And the Bear goes to….

Strausberger Platz – hier wird durchgedreht. Was auf der nächsten Berlinale gezeigt wird, das entsteht auch hier: im Herzen Berlins.

Vorhang auf, die Show beginnt: Vom 11.- 21. Februar treffen sich Cineasten der ganzen Welt in Berlin. Die Berlinale, weltweit eines der wichtigsten Filmfestivals, zeigt über vierhundert Filme und verkauft fast eine halbe Millionen Tickets. Ein Festival der Superlative – auch für Journalisten, die aus 160 Ländern anreisen, um am roten Teppich vor dem Festivalkino am Potsdamer Platz die Parade der Stars abzunehmen. Clint Eastwood, Sharon Stone, Tilda Swinton, Meryl Streep – bei oftmals klirrender Kälte knistern die Smokings und die Roben.<

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Quelle: kallejipp – Photocase.de

Dieses Jahr geht der goldene Ehrenbär für sein Lebenswerk an den Kameramann Michael Ballhaus. Über 130 Filme gehen auf sein Konto. Er hat mit Martin Scorsese, Francis Ford Coppola und Robert Redford gearbeitet. Und mit Wolfgang Petersen. Petersen (Troja, Air Force One, Enemy Mine…) geht gerade in den Turm am Strausberger Platz. Bevor der Meister den Fuß über die Schwelle setzt, ist längst eine Armada an Mitarbeitern aufgekreuzt. Unschwer zu erkennen, wenn circa 14 Trucks die Straße säumen.
Wolfgang Petersen hat zwar bis dato bereits zig Preise eingeheimst, wurde aber im Gegensatz zu seinem Kameramann Michael Ballhaus noch nicht mit einem „Berlinale-Bären“ dekoriert. Vielleicht klappt es mit dem Werk, das grade am Strausberger Platz entsteht. „Vier gegen die Bank“ heißt der Film, der zu Teilen hier gedreht wird. Mit im Boot (sorry – mit „Das Boot“ hat Petersen den internationalen Durchbruch geschafft…) sind die vier Superstars der deutschen Schauspielriege: Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Michael „Bully“ Herbig und Jan Josef Liefers. Zwei davon haben sogar Hollywooderfahrung. Schweiger in „Inglourious Basterds“ von Quentin Tarantino und auch neben Halle Berry und Jessica Biel in „Happy New Year“. Schweighöfer, dessen „What a Man“ auch in US amerikanischen Kinos startete, wurde von der New York Times als Talent bezeichnet, „das man im Auge behalten sollte“. Egal was kommt: die Viererbande sitzt grade in der Küche im dritten Stock und verputzt den Lachs, den das Catering für das gesamte Team vorbereitet hat. Direkt neben der Wohnungsbesitzerin, die sich einen Platz am Tisch als Arbeitsbereich gerettet hat.

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Quelle: #almo – Photocase.de

Während die erfolgreiche Stylistin das Netz via iPad nach schönen Dingen für ihr nächstes Shooting durchforstet, wird in der Wohnung um- und aufgebaut. Der ehemals weiße Flur wurde in ein merkwürdiges Grün gestrichen und so dekoriert, dass die eigentliche Bewohnerin „… sich vor Lachen ausgeschüttet hat“, als sie es das erste Mal gesehen hat. Sie muss den Deko-Gau (bitte: es ist ein Filmset!) nicht lange ertragen. Der gesamte Grundriss der 120 Quadratmeter wurde eins-zu-eins in Babelsberg nachgebaut. Vor Ort, am Strausberger Platz, wird nur ein Tag gedreht. Aber es geht weiter. Die UFA Filmproduktion hat sich schon angekündigt und wird im Turm am Strausberger Platz Szenen eines Spielfilms drehen. Was genau? Top Secret! Aber eine internationale Produktion.

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Quelle: Franzworks – Photocase.de

In Babelsberg nahe Potsdam ist nach dem Ende der DDR ein weltweit renommiertes Studio entstanden. Hier und innerhalb Berlins sind unter anderem „Die Tribute von Panem – Mockingjay“ zu großen Teilen und entstanden. Und: „Der Vorleser“, „Inglourious Basterds“, „Der Ghostwriter“, „Anonymus“, „Die drei Musketiere“, „Cloud Atlas“ oder „Grand Budapest Hotel“ – alles Made in Berlin – pardon – Berlin und Potsdam. Vieles natürlich auch am Strausberger Platz.

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Quelle: Andreas Tölke

Sie mögen Homeland? Na bitte: in sechs Monaten an fast 140 Drehtagen wurde an 100 verschiedenen Orten, darunter in Berlin, Potsdam, Nauen, Luckau, Falkensee und Schönefeld, die fünfte Staffel der Serie gefilmt. Und zwar wirklich HIER. Am Strausberger Platz haben die Produktionsbusse über eine Woche geparkt. Die Chance, in Berlin auf Claire Danes oder Matt Damon zu treffen, ist an der Karl-Marx-Allee gar nicht schlecht. Matt Damon übrigens – aber das ist noch ein Gerücht – kommt zurück für „Die Bourne Verschwörung“. Die Autoverfolgungsjagd des Action-Spektakels „Die Bourne Verschwörung“ und „Das Bourne Ultimatum“ wurden in Berlin gedreht. Und spielten in Moskau. Es lohnt sich also genauer hinzuschauen. Bodentiefe Fenster mit schmiedeeisernen Gittern bis auf halbe Höhe könnten ein Hinweis sein, dass man grade am Strausberger Platz ist. Oder der Brunnen… Und wenn man es schon nicht bis nach Berlin an den Strausberger Platz schafft, dann kommt die Kulisse im nächsten Film zu ihnen. Egal wo sie sind. Nur zum roten Teppich der Berlinale, da sollte man schon selbst hingehen.