Abkühlung nach Ostberliner Art

Der Sommer in Berlin: Wenn ich einen Grund bräuchte (als wenn ich nicht bereits genug Gründe hätte), länger als ein Jahr in Berlin zu bleiben, wäre das, weil ich den Sommer hier nicht verpassen möchte. Das letzte Jahr war nahezu magisch: Bier genießen an den Stränden der Stadt, unzählige Grillabende im Volkspark Friedrichshain, Durchtanzen bis zum Sonnenaufgang und vor allem: schier endloser Sonnenschein. Als Holländerin war ich das nicht gewohnt. Leider gab es aber auch die Hitze, die im August bis auf 40 Grad Celsius stieg. Um mich auf diese Temperaturen vorzubereiten, holte ich mir ein paar Tipps zum Abkühlen aus der ehemaligen DDR. Lest, wie sich Berlin Mitte seit 50 Jahren abkühlt.

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Sommer in Berlin. Quelle: Daphne Damiaans.

Planschen im Hinterhof

Während meiner ersten Monate in Berlin bot sich mir auf dem Weg zum Supermarkt ein irritierender Anblick: eine Art verlassener, alter Swimming-Pool am Straßenrand – nicht tief genug, um darin zu schwimmen und ohne Wasser darin. Dennoch konnte ich mir keinen anderen Verwendungszweck vorstellen. Doch sobald der Sommer begann, wurden Sprinkler am Rand des Beckens aufgestellt und plötzlich war es voller Menschen, die im seichten Wasser spielten und um den Pool herum Picknicks veranstalteten. Ich fand heraus, dass diese DDR-Planschbecken oder „Planschen“ überall im ehemaligen Ostberlin zu finden waren und als kostenlose Schwimmbecken für die Kinder der Stadt dienten. Einige von ihnen – wie das in meinem Hinterhof in der Singerstraße – überstanden die Zeit. Das Planschbecken soll demnächst renoviert werden, doch ich denke, das ist den Kindern, die dort in diesem Sommer herumtollten, völlig egal.

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Auf meinem Weg zum Supermarkt im letzten Sommer. Quelle: Daphne Damiaans. 

Das Schwimmbad an der Karl-Marx-Allee

Spoiler-Alarm: Dieses Schwimmbad existiert nicht mehr. Aber es gab früher einmal ein Freibad an der Karl-Marx-Allee. Direkt neben der Straße und für jedermann Tag und Nacht frei zugänglich. Stellt euch vor, von einer Party nach Hause zu kommen und noch schnell ein Bad zu nehmen… Das Schwimmbad wurde in den 1960er Jahren eröffnet und alte Fotos zeigen, wie glückliche Kinder der DDR dort vor den berühmten Gebäuden der Karl-Marx-Allee im Wasser planschten. Dieses „Planschbecken“ musste jedoch 2013 aufgrund seines schlechten Bauzustands geschlossen werden. Seitdem bietet es einen traurigen Anblick und ist kaum noch als Schwimmbad zu erkennen – man sieht nur noch einige von Zäunen umgebene Löcher im Boden. Doch es besteht Hoffnung, denn das Schwimmbad soll eines Tages wieder eröffnet werden. 2013 ging man von 2015 aus und 2014 wurde 2016 als Zeitpunkt angegeben. Wahrscheinlich wird es irgendwann in der Zukunft wieder eröffnet, vermute ich. Einer meiner Freunde wollte nicht so lange warten und nahm nachts ein Bad im Brunnen am Strausberger Platz. Ich weiß nicht, ob das wirklich so gesund ist und halte daher einfach nur meine Füße ins Wasser, bis das Schwimmbad wieder eröffnet wird.

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Die Überreste des Schwimmbads an der Karl-Marx-Allee. Vielleicht eines Tages wieder…? Quelle: Daphne Damiaans.

Berlins viele Seen entdecken

Wo soll man also in der Nähe des Strausberger Platzes und der Karl-Marx-Allee schwimmen, bis das Planschbecken renoviert ist? Hierzu muss man mit der U-Bahn fahren. Es gibt einige Freibäder im ehemaligen Ostberlin. Das Schwimmbad auf dem RAW-Gelände ist mein Lieblings-Bad. Dieses Bad mit dem Namen „Haubentaucher“ liegt inmitten der Ruinen einer ehemaligen Schienenbaufabrik. Da es jedoch relativ neu ist, stellt sich die Frage: Wo sind die Ostberliner zu DDR-Zeiten schwimmen gegangen? Die Antwort: in einem der vielen Seen in und um Berlin. Die schöne Havel und der Wannsee liegen in Westberlin, aber Ostberlin hatte den Weißensee, den Orankesee und den Müggelsee, um nur einige zu nennen. Alle Seen eignen sich perfekt zum Schwimmen und Sonnenbaden, können aber sehr überfüllt sein. Meine Lieblingsseen sind die drei Kaulsdorfer Seen im äußersten Osten Berlins – schwer zu erreichen, aber genau aus diesem Grund ein verborgener Schatz. Falls euch eine weite Anreise nicht stört, lohnt sich auch ein Besuch am Liepnitzsee mit seinem unglaublich klaren Wasser und von nichts als purer Natur umgeben.

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Möchtest Du ungestört und in Ruhe schwimmen? Dann ist der Liepnitzsee im Norden Berlins der richtige Ort für dich. Quelle: Daphne Damiaans

Zehen im Sand

Wenn Du nur einen Strand suchst und nicht unbedingt schwimmen möchtest, ist Berlin Mitte dein bester Freund. Keine andere Stadt in Deutschland (und auch nicht in den Niederlanden) bietet so viele Stadtstrände wie Berlin. In einem Radius von einer Meile um den Strausberger Platz finden sich mindestens 5 Strandbars, die ich kenne. Ich habe bereits Yaam, Sage und Holzmarkt Pampa in meinem letzten Blogpost beschrieben. Der Vollständigkeit halber seien hier noch die Strandbars am Alexanderplatz (AlexOase) und neben der Station Jannowitzbrücke (Gestrandet an der Jannowitzbrücke) genannt. Außer der Lage erinnert hier nichts mehr an die ehemalige DDR, aber die Bars wären in den 60er und 70er Jahren sicherlich genauso beliebt gewesen wie heute.

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Die einfachen Dinge des Lebens: Bier und Sand sind alles, was man für einen Sommertag braucht. Quelle: Daphne Damiaans.

Eis, Eis, Baby…

Und dann noch das: die schnellste und wahrscheinlich leckerste Art, sich abzukühlen – Eiscreme. Ich bin immer noch überrascht, wie viel Eiscreme die Deutschen essen und dass man Eis fast an jeder Straßenecke bekommt. Die Liebe zum Eis ist nichts Neues – bereits zu DDR-Zeiten war die Karl-Marx-Allee für ihre Eisdiele berühmt. Die Mokka-Milch-und-Eisbar befand sich direkt neben dem Kino International und wurde Anfang der 60er Jahre eröffnet. Sie muss wirklich beeindruckend gewesen sein: 2 Etagen mit 300 Sitzplätzen – und dennoch oft überfüllt und daher mit langen Warteschlangen. Auf der Karte standen Spezialitäten wie „Pittiplatsch“ (benannt nach einer fiktiven Figur einer ostdeutschen Fernsehserie) und Mokka-Flip. Leider existiert die Eisdiele heute nicht mehr. Auch wenn es rund um den Strausberger Platz immer noch frisches Eis gibt, ziehe ich es vor, ein wenig auf Entdeckungsreise zu gehen und einzigartige Geschmacksrichtungen wie Moscow-mule (Rosa Canina, Hufelandstraße 7, Prenzlauer Berg) und mango-lassi (EisPiraten, Grünbergerstraße 85, Friedrichshain) zu probieren.

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Direkt hinter dem Volkspark Friedrichshain vom Strausberger Platz aus gibt es die beste Eiscreme bei Rosa Canina. Quelle: Daphne Damiaans.