Darf ich mal stören?

Sie sind gekommen um zu bleiben – die Bewohner vom Strausberger Platz. Sie haben sich für einen ganz besonderen Ort entschieden. Darunter auch Ingrid Roosen-Trinks, die sich einen Namen als Geschäftsführerin des Klassik Radios, Direktorin der Montblac Kulturstiftung und Kuratorin der Hamburg Art Week gemacht hat.

Zeit also, Frau Roosen-Trinks mal einen Hausbesuch abzustatten.

Ingrid Roosen-Trinks am Strausberger Platz
Ingrid Roosen-Trinks in ihrer Berliner Wohnung. Quelle: In Best Hands

Vor der Galerie Captain Pretzel herrscht Shuttel-Alarm. Bei der Galerie Adamski stehen Kunst-Connaisseurs vor der Tür und besprechen, was sie drinnen gesehen haben. In der Galerie Wagner kriechen die Gäste fast in die ausgestellten Fotografien, um auch noch das kleinste Detail in Augenschein nehmen zu können. Der Strausberger Platz ist bei jedem kunstbeflissenen Berlin-Besucher ganz oben auf der Liste der Hot-Spots – ganz klar. Das sich auch hinter den Kulissen viel Schönes verbirgt, ist oft nur Insidern bekannt. Vor dem „Haus des Kindes“ – so der Name des Turms am Eingang zum Strausberger Platz – begrüßt Gerwald Rockenschaub (ein großartiger Künstler) Andrea von Goetz (eine großartige Kunstunterstützerin). Beide kennen sich aus gemeinsamen Projekten.

Haus des Kindes am Strausberger Platz
„Haus des Kindes“ am Strausberger Platz: Quelle: Part-B Immobilien

Und dann begeben sie sich auf dem Weg nach oben. Zusammen mit vier weiteren Gästen, darunter Sammlern, Künstlern, Freunden. „Oben“, damit ist der dritte Stock gemeint. Dazu muss man wissen, dass die ersten beiden Stockwerke der Türme Doppelgeschosse für Gewerbeflächen sind.

Im weitläufigen Flur tummeln sich weitere Besucher. Die Garderobe wird den Gästen abgenommen, hilfreiche Geister weisen den Weg in die Wohnung. Und da steht sie, die Gastgeberin: Ingrid Roosen-Trinks. In der Kunstwelt kennt man sie. Sie hat über Jahre die Kulturstiftung einer Luxus-Marke zu einer international beachteten Sammlung aufgebaut, war CEO und Programmdirektor bei Klassik Radio, sie holte die Stars zu den Salzbuger Festspielen. Dita Von Teese, Bondgirl Eva Green, Joan Collins, Jacqueline Bisset, „Batman“ Val Kilmer, Jerry Hall und Pianist Lang Lang…die Liste derer, die so Schauspiele, Konzerte und Opernaufführungen in der Mozartstadt während der Festspielzeit zu Ostern und im Sommer besuchen konnten, ist endlos lang.

Kunst in der Wohnung von Ingrid Roosen-Trinks
Kunst wohin man auch sieht – Frau Roosen-Trinks‘ Wohnung am Strausberger Platz. Quelle: Monocle

Ingrid Roosen-Trinks selber ist eine Weltenbummlerin im besten Sinne. Folgt man ihrem Facebook-Profil wird einem schier schwindelig: Oldtimer-Tour durch Dänemark, Wiener Konzerthaus, Art Cologne, Art Basel in Miami – wenn es um Kunst geht, bildende sowie darstellende: Ingrid Roosen-Trinks ist zu Stelle, denn das ist ihr Leben. Kein Wunder also, das sich die Einladungen zum „Open-house“ großer Beliebtheit erfreuen. Das Domizil am Strausberger Platz bildet die Leidenschaft der Gastgeberin aufs großartigste ab. In ihrer Drei-Zimmer-Wohnung findet man unter anderem Arbeiten von Andreas Mühe, von Daniel Richter oder Rupprecht Matthies. An jeder Wand: Kunst. Ein Kriterium für die Entscheidung der Sammlerin, genau diese Arbeit zu erwerben: ganz dicht am Künstler sein.

Die Sammlerin mit Künstlerin Michelle Jezierski
Die Sammlerin mit Künstlerin Michelle Jezierski. Quelle: In Best Hands

„Wenn man sich über Jahre sympathisch ist, dann lernt mal viel übereinander“, erzählt Ingrid Roosen-Trinks beispielhaft über ihre Freundschaft zu dem Künstler-Paar Eva & Adele. „Wenn wir Lust auf Leute, Kunst oder Theater haben, dann kommen wir nach Berlin.“ Denn eigentlich, eigentlich ist Ingrid Roosen-Trinks eine Wahl-Hamburgerin.

Zwischen Hamburg und Berlin gibt es eine merkwürdige Rivalität: Viele Berliner finden die Hansestadt – nun ja – nicht so toll und vice versa. Frau Roosen-Trinks ist da jedoch entspannt. „Beide Städte haben ihre Besonderheiten und in beiden Städten leben zu können, ist für mich ein großes Privileg.“ Berlin als zweites Standbein ist eine Art „künstlerische Notwehr“, denn „in Hamburg sind die Wände schon voll“, lacht sie. In Hamburg habe man die angestammten Kontakte, Berlin dagegen ist überraschender. Drum versucht sie „… häufiger in Berlin als in Hamburg zu sein.“ Und öffnet ihr Domizil. Ingrid Roosen-Trinks lädt an den Strausberger Platz Freunde ein – mit einem Appell: „Bring ruhig jemanden mit.“ Man müsse nicht mal das Erscheinen zusagen: „Die Tür ist ein paar Stunden auf, es gibt etwas zu essen und zu trinken. Wer kommt, der kommt.“ Es ist Salonkultur, in der es darum geht, gute Gespräche zu führen. Und dazu braucht es eine gelungene Mischung: neben den Vertretern aus der zeitgenössischen Kunstszene findet man hier auch Vertreter aus Klassik, Oper und Schauspiel.

Central Berlin - Strausberger Platz
Wahlheimat Strausberger Platz. Quelle: Part-B Immobilien

Ingrid Roosen-Trinks ist ein Paradebeispiel. Ein Paradebeispiel für Kommunikation. Dazu gehört es, Geschichten zu erzählen und Geschichten erzählen zu lassen. Genau dafür hat sie eine beispiellose Plattform gegründet. „In Best Hands“ dreht das Internet um – so wird es auf der Webseite verkündet. Der, der sucht, schreibt eine kleine Geschichte über das WAS und WARUM. Ob Longboard, ein bestimmter Schmetterling, ein Deo aus der DDR…bis hin zum Brautkleid von Chloé: hier erzählen Menschen ihre Geschichte, die sie mit einem ganz bestimmten Objekt der Begierde verbindet. Die Anekdoten, die hier zu lesen sind, machen Spaß und berühren zuweilen.

in best hands screenshot
Für Gleichgesinnte. Für Stöberer. inbesthands.com

Schlussendlich ist es eine Win-Win-Situation: Was bei dem einen in irgendeiner Ecke unbeachtet sein Dasein fristet, das hat für den anderen eine echte Bedeutung. Finden „Suchender“ und „Noch-Besitzer“ zusammen, haben beide etwas davon. Die Idee für „In Best Hands“, die Ingrid Roosen-Trinks mit Claus C. Ulbricht und dem Softwareentwickler und Sammler Ivo Wessel entwickelt hat, steht für die Philosophie der Gastgeberin vom Strausberger Platz: Einfach die Tür aufmachen und sehen, was passiert.