der Besucherstrom nahm immer mehr ab und erreichte gegen 2013 seinen absoluten Tiefpunkt.

Dann kam auch für das Zeiss-Großplanetarium die Wende: Von 2014-16 wurde es für 13 Millionen Euro komplett saniert. Der „Cosmorama“-Projektor wich der besten digitalen Technik, die derzeit auf dem Weltmarkt zu haben ist. Sie macht das Planetarium heute wieder zum modernsten Sternentheater Europas. Mit 830 Quadratmetern hat es nach wie vor die größte Projektionsfläche des Kontinents. Zur neuen Ausstattung gehören über 100 Diaprojektoren, eine Showlaseranlage, eine Raumtonanlage mit 89 Doppellautsprechern und Videoprojektionstechnik.

Planetariumssaal mit Computertechnik
Planetariumssaal mit Computertechnik ©SPB / Foto: Frank-Michael Arndt


Kino im Zeiss Großplanetarium ©SPB / Foto: Frank-Michael Arndt

Der ausrangierte Sternenprojektor ist jetzt im Foyer zu bewundern. Auch andere Zeugnisse der DDR-Vergangenheit wurden bewahrt: Bei der Neueröffnung im August 2017 zeigte Direktor Tim Florian Horn die Uniformen, die Mitarbeiter des Planetariums 1987 getragen hatten: graue Kunstlederjacken für die Frauen und Anzugjacken aus Leder mit roter Krawatte für die Männer. Aufgehoben hat Horn auch die alten Ledersessel in seinem Büro und drei Polsterstühle, die jetzt im Keller stehen. Auf einem von ihnen soll Honecker bei der Eröffnung gesessen haben.