Das Kino International: Tradition in besonderer Atmosphäre

Handbemalte Filmplakate, champagnerfarbene Pailletten, große Kristallleuchter und ein Foyer mit Panaromablick – im Kino International gaben die Funktionäre der DDR alles. Auf der Berliner Karl-Marx-Allee, genau in der Mitte zwischen Alexanderplatz und Strausberger Platz, stach das Premierenkino der DDR nicht nur durch sein Inneres hervor. Mit seiner leichten und luftigen Architektur unterscheidet sich der frei stehende, dreigeschossige Stahlbetonbau bis heute deutlich von den hier vorherrschenden Stalinbauten. Als Zeugnis der architektonischen Moderne steht das Kino, das nach den Entwürfen von Josef Kaiser erbaut wurde, unter Denkmalschutz. Dank der sensiblen Sanierung werden die Besucher auch heute noch von der geschichtsträchtigen Atmosphäre eingehüllt.

image

Quelle: Daniel Horn / Yorck Kinogruppe

Apropos Geschichte, die des International fing schon gut an: Bei der Eröffnung des Kinos am 15. November 1963 versammelte sich alles, was von Rang und Namen hatte, darunter Oberbürgermeister Friedrich Ebert, der sowjetische Botschafter Pjotr Abrassimow und Staats- und Parteichef Walter Ulbricht nebst Frau Lotte. Auf der mit einer Breite von 17,5 Metern gigantischen Leinwand sollte das sowjetische Epos „Optimistische Tragödie“ gezeigt werden. Doch die Kopie des Films war zu spät fertiggestellt worden, das Material noch zu feucht und deshalb zu schwer. Vielleicht wurde der Film auch falsch gelagert, das Material vertrocknete und wurde rissig. (Die Legenden sind sich in diesem Punkt uneins.) Legende hin oder her: Bereits im ersten Akt riss der Film zweimal, weitere Pannen folgten. „Und das soll die neue Technik sein?“, soll der erste Mann der DDR fassungslos zwar gemurmelt, aber wohl deutlich und verständlich geäußert haben.

image

Quelle: Daniel Horn / Yorck Kinogruppe

Doch was katastrophal begann, wurde zum geschichtsträchtigen Ort. Im International wurden Filme wie „Spur der Steine“ mit Manfred Krug gezeigt, Liza Minnelli tanzte sich 1972 durch „Cabaret“, Fellinis „Ginger und Fred“ oder die direkt nach dem Start zensierte „Die Kommissarin“ waren zu sehen. Konrad Wolfs „Solo Sunny“ war mit über 100.000 Besuchern die erfolgreichste Aufführung des Hauses – und ist noch heute ein Klassiker. Die letzte Filmpremiere in der DDR fand am Tag des Mauerfalls statt: Mit Heiner Carows „Coming Out“ wurde das Publikum mit dem Thema Homosexualität konfrontiert, während sich die Grenze gen Westen öffnete.

Aber das International war nicht nur ein Kino. Neben einer Bibliothek und dem Büro des Oktoberklubs befand sich im Sockel ein Repräsentationsraum, in dem sich die Staatsführung vor und nach Premieren aufhalten konnte. Bis kurz nach der Wende existierte im obersten Geschoss der Klub International. Hier fanden legendäre Auftritte beispielsweise von Feeling B oder Bayon statt.

image

Quelle: froodmat / photocase.de

Heute wird das International von zahlreichen Filmemachern wegen seiner einzigartigen Atmosphäre wieder als Premierenkino genutzt. Im Februar 1990 kürte die Berlinale – die Internationalen Filmfestspiele Berlin – das Kino zu einer ihrer Spielstätten. Allein wegen der reichen Tradition und der besonderen Stimmung hier, lohnt sich ein Kinoabend in den blauen Plüschsesseln des International.

Liken Sie uns auf Facebook

Abonnieren Sie unseren Newsletter