Berlin, die farbenfrohste Stadt der Welt

Zuerst die gute Nachricht: Den „Blue Monday“ haben wir schon mal hinter uns. Hier in Berlin war sogar der Himmel blau. Die schlechte Nachricht ist, dass die Bedingungen, die den Blue Monday laut statistischen Berechnungen zum traurigsten Tag des Jahres machen, vermutlich noch den ganzen Januar und darüber hinaus anhalten werden: kalt, dunkel und trist. Und in Berlin kann der Alltag im Winter wirklich ganz schön grau-in-grau sein. Um Sie – und vor allem mich selbst – ein bisschen aufzuheitern, habe ich mich auf die Suche nach den buntesten Orten der Stadt gemacht.

Märkte

An eisigen Tagen steht ein Einkaufsbummel auf dem Markt vermutlich nicht ganz oben auf Ihrem Wunschzettel. Aber Sie sollten es ruhig mal probieren – ein Besuch auf einem der vielen Märkte in Berlin kann richtig gute Laune machen! Auf dem quirligen Markt am Maybachufer (jeden Dienstag und Freitag) gibt es nicht nur spottbilliges Obst und Gemüse, sondern auch wärmende türkische Gerichte. Wenn Ihnen der Sinn eher nach Leckereien aus dem noch ferneren Osten steht, brauchen Sie sich nur in die U-Bahn zu setzen und nach Asien zu fahren – zum thailändischen Picknickmarkt im Preußenpark oder zum Dong Xuan Centre!

  • Thaipark: Preußenpark, Brandenburgische Straße, Wilmersdorf
  • Dong Xuan Centre: Herzbergstraße 128-139, Lichtenberg

Straßenkunst

Ich finde es toll, wie es den Straßenkünstlern gelingt, Farbe in jeden noch so grauen Tag zu bringen. Es ist immer wieder eine schöne Überraschung, wenn man an ganz unerwarteten Orten auf eins ihrer ausgefallenen Kunstwerke stößt. Halten Sie also die Augen offen, oder machen Sie sich die Sache einfacher und steuern Sie direkt eine der berühmten Straßenkunst-Locations in Berlin an.

Central Berlin - Straßenkunst in der Rosenthaler Straße
Straßenkunst in der Rosenthaler Straße. Bildquelle: Daphne Damiaans

Zu meinen Favoriten gehört ein Durchgang in der Rosenthaler Straße (neben dem Café Cinema), der von oben bis unten mit Kunstwerken verziert ist. In Friedrichshain ist das kleine und absolut liebenswerte Kino Intimes immer einen Besuch wert – auch weil an seiner Außenwand ständig neue Kunstwerke zu bewundern sind. Etwas anstrengender, aber durchaus die Mühe wert: ein Ausflug zum Teufelsberg. Die ehemalige Abhörstation ist heute ein Mekka für Straßenkünstler – und bietet zudem einen spektakulären Blick auf die Stadt.

Central Berlin - Teufelsberg
Teufelsberg. Bildquelle: Daphne Damiaans

Kino Intimes: Boxhagener Straße 107, Friedrichshain
Teufelsberg: Teufelsseechaussee 10, Grunewald

Fassaden

Dass es in Berlin jede Menge graue und bräunliche Gebäude gibt, lässt sich nicht leugnen. Und selbst weiße Fassaden können vor einem grauen Himmel ganz schön trübselig wirken. Dann gibt es aber auch Straßen, die sind bei jedem Wetter bunt. Die teilweise frisch renovierten Gründerzeitgebäude in der Oderberger Straße in Prenzlauer Berg zum Beispiel sind echte Stimmungsaufheller.

Central Berlin - Oderbergerstr
Oderberger Straße. Bildquelle: Daphne Damiaans

Noch bunter ist die 1912 im modernistischen Stil gebaute Gartenstadt Falkenberg, die aus gutem Grund auch als „Tuschkastensiedlung“ bekannt ist. Das kühne Farbschema des Architekten Bruno Taut ist mit dafür verantwortlich, dass die Siedlung heute zum UNESCO-Welterbe zählt.

Gärten

Berlin wäre nicht Berlin ohne seine vielen zauberhaften Parks. Dort kann man zwar auch im Winter schön spazieren gehen oder sogar Schlitten fahren – allerdings muss ich gestehen, dass mir die Blätter und Blumen fehlen. Zum Glück gibt es da die Botanischen Gärten, in denen es das ganze Jahr über blüht und grünt.

Der Botanische Garten in Dahlem ist über 100 Jahre alt und zählt weltweit zu den größten und vielfältigsten. In seinen fünfzehn wunderschönen Gewächshäusern kann man zu jeder Jahreszeit auf grüne Weltreise gehen. Die Gärten der Welt in Marzahn sind diesen Winter leider zu Renovierungszwecken geschlossen, sollen aber rechtzeitig zur Internationalen Gartenausstellung IGA im Frühjahr in alter Pracht und doppelter Größe wiedereröffnet werden.

  • Botanischer Garten: Königin-Luise-Straße 6-8, Dahlem
  • Gärten der Welt: Eisenacher Straße 99, Marzahn

Bahnhöfe

Hätten Sie gedacht, dass einige der farbenfrohsten Orte in Berlin unter der Erde versteckt sind? Ich auch nicht. Einige U-Bahnlinien fahren von einem prachtvoll verzierten Bahnhof zum nächsten. Mit am besten gefällt mir die U5, die am Alexanderplatz anfängt und ganz weit im Osten, nämlich in Hönow, endet. Sämtliche Bahnhöfe entlang der Strecke sind mit Ziegeln in dem gleichen leuchtenden Farbton wie das Dach und die Säulen verziert. Das Minzgrün in meinem eigenen U-Bahnhof Strausberger Platz ist wahrscheinlich meine Lieblingsfarbe, aber ich mag auch den blaugrünen U-Bahnhof Alexanderplatz und das Blau-in-Blau am Frankfurter Tor.

Eine ganz andere Art von Bahnhofskunst gibt es entlang der U7 zu bewundern. Einige der Bahnhöfe auf Berlins längster U-Bahnlinie (u. a. Wilmersdorfer Straße, Jungfernheide, Paulsternstraße) sind mit Mosaiken des Architekten Rainer G. Rümmler verziert.

Cafés

Sich die Zeit für eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen oder ein Glas guten Wein zu gönnen, ist immer ein gutes Rezept gegen Trübsal. Erst recht, wenn man einen Ort findet, der einen schon auf den ersten Blick aufheitert. Genau so ein Ort ist (trotz des zungenbrecherischen Namens) die Tadshikische Teestube: Nehmen Sie auf den bunten Kissen platz und lassen Sie sich eine liebevoll zubereitete Tasse Tee schmecken. Das Interieur der Teestube wurde auf der Leipziger Messe 1974 im sowjetischen Pavillon ausgestellt.

Nicht ganz so geschichtsträchtig, aber genauso wohltuend ist das House of Small Wonder: Köstliche Gerichte mit einem zeitgenössischen japanischen Touch laden zum gemütlichen Brunchen oder Mittagessen ein. Oder soll es lieber ein Glas Wein oder ein Cocktail sein? Für alle, die ihr Nachtleben ein bisschen aufhellen wollen, empfiehlt sich ein Besuch im Vögelchen mit seiner verspielten Innenausstattung und tiefblauen Wand. Sehr gerne mag ich auch Das Hotel, eine verrauchte Bar, die immer üppig mit Blumen geschmückt ist.

Central Berlin - House of small Wonder
House of Small Wonder. Bildquelle: Daphne Damiaans

  • Tadshikische Teestube: Oranienburger Straße 27, Mitte
  • House of Small Wonder: Johannisstraße 20, Mitte
  • Vögelchen: Eisenbahnstraße 6, Kreuzberg
  • Das Hotel: Mariannenstraße 26A, Kreuzberg