Cheers – Prost – Salute

Die Bar Barbette ist das vorgelagerte Wohnzimmer der Bewohner vom Strausberger Platz. Aber nicht nur das: zeitgenössische Kunstausstellungen sind in dem DDR-Kosmetikstudio ein fester Bestandteil.

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Quelle: antifalten / photocase.de

Eigentlich ist heute Abend geschlossene Gesellschaft. Eigentlich. Aber die Stammgäste aus der Nachbarschaft haben Privilegien. Also „schmuggelt“ der Barkeeper den Wein an den geladenen Gästen vorbei und versorgt die „Illegalen“. Die Bar Barbette hat sich in den zehn Jahren, in denen sie im Glaskubus neben dem Cafe Moskau untergebracht wurde, zu einem vorgelagerten Wohnzimmer für die Bewohner des Strausberger Platzes entwickelt. Unter der Woche ist man hier fast unter sich. Und vertraut mit dem Personal. Dazu gehört die junge Frau hinter der Theke, die eigentlich aus der Hotellerie kommt, aber jetzt Psychologie studiert. Der junge Mann, der immer mal wieder dort arbeitet, um sich seine Trips nach Asien zu finanzieren. Und der Holländer, der eigentlich Taxi fährt, aber dem die Arbeit in der Bar Barbette so viel Spaß macht, dass er die Taxe ein paar Stunden vor der Tür parkt, um die Durstigen zu versorgen. Maik Schierloh, der seit über zehn Jahren die Bar betreibt, hat lange um die Konzession gekämpft. Sein Konzept, wiederkehrend zeitgenössischen Künstlern die Chance zu geben, in der Bar ihre Werke auszustellen, hat letztendlich den Ausschlag gegeben. So wurde aus dem Kosmetikstudio der DDR eine gastronomische Einrichtung geschaffen. Und der Erfolg gibt ihm Recht. Über einhundert Ausstellungen haben bis dato hier stattgefunden – an dem Ort, an dem sich in den 50er Jahren noch die Damen des Sozialismus die Nägel machen ließen.

Noch heute gelangt man von der Galerie in der erste Etage zu den damaligen drei Behandlungsräumen. Im Erdgeschoß, in dem einst der Verkaufstresen stand, ist heute die Theke im Zentrum zu finden. Im Zuge des „neuen Bauens“ entstand ein Mies Van der Rohe ähnlicher Kubus. Und das, wo der Herr van der Rohe historisch eigentlich auf der anderen Seite der Mauer zuhause war.

Auf jeden Fall erlaubt der Kubus tolle Ein- und Aussichten. Wenn im Herbst die Bäume auf der Karl-Marx-Allee ihre Blätter verlieren, kann man von hier sogar bis auf die andere Straßenseite zum Kino International sehen. Sobald sich dort die Pforten nach der Vorstellung öffnen, wissen Insider: gleich geht der Ansturm los, schnell noch einen Cocktail bestellen. Dass in einer DDR Location dekadente Getränke über die Bar gereicht werden, dass interessiert weder die Touristen, die Barbette als Hot-Spot entdecken, noch die Einheimischen. 25 Jahre nach der Wende ist das Alltag. Nicht alltäglich ist es hingegen – und das erkennt man beim ersten Besuch – in einem Glashaus zu sitzen.

Hier veranstaltet die Plattenfirma Aut Records Live-Konzerte, hier fand der Book-Launch der renommierten Villa Massimo (Rom) statt und hier hat eine der Mitarbeiterinnen ein Charity-Event mit dem launigen Titel „Krötenwanderung nach Uganda“ veranstaltet. „Kröten“, also Geld, wurde für ein Schulprojekt in Afrika gesammelt, zu dem die Initiatorin sich dann auch ein paar Monate verabschiedet.
Übrig bleiben die Stammgäste von nebenan. Und die kommen oft auch einfach nur, um ein bisschen zu klatschen und in Ruhe einen Sundowner zu genießen.

Die Bar Barbette ist jedoch nicht die einzige empfehlenswerte Bar auf der Karl-Marx-Allee. Nur ein paar hundert Meter weiter gibt es die ČSA Bar – benannt nach der ehemaligen staatlichen Fluggesellschaft der Tschechei. In einem der Blöcke der Karl-Marx-Allee gelegen, ist sie der Kontrapunkt zur Bar Barbette. Mit ausgewähltem Mid-Century Interior herrscht eine beinah kuschelige Atmosphäre. Wer also keine Lust hat, auf dem Präsentierteller zu sitzen und stattdessen lieber einen romantischen Abend zu zweit verbringen will, dem sei die ČSA Bar ans Herz gelegt. Im Fazit kann man nämlich sagen: Strausberger Platz bietet für beinah jeden etwas.