Die anderen Städte der DDR

Leipzig, Dresden, Rostock, Chemnitz, Halle… Wie viel wissen Sie über die anderen Städte der ehemaligen DDR? Wir sind alle so vernarrt in Berlin, dass wir dazu neigen zu vergessen, dass die DDR weit mehr als nur ihre Hauptstadt war. Lebhafte Städte waren über das gesamte Land verstreut und jede von ihnen hatte ihren ganz eigenen Charme und ihre eigenen Sehenswürdigkeiten. Und was für eine Überraschung: sie sind immer noch da! Warum besuchen Sie auf Ihrer nächsten Städtereise nicht eine andere (ost-) deutsche Stadt? Es folgen einige Anregungen!

Leipzig: die Rauheit von Berlin gepaart mit einer bezaubernden Altstadt

Einwohner im Jahr 1981 und im Jahr 2013: 559.574 vs. 531.582.

In der DDR: Eine bedeutsame Stadt sowohl in Bezug auf den Tourismus als auch aus wirtschaftlicher Sicht. Die friedliche Revolution, die letztlich die Berliner Mauer der DDR zum Fall gebracht hat, nahm ihren Anfang in Leipzig.
Warum jetzt besuchen? Leipzig hat den rauen Charme von Berlin und überdies eine attraktive Altstadt. Die Bars sind voller Studenten und im Stadtzentrum liegt alles in Gehweite.
DDR-Sehenswürdigkeiten:

  • Zeitgeschichtliches Museum: Die beste und umfassendste Ausstellung über das Leben in der DDR, die es je gegeben hat.
  • Museum in der Runden Ecke: Ehemaliges Hauptquartier der Staatssicherheit (‘Stasi’), heute ein Stasi-Museum.
  • Innenstadtring: Verlassen Sie das historische Zentrum und sehen Sie sich um, wenn Sie sich auf den großen Umgehungsstraßen befinden: Auf den Dächern sind immer noch DDR-Werbeplakate angebracht.
  • Messe: Das Messegelände war zu DDR-Zeiten im gesamten Land bekannt, auf ihm fanden bedeutsame Ereignisse statt. Verpassen Sie nicht den sowjetischen Pavillon mit dem roten Stern auf dem Dach!

Entfernung von Berlin: 190 km / 1 Std. und 10 Minuten mit dem Zug.

Dresden: Barocker Charme mit einem alternativen Alter Ego

Einwohner im Jahr 1981 und im Jahr 2013: 521.060 vs. 530.754.

In der DDR: Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt stark zerbombt; das Stadtzentrum wurde erst in den 1960er Jahren (und später) wieder aufgebaut.

Warum jetzt besuchen? Die Stadt Dresden bietet heute, nachdem auch ihre beeindruckende Frauenkirche wieder komplett aufgebaut wurde, einen tadellosen Anblick. Es handelt sich zweifellos um eine der schönsten Barockstädte der Welt, die durch einen breiten Fluss, die Elbe, in zwei Hälften geteilt wird. Die alternative Neustadt eignet sich großartig zum Einkaufen oder um einen Drink zu sich zu nehmen.
DDR-Sehenswürdigkeiten:

  • „Trümmerfrau“ am Neuen Rathaus: Das Trümmerfrau-Denkmal zum Gedenken an die Leistungen der Trümmerfrauen, die in der Nachkriegszeit mithalfen, die zerbombten Städte von den Trümmern zu befreien, ist ein wunderbares Beispiel des sozialistischen Realismus.
  • Kulturpalast: Der Kulturpalast öffnete in den 1980er Jahren seine Türen und diente musikalischen Veranstaltungen. Er ist nicht nur wegen seiner sozialistischen Architektur sehenswert, sondern auch wegen des sozialistischen Wandbildes an der Westfassade.

Entfernung von Berlin: 190 km / 1 Std. und 50 Minuten mit dem Zug.

Potsdam: Überwältigende Paläste vor den Toren Berlins

Einwohner im Jahr 1981 und im Jahr 2013: 132.543 vs. 161.468.

In der DDR: Das im Jahr 1945 von Truman, Churchill und Stalin unterzeichnete ‘Potsdamer Abkommen’ entschied über die Zukunft – und damit die Teilung – Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Es wurde im Cecilienhof in Potsdam unterzeichnet. Die Glienicker Brücke erlangte (zuletzt durch den Film ‘Der Unterhändler’) weltweit Bekanntheit durch den Agentenaustausch, der hier – an der Grenze zwischen der DDR und West-Berlin – stattfand.

Warum jetzt besuchen? Potsdams größter Vor- und Nachteil ist ihre Nähe zu Berlin. Diese Nähe ermöglicht einen problemlosen Besuch beider Städte, führt aber oftmals auch dazu, dass Potsdam schlichtweg übersehen wird. Planen Sie auf jeden Fall einen (kurzen) Besuch dieser Stadt ein und lassen Sie sich von der entspannten Atmosphäre und den schönen preußischen Schlössern überraschen.
DDR-Sehenswürdigkeiten:

  • Das Schloss Cecilienhof, in dem das Potsdamer Abkommen unterzeichnet wurde
  • Die Glienicker Brücke, auf der Spione ausgetauscht wurden

Entfernung von Berlin: 35 km / 25 Minuten mit dem Zug

Weimar: Die deutsche Geschichte vereint in einer äußerst beliebten Stadt

Einwohner im Jahr 1981 und im Jahr 2013: 63.725 vs. 63.315.

In der DDR: Weimar wurde nach dem Zweiten Weltkrieg rasch wieder aufgebaut, da die zahlreichen historischen Gebäude der Stadt für die Tourismusindustrie der DDR von entscheidender Bedeutung waren. Das Konzentrationslager Buchenwald, welches sich vor den Türen der Stadt befindet, wurde bis zum Jahr 1950 als sowjetisches Gefängnis genutzt und ab Ende der 1950er Jahre als Bildungs- und Gedenkstätte.

Warum jetzt besuchen? Weimar spielte in den letzten Jahrhunderten der deutschen Geschichte eine sehr bedeutende Rolle. Goethe und Schiller lebten hier genauso wie viele andere Künstler und Musiker im 19. Jahrhundert. Im Jahre 1919 wurden hier die Weimarer Republik gegründet und das Staatliche Bauhaus errichtet. Die Spuren dessen sind nach wie vor in dieser schönen – wenn auch ziemlich touristischen – Stadt zu finden.
DDR-Sehenswürdigkeiten:

  • Sowjetischer Ehrenfriedhof: Im Jahre 1945 erbauter Friedhof für die gefallenen Soldaten der Roten Armee.
  • Buchenwald: Neben dem ehemaligen Konzentrationslager wurde ein eindrucksvolles Denkmal mit Glockenturm errichtet (von 1954 bis 1958).

Entfernung von Berlin: 285 km / 2 Std. und 35 Minuten mit dem Zug.

Stralsund: Hanseatische Perle in ihrem früheren Glanz

Einwohner im Jahr 1981 und im Jahr 2013: 74.421 versus 57.301.

In der DDR: Die wichtigste Einnahmequelle dieser Hafenstadt war der Schiffbau, insbesondere für die Sowjetunion; rund 8.000 Menschen arbeiteten in den Docks. Neue Stadtviertel mit Fertigbau-Wohnungen waren schnell erbaut, doch die Altstadt ließ man einfach verfallen. Während des 40-jährigen Bestehens der DDR wuchs die Stadt von 31.000 auf 76.000 Einwohner (1989) an – nach der Wiedervereinigung Deutschlands zogen jedoch 20.000 Menschen aus der Stadt.

Warum jetzt besuchen? Wenn man sich Bild- und Filmmaterial aus dem Jahr 1990 ansieht, kann man sich das zwar schlecht vorstellen, doch die durch ihre Backsteingotik geprägte Altstadt von Stralsund ist wieder zu einer der schönsten hanseatischen Perlen geworden. Nach der Hansezeit war die Stadt fast zwei Jahrhunderte lang unter schwedischer Besatzung, was auch heute noch an einigen Barockbauten ersichtlich ist. Stralsund wird auch als das ‘Tor nach Rügen’ bezeichnet: Eine Brücke verbindet die Stadt direkt mit der traumhaft schönen Insel.
DDR-Sehenswürdigkeiten:

  • Deutsches Meeresmuseum: ein Museum, das dem Meer gewidmet ist, in DDR-Zeiten gegründet wurde (1951) und besonderes Augenmerk auf die Fischerei in der DDR richtet.
  • Prora: Worte allein reichen nicht aus, um dieses monströse, kilometerlange Gebäude auf der Insel Rügen zu beschreiben; von den Nazis in den 1930er Jahren errichtet, wurde es von der sowjetischen Armee und später von der Nationalen Volksarmee bis zu Beginn der 1990er Jahre genutzt. Der größte Teil des Gebäudes steht inzwischen leer, obgleich es immer noch ein Dokumentationszentrum und ein DDR-Museum beherbergt.

Entfernung von Berlin: 270 km / 3 Std.

* Bitte beachten Sie, dass ich die Städte nicht aufgrund ihrer Größe, sondern aufgrund ihrer Attraktivität ausgewählt habe. Was meinen Sie, ob sie einen Besuch wert sind?