Checkpoint Charlie – und Alpha und Bravo

Der Name Checkpoint Charlie ist weit über Berlin und sogar über Deutschland hinaus bekannt und berühmt. Aber wussten Sie, dass er Charlie heißt, weil es auch einen Checkpoint Alpha und einen Checkpoint Bravo gab? Ich nehme Sie mit auf eine Reise über die Grenzen zwischen dem alten West- und Ostdeutschland – folgen Sie mir bitte und vergessen Sie nicht, Ihren Pass mitzunehmen.

Ost- und Westdeutschland
Niederlande, Westdeutschland (blau), Ostdeutschland (rot) und Ost- und West-Berlin. Quelle: Alexrk2

Als ich letzte Woche aus den Niederlanden nach Berlin fuhr, dachte ich noch: genau das muss vor etwa 30 Jahren noch eine große und unglaublich zeitaufwändige Herausforderung gewesen sein. Gehen wir davon aus, dass es derselbe Tag im August im Jahr 1986 ist (obwohl es da noch neun Monate bis zu meiner Geburt dauern würde) und ich ebenfalls mit zwei Freunden aus Utrecht mit Ziel Karl-Marx-Allee in Ostberlin reisen würde. Wir hätten keine Schwierigkeiten beim Übertreten der Grenze zwischen den Niederlanden und Westdeutschland gehabt, da die Grenzkontrollen zwischen diesen beiden Ländern im vorhergehenden Jahr abgeschafft worden waren. Das einzige Problem war, dass wir, obwohl wir nur zu Besuch nach West-Berlin wollten, die die DDR durchqueren mussten. Und das würde nicht einfach werden.

Reisepass mit DDR-Visum
Ein Reisepass mit DDR-Visum (leider nicht meiner). Quelle: Eduard Bekker

Checkpoint Alpha: vom Westen in den Osten

Die Schwierigkeiten würden in etwa 300 Kilometern Entfernung beginnen, in Marienborn. Das war der Checkpoint Alpha, die erste Grenze zwischen dem Westen und dem Osten, die wir überqueren mussten. Die Überreste des früheren Grenzübergangs sind auch heute noch zu sehen, jetzt aber kann man bequem mit einer Geschwindigkeit von 140 km/h daran vorbeifahren. Vor 30 Jahren hätten wir lange vor Erreichen des Checkpoints in einem Stau gestanden. Nachdem wir uns in Geduld geübt hätten – die Leute erinnern sich daran, dass sie stundenlang warten mussten, bevor Sie zum Zoll kamen – hätten wir der Grenzpolizei der DDR unsere Pässe und Fahrzeugpapiere vorlegen müssen. Normalerweise war es nicht nötig, aus dem Auto auszusteigen, außer der Polizei kam etwas verdächtig vor.

Checkpoint Alpha 1989
Checkpoint Alpha, 1989. Quelle: Günter Mach

Sah alles gut aus, hätten wir ein Transitvisum bekommen – damit konnten wir in die DDR einreisen, aber die Gültigkeit war begrenzt. Das Verlassen der Autobahn oder „Transitstrecke“ war streng untersagt, ausgenommen für kurze Stopps an Tankstellen oder Autobahnraststätten. Es war auch verboten, mit Bürgern der DDR zu sprechen – obwohl eine kurze Unterhaltung mit den Mitarbeitern an den Tankstellen erlaubt war. Beim Verlassen der DDR zur Einreise nach West-Berlin hätte die ostdeutsche Grenzpolizei überprüft, zu welcher Zeit wir ins Land eingereist waren. Hätten wir uns länger als normalerweise üblich in ihrem Hoheitsgebiet aufgehalten, hätten wir das Auto verlassen und das erklären müssen. Gleichzeitig hätte die Staatssicherheit darauf geachtet, dass in der Zwischenzeit nichts Verbotenes passiert wäre, da diese in nicht gekennzeichneten Wagen auf der Autobahn Streife fuhr. Fuhr man schneller als die erlaubten 100 km/h, erhielt man direkt eine Geldstrafe.

Checkpoint Alpha 1945
Checkpoint Alpha, 1945. Quelle: Annie Ravnsbæk

Checkpoint Alpha
Checkpoint Alpha, heute. Quelle: Daphne Damiaans

Checkpoint Bravo: von Osten nach Westen

Wenn 1986 Berlin langsam vor uns am Horizont erschien, hätten wir noch eine weitere Hürde zu überwinden gehabt. Wo das Land Brandenburg (ehemalige DDR) endet, beginnt die Stadt (früher West-) Berlin – daher kam 160 km nach Checkpoint Alpha eine weitere Grenze. 1970 überquerten rund 2,5 Millionen Autos täglich diese Grenze und sie alle mussten überprüft werden. Wir hätten uns auf einige weitere Stunden Wartezeit einrichten können. Bis heute ist immer noch eine Menge von Checkpoint Bravo übrig, den ich vor einigen Jahren besucht habe. Das Bemerkenswerteste ist das zylinderförmige Restaurant in rot-gelb-blau, das Anfang der 1970er Jahre eröffnete und etwa 20 Jahre später schloss, als niemand mehr dort anhielt. 1986 jedoch wäre es jetzt schon Abend, obwohl wir recht früh in Utrecht losgefahren wären. Wir wären aber erst in West-Berlin und unser endgültiges Ziel wäre die Karl-Marx-Allee, daher wartete eine weitere Grenze auf uns.

Checkpoint Bravo in den 1980ern
Checkpoint Bravo in den 1980ern. Quelle: berlinermauerweg.com

Checkpoint Bravo
Checkpoint Bravo, heute. Quelle: Daphne Damiaans

Checkpoint Charlie: vom Westen in den Osten

Wie West-Berlin damals aussah, ist eine ganz andere Geschichte, aber selbst bei einer einfachen Durchreise auf dem Weg zum letzten Grenzübergang würden wir einen ziemlich guten Eindruck davon bekommen. Wir würden durch die grünen, südlichen Teile Berlins fahren – heute die beliebten Viertel Neukölln und Kreuzberg – damals sind sie grau gewesen und es gab eine Menge Armut. Checkpoint Charlie mag heute eine Touristenattraktion sein, aber Fotografieren war damals ganz streng verboten. Er sah damals praktisch genau so aus, wie heute, aber es gab genug Platz für lange Autoschlangen. Die Wartezeit konnte auch hier sehr lang sein.

Checkpoint Charlie 1986
Checkpoint Charlie, 1986. Quelle: Alfred Robert s Saak

Wir wären auf die Grenzkontrollen vorbereitet gewesen, denn die Einreise in die DDR – ausgenommen der Transitstrecke – war nur mit einem vorher beantragten „Berechtigungsschein“ erlaubt. Diese Berechtigung konnte in den Niederlanden nur über ein einziges Reisebüro beantragt werden, unter der Voraussetzung, dass man alle erforderlichen Dokumente einreichte und dann etwa 6 Wochen darauf wartete. Ohne diese Berechtigung war ein Besuch in der DDR unmöglich, da man sie brauchte, um ein Visum zu erhalten.

Checkpoint Charlie
Checkpoint Charlie, heute. Quelle: fodors.com

Nach Überprüfung unseres Wagens auf verbotene Waren (das konnten westliche Zeitschriften, Bücher, Schallplatten, Strümpfe, etc. sein), gab es einen weiteren wichtigen Schritt, den wir befolgen mussten, bevor wir in die DDR einreisen durften: den Umtausch von westdeutscher D-Mark in ostdeutsche Mark. Das nicht nur deshalb, weil wir Bargeld brauchen würden, sondern auch, weil wir in die DDR nicht hätten einreisen dürfen, wenn wir nicht wenigstens 25 Mark hatten. Der Wechselkurs betrug 1:1, obwohl der tatsächliche Kurs bei 1:5 lag. Zu der Zeit, als wir dann ins Land einreisten, wäre es wahrscheinlich bereits dunkel gewesen.

Endlich – die Karl-Marx-Allee

Die Fahrtstrecke vom Checkpoint Charlie zur Karl-Marx-Allee war nur kurz. Vergangene Woche konnten wir den Wagen einfach hinter meinem Haus parken, die Taschen wegbringen und ein paar Fahrräder ausleihen, um gemeinsam die Stadt gemeinsam zu entdecken. Wir fuhren von der Warschauer Straße (im früheren Ostteil) zur Admiralbrücke (früherer Westteil) und schließlich zurück zur Karl-Marx-Allee (früherer Ostteil). Das einzige, was uns an die frühere Grenze erinnerte, waren die Kopfsteinpflasterlinien auf der Straße – wenn wir darauf geachtet hätten.

Berlolina Hotel
Unser Hotel in der Karl-Marx-Allee. Quelle: hansaviertel

Hätten wir die Reise 1986 gemacht, hätten wir im einzigen Hotel in der Karl-Marx-Allee bleiben müssen: dem Hotel Berolina. Möchten Sie mehr über das Hotel erfahren? Schauen Sie sich diesen Blog-Post an, in dem ich darüber geschrieben habe. Das Hotel ist verschwunden, aber die Karl-Marx-Allee hätte genauso großartig ausgesehen, wie sie es heute noch tut, und das Kino International und das Café Moskau wären ebenfalls da gewesen. Ein wunderschöner Ort, um unsere Tage in Ostberlin zu verbringen, aber meine Freunde und ich wären wahrscheinlich einfach nur froh gewesen, ins Bett fallen zu können, nachdem wir vier Grenzen an einem Tag überquert hatten. Ostberlin und die DDR hätten noch eine Nacht warten können.