Auf die Plätze, fertig, los! – Sport in der ehemaligen DDR

Olympia und Sport gehört wahrscheinlich zu den Dingen, die die meisten Bundesbürger 25 Jahre nach der Wiedervereinigung nicht unbedingt mit der DDR verbinden würden. Dabei galt die Strahlkraft sportlicher Erfolge in der DDR als ein wichtiges Instrument, um sich positiv vom Westen abzugrenzen. Allerdings wurden nur gewisse Sportarten durch die DDR-Führung gefördert. Die DDR-Funktionäre wägten genau ab, inwiefern eine Sportart den größten Nutzen für die Außendarstellung des Landes bot. Besonders geförderte Sportarten in der DDR waren unter anderem Leichtathletik, Radfahren, Rudern und Rodeln. Der sportliche Erfolg gab der DDR-Führung recht: Von 1968 bis 1989 gewannen die ostdeutschen Olympioniken 192 Goldmedaillen, während die Teilnehmer der Bundesrepublik Deutschland im gleichen Zeitraum 67 Goldmedaillen gewann. Trotz des internationalen Erfolgs der DDR-Sportler hatte gerade das Thema Spitzensport mit dem Einsatz von Dopingmitteln jedoch auch eine Schattenseite.

„Jedermann an jedem Ort – einmal in der Woche Sport“

Mit dieser Losung versuchte Walter Ulbricht schon 1959 die Bevölkerung für den Sport zu begeistern. Dazu bediente er sich unter anderem einer geschickt inszenierten Selbstdarstellung. So erschien er aktiv bei vielen großen Sportfesten oder ließ sich unter sportlichen Freizeitaktivitäten wie dem Skifahren vom DDR-Fernsehen filmen – mit Erfolg. Dank der medialen Unterstützung genossen sowohl der Breitensportarten als auch der professionelle Spitzensport ein hohes Ansehen in der DDR. Organisiert war der ostdeutsche Sport unter dem Dachverband des ehemaligen Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB). Mehr als 20 Prozent der DDR-Bürger waren in diesem Verband aktiv.

bundesarchiv_Vorwärts zu den II. Wintersport-Meisterschaften der DDR
Vorwärts zu den II.Wintersport Meisterschaften der DDR, Plakat. Quelle: Bundesarchiv

Bereits in den Schulen wurde nach sportlichen Talenten Ausschau gehalten. Bis 1989 entstanden zu diesem Zweck 25 spezielle Kinder- und Jugendsportschulen. Betriebe veranstalteten zudem spezielle Sportfeste und über die Massenmedien wie dem Fernsehen wurde zusätzlich versucht, Sport der Bevölkerung schmackhaft zu machen. Eine beliebte Fernsehsendung, die sich dem Thema ab 1964 annahm, nannte sich „Mach mit, mach’s nach, mach’s besser“. In dieser Sendung traten Schulklassen sportlich gegen einander an.

Fortleben der Sport-Tradition

Ungeachtet der Auflösung der DDR 1989 lässt sich bis heute eine Kontinuität der alten DDR-Traditionen im heutigen Gesamtdeutschland beobachten. Trotz eines gesamtdeutschen Olympiateams stellen Ostdeutsche beispielsweise beim Rudern – welches schon in der DDR eine der favorisierten olympischen Disziplinen war – die meisten Sportler. Wer in Berlin vom Strausberger Platz aus auf die Spuren des Sports zu DDR-Zeiten gehen möchte, kann das ehemalige Vorzeigeobjekt der DDR für den Freizeitsport besichtigen und in Teilen noch nutzen: Das Sport- und Erholungszentrum (SEZ).

artnana-shutterstock
Karl-Marx-Allee „Klub der Jugend und Sportler“, Berlin ca. 1962. Quelle: artnana – Shutterstock.com

Direkt an der Landsberger Allee, gut zu erreichen mit der Linie M10 vom Frankfurter Tor, wurde 1981 das damals größte und vielseitigste Freizeitzentrum der Welt eröffnet. Neben einer beeindruckenden Badelandschaft, die heute leider nicht mehr zugänglich ist, lud das SEZ zu Badminton, Tischtennis und eine Bowling ein – und tut es auch noch heute. Daher: Auf die Plätze, fertig, los!