Der Strausberger Platz – wo moderner Wohnkomfort Tradition hat

Jeder Berliner und fast alle Besucher der Stadt kennen die prächtigen Bauten des Strausberger Platzes von außen. Man kann auch kaum an ihnen vorbeischauen, bieten sie doch mit ihrem Fassadenkleid aus Keramikplatten und ihrer starken Ornamentik einen wirklich spektakulären Anblick. Die Mieter der sogenannten Arbeiterpaläste kamen nach der Erbauung bis 1955 in einen noch größeren Genuss: Während das Gros der Berliner Bevölkerung sich damals, bedingt durch die Kriegszerstörung, in provisorisch reparierten Altbauten zusammendrängte, waren hier Wohnungen entstanden, die höchste Standards erfüllten.

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Strausberger Platz mit seinen beeindruckenden Gebäuden

Außen sozialistisch, innen modern

So sehr die Architektur außen auch an den Schinkelschen Klassizismus anknüpfte, innen waren die Gebäude des Platzes hochmodern, mit allen technischen Finessen der damaligen Zeit. Während jene, die weniger Mietglück hatten, in die Küchen ihrer Altbauwohnungen Duschen einbauen und sich oft auf halber Treppe eine Toilette mit den Nachbarn teilen mussten, nahm hier die Liste der Annehmlichkeiten kein Ende. Schwere Einkäufe und sich selbst konnte man mit dem Fahrstuhl in die Wohnung befördern. Hinter der Türschwelle empfing die Bewohner Parkett. Warmes Wasser floss einfach aus dem Hahn, und im Winter sorgte Fernwärme für Behaglichkeit. Klingelte es, betätigte man die Gegensprechanlage, um zu erfahren, wer unten vor der Tür stand. Hatte sich Müll angesammelt, entsorgte man ihn bequem in der Küche über einen dafür vorgesehenen Schacht. Die Bäder waren gefliest, die Küchen mit Einbaumöbeln und einem Elektroherd ausgestattet. Jeder wollte hier wohnen und sich sein eigenes Reich einrichten. Und was hätte besser in die Räume gepasst als modernes Mobiliar?

DDR - Wohnzimmer
So könnte damals ein Wohnzimmer ausgesehen haben – Quelle: Stefan Kunze – Fotolia

„Besser leben, schöner wohnen“

Bei sagenhaften 90 Pfennig Miete pro Quadratmeter blieb den Bewohnern genug Geld für die Einrichtung übrig. Frisch und modern sollten die eigenen vier Wände werden, wenn man DDR-Wohnmagazinen wie „Besser leben schöner wohnen“ glauben darf. Sie lehren uns heute, wie sehr sich die geschmacklichen Vorlieben in Ost und West glichen. Nierentische und schlanke Füße unter den Polstermöbeln gab es hier wie dort. „Unsere Wohnkultur strebt nach einfachen, zweckmäßigen und schönen Formen. Dem muß sich auch unsere Industrie durch ihre Formgebung anpassen“, konnte man 1958 im Magazin „Die private Wirtschaft“, dem Organ der Industrie- und Handelskammern der Deutschen Demokratischen Republik, lesen.

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Die Central Berlin Musterwohnung am Strausberger Platz

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Einen authentischen Eindruck von der Lebendigkeit der Nachkriegsmoderne im Osten gewinnt man bei einem Besuch der Gallery Central Berlin in dem 2015 vollständig renovierten Flügelbau am Strausberger Platz 16. Dort sind sorgfältig kuratierte Möbel und Accessoires ausgestellt, die beweisen, wie hochwertig Design aus DDR-Produktion sein konnte. Nicht nur von diesen Objekten, sondern auch von der Architektur selbst geht hier eine ungebrochene, durch die Sanierung erhaltene, Faszination aus. Wer heute an dieser Adresse wohnt, kann sagen: Luxus damals, Luxus auch heute.

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Strausberger Platz – Central Berlin Gallery

Luxus damals, Luxus auch heute

Das Ensemble am Strausberger Platz steht längst unter Denkmalschutz und wurde entsprechend sorgfältig renoviert. Dabei ist die Architektur mit ihrer fabelhaften Grundsubstanz an einen gehobenen heutigen Wohnstandard angeglichen worden. Die spektakuläre Aussicht auf den Fernsehturm lässt sich jetzt durch große, teils bodentiefe Fenster mit lärmschützender Doppelverglasung genießen. Einbauschränke sorgen für mehr freie Wohnfläche und Offenheit. Neues Stabparkett hat die alten Beläge ersetzt und zitiert gleichzeitig die stilvolle Vergangenheit, an die man hier nur zu gerne anknüpft.