Berlinale-Fieber im Kiez: In den Tilsiter Lichtspielen am Strausberger Platz

Alle Jahre wieder geht es in Berlin um die Bären: den goldenen Bären und seine silbernen Brüder, die heißbegehrten Filmpreise der Internationalen Filmfestspiele Berlin, kurz Berlinale genannt. Zehn Tage lang findet sich die deutsche und internationale Filmszene zusammen, um zumindest ein Bruchteil der insgesamt 400 Filme anzusehen, die im Rahmen des Festivals gezeigt werden. Die ganze Stadt ist im Kinorausch, Tickets sind heiß begehrt, und meist führt nur beharrliches Schlangestehen zum Erfolg.

Berlinale Collage
Berlinale Preisverleihung 2018. Bildrechte © Internationale Filmfestspiele Berlin / Velvet Creative Office

Berlinale Goes Kiez: Vor den Tilsiter Lichtspielen wird der rote Teppich ausgerollt

Mit Berlinale Goes Kiez beehrt das Festival seit einigen Jahren auch in die lokalen Programmkinos. Die Initiative gibt es seit 2010, als die Berlinale ihr 60-jähriges Jubiläum feierte. Sie ist eine Geste der Würdigung für die wichtige Arbeit der Berliner Programmkinos. Denn ohne sie bekämen viele kleine, aber feine Filmproduktionen nicht das Publikum, das sie verdienen. Reihum wird in sieben Kinos jeweils einen Abend lang die internationale Filmszene willkommen geheißen. Die Tilsiter Lichtspiele haben am 19. Februar die Ehre. Dann lädt Theaterleiter Stefan Käding in sein Kino ein, das 1908 eröffnete und so, nach dem Moviemento in Kreuzberg von 1907, das zweitälteste Kino Berlins ist.

Berlinale Roter Teppich

Die Tilsiter Lichtspiele – eines der ältesten Kinos Berlins

In der Wendezeit entdeckte Käding mit einigen befreundeten Filmschaffenden die Räume des Kinos, die sich 1500 Meter vom Strausberger Platz entfernt im Richard-Sorge-Kiez befinden. Die Tilsiter Lichtspiele hatten im Jahr des Mauerbaus, 1961, den Betrieb eingestellt und waren in einen 33-jährigen Dornröschenschlaf gefallen, aus dem sie nun geweckt wurden. Zunächst benutzte die Gruppe das alte Schmuckstück als Filmatelier, bis sie es 1994 samt frisch eingerichtetem Kneipenraum wieder zum Lichtspielhaus machte. Heute sind die Tilsiter Lichtspiele ein elementarer Bestandteil des kulturellen Lebens im Viertel. Zum Repertoire gehören neben Arthouse- und Dokumentarfilmen auch Kinokonzerte: Seit vielen Jahren ist „film in sounds“ eine wichtige Veranstaltungsreihe, in deren Rahmen Musiker live vor der Kinoleinwand zu einem Film performen, der ihnen selbst besonders am Herzen liegt.

Berlinale Poster 1961

Die Berlinale 2018 im Friedrichshainer Kiezkino

Am 19. Februar findet um 17 Uhr eine Berlinale-Diskussion in den Tilsiter Lichtspielen statt, in der es um die Frage geht, wie der Austausch zwischen Zuschauern und Filmemachern durch Fragerunden am Ende der Vorstellung belebt werden kann. „How to Talk to Strangers – Q&A Reloaded“ bringt Schauspieler und Filmcrewmitglieder mit Kinobetreibern, Verleihern und Kinogängern zusammen. Gemeinsam entwickeln sie neue Ideen, um das Publikum mehr einzubinden und Kino mit allen Beteiligten auf Augenhöhe zu zelebrieren. Daneben werden am selben Tag der Dokumentarfilm Al Gami’ya – What Comes Around und der polnische Spielfilm Wieża. Jasny dzień. Tower. A Bright Day gezeigt.