Auf den Spuren der DDR-Denkmäler Berlins

Es gibt Städte in Europa, die voller Standbilder von Herrschern, Königen und Kriegern sind, die an die lange vergangene Geschichte erinnern. Berlin gehört nicht dazu. Früher gab es sie dort noch, aber die meisten davon wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und was danach noch übrig war, wurde von der DDR-Führung entfernt. Auch heute noch würdigt Berlin die Helden des Sozialismus und der Arbeiterklasse – und ich werde Ihnen sagen, wo Sie diese Ikonen finden können.

Denkmäler DDR - Central Berlin
Berlins verlorene historische Standbilder in der Ausstellung „Berlin und seine Denkmäler“. Quelle: Daphne Damiaans

Erinnern Sie sich noch an Lenins Kopf? Darüber habe ich vor genau einem Jahr geschrieben, als er nach fast 30-jähriger Zeit unter der Erde ausgegraben wurde. Am vergangenen Wochenende habe ich ihn an seiner neuen Ruhestätte in der Zitadelle Spandau besucht, einer abgelegenen Ecke Berlins. Die ständige Ausstellung „Berlin und seine Denkmäler“ beherbergt nicht nur Lenins (4 Tonnen schweren) Granitkopf, sondern auch mehr als 100 weitere Standbilder, die früher die Straßen Berlins zierten, und von denen einige bis ins 18. Jahrhundert zurückdatieren.

Lenins Kopf - Central Berlin
Lenins Kopf in der Ausstellung „Berlin und seine Denkmäler“, Bild mit freundlicher Genehmigung von Daphne Damiaans

Karl Marx auf seiner ganz eigenen Allee

Neben Lenins Kopf gab es nicht viele weitere DDR-Standbilder in der Ausstellung. Der Grund dafür ist einfach – sie sind noch immer dort draußen, auf den Straßen. Viele davon finden sich im Gebiet rund um den Strausberger Platz, beginnend mit der ganz bescheidenen Büste von Karl Marx selbst. Diese befindet sich an einer Ecke des Strausberger Platzes und wird von Touristen nur dann bemerkt, wenn sie zufällig in ihre Richtung schauen, während sie die beeindruckende Architektur der Umgebung bewundern. Die Büste ist aus Bronze gegossen und wurde 1983 enthüllt. Weniger als 10 Jahre später, nach der Wiedervereinigung Deutschlands, wurde ihr Bleiberecht bereits diskutiert, aber es wurde zu ihren Gunsten entschieden.

Der „Spanienkämpfer“

Beim Betreten des Volksparks Friedrichshain vom Strausberger Platz aus können Sie ein weiteres großes DDR-Denkmal gar nicht verfehlen. Es handelt sich um einen Kämpfer, bereit zuzuschlagen, Schwert und Faust in die Luft gereckt. Es ist das Abbild eines der deutschen kommunistischen Kämpfer, die im spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 kämpften. Insgesamt gingen damals 60.000 Menschen aus ganz Europa nach Spanien, um dort den Kampf gegen Francos Truppen zu unterstützen. 1966 bis 1968 wurde dieses Denkmal zu Ehren dieser Kämpfer geschaffen, die für den Kommunismus (oder wenigstens gegen den Faschismus) kämpften, bevor die DDR existierte und der Zweite Weltkrieg ausbrach. Und ja, der Spanienkämpfer ist noch immer dort und immer noch bereit, in den Kampf zu ziehen.

Ein Stück polnischen Widerstands

Mehr internationalen Kommunismus findet man auf der gegenüberliegenden Parkseite, im Nordosten. Ein mannsgroßer, polnischer Text und eine über 10 Meter hohe Säule erinnern an den gemeinsamen Kampf des polnischen kommunistischen Untergrunds und des deutschen kommunistischen Widerstands gegen die Nazis. Es wurde 1972 an einem der Haupteingänge des Parks enthüllt und obwohl es auch heute noch in voller Pracht dort steht, hat die Stadt die Botschaft darauf geringfügig verändert. 1995 wurde eine Tafel am Denkmal angebracht, auf der in Deutsch und Polnisch zu lesen ist, dass dieses Denkmal auch den nicht kommunistischen Widerstandskämpfern und Soldaten gewidmet ist.

Der mythische Ernst Thälmann

Verlässt man den Park Richtung Norden findet man nur eineinhalb Kilometer weiter das nächste eindrucksvolle DDR-Standbild. Ernst Thälmann (1886 – 1944) war in der DDR eine fast schon mythische Figur – ein früher deutscher Kommunist, der Hitler bekämpfte, von den Nazis zwischen 1933 und 1944 inhaftiert und schließlich im Konzentrationslager Buchenwald hingerichtet wurde. Die offizielle Jugendorganisation der DDR wurde nach ihm benannt, ebenso wie eine unbewohnte Insel nahe Kuba („Cayo Ernesto Thaelmann“).

1986, an dem Tag, an dem er hundert Jahre alt geworden wäre, wurde in Berlin-Prenzlauer Berg der Ernst-Thälmann-Park geschaffen, von dem ein 13 Meter hohes Bronzestandbild Thälmanns ein Teil war. Der Park ist umgeben von modernen Wohnkomplexen, einer Schule, einem Schwimmbad und einem Planetarium und stand daher bei den meisten Staatsbesuchen auf der Tagesordnung. 1997 wurde entschieden, dass Park und Statue ihren Namen behalten sollten – schließlich hatte sich Thälmann bei seinem Versuch, Hitler zu stoppen, als sehr tapfer erwiesen.

Goldfinger, Bau des Fernsehturms

Nur einige Haltestellen mit der Straßenbahn in Richtung Alexanderplatz führen uns zu einem weiteren großen Mann aus DDR-Zeiten. Auf der Karl-Liebknecht-Straße verbergen die Bäume einen vier Meter hohen Bauarbeiter vor den Betrunkenen, die das gegenüberliegende bayrische Brauhaus verlassen. Sein Gesichtsausdruck ist ruhig und voll Vertrauen. Er steht dort seit dem Jahr vor der Vollendung des Fernsehturms 1969 und scheint die Bauarbeiten zu beobachten, stolz, dass er an einem so immensen Projekt mitarbeiten darf. Die offizielle Bezeichnung des Standbildes lautet „Bauarbeiter“ und es ehrt alle starken Männer, die beim Wiederaufbau Berlins geholfen haben. Sein Spitzname jedoch ist „Goldfinger“, eine Anspielung auf all die Menschen, die seine linke Hand berührt haben.

Die Gründerväter

Folgt man der Karl-Liebknecht-Straße für etwa 10 Minuten erreicht man das Marx-Engels-Forum, ein kleines Stück überlebenden Sozialismus am Rand der Museumsinsel. Das Gebiet lag nach dem Wegschaffen der Ruinen des Zweiten Weltkriegs jahrelang brach. Da es sich genau neben dem Palast der Republik, dem Regierungsgebäude der DDR befand, wurde entschieden, dass ein Tribut an Karl Marx und Friedrich Engels hier passend sei.

Die beiden Verfasser des Kommunistischen Manifest, die dadurch als zwei der bedeutendsten frühen Sozialisten/Kommunisten gelten, erhielten damit ihr eigenes „Forum“ im Herzen Berlins. Im Herzen einer grünen Zone befindet sich ein Standbild der beiden Gründerväter und an ihrer Rückseite ein Wandfries, der Szenen des Sozialismus in Deutschland zeigt. Nach vielen Diskussionen in den 1990er Jahren wurde entschieden, dass auch dieses Standbild bleiben könne – wenigstens vorläufig.