EAST SIDE GALLERY – Die längste Freiluft-Galerie der Welt

Kein Bauwerk hat Berlin so sehr geprägt wie die Mauer, die zwischen 1961 und 1989 nicht nur eine Stadt, sondern ein ganzes Land teilte. Teile der grauen Mauer wurden auf der West-Berliner Seite von Anwohnern und Künstlern schon vor dem Mauerfall künstlerisch gestaltet, doch das heutzutage berühmteste Mauerstück wurde erst nach dem Mauerfall zu der längsten Freiluft Galerie der Welt. Wie es dazu kam, welche Bilder die berühmtesten sind und vieles mehr, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag.

East Side Gallery
Berlin East Side Gallery, Quelle: Pixabay.com

Am Anfang war sie grau

Die Berliner Mauer ist DAS Symbol für die deutsche Teilung. Nachdem immer mehr Bürger die Deutsche Demokratische Republik verließen, um ihr Glück im Westen zu finden, wusste sich die SED-Regierung nur mit dem Bau einer Mauer zu helfen. Offiziell war die Mauer natürlich nur zum Schutz vor dem Westen installiert worden, hielt aber gleichzeitig die Bürger der DDR vor der Flucht in den Westen zurück.

Die knapp 167 Kilometer lange Mauer verlief einmal um ganz West-Berlin herum und machte so aus ihr eine Insel. Nach dem Mauerfall 1989 wurde die Mauer weitestgehend zurückgebaut und ist im heutigen Berliner Stadtbild nicht mehr sehr präsent. Das längste, noch erhaltene Stück Berliner Mauer steht nicht weit vom Strausberger Platz entfernt und ist den Meisten bekannt: die East Side Gallery!

Die Mauer wird bunt

Die außerordentliche Situation des Mauerfalls lockte viele Künstler aus der ganzen Welt nach Berlin und viele davon beteiligten sich an der Verschönerung des Mauerabschnitts an der Mühlenstraße in Berlin Friedrichshain. Im Februar 1990, also nur 3 Monate nach dem Fall der Mauer, begannen 118 Künstler aus 21 Ländern den 1,3 Kilometer langen Teil der Mauer zu bemalen.

Der ursprüngliche Plan war es, die bemalten Mauerstücke als eine Ausstellung überall auf der Welt zu präsentieren und anschließend zu versteigern. Zum Glück für Berlin wurde diese Idee nicht umgesetzt und im September 1990 konnte die Galerie mit insgesamt 106 Bildern eröffnet werden.

Die Stars unter den Bildern

Eines der bekanntesten Bilder der East Side Gallery ist der „Bruderkuss“ von Dimitri Vrubel, der die damals mächtigsten Männer des Ostblocks Erich Honecker und Leonid Breschnew eng verschlungen und sich küssend zeigt.

Bruderkuss
“Bruderkuss” von Dimitri Vrubel, Quelle: Pixabay.com

Ein weiteres bekanntes Bild, welches schon tausende Male als Postkarte oder Kühlschrankmagnet verkauft wurde, ist das Bild „Test the Best“ von Birgit Kinder. Ihr Bild zeigt einen Trabi, der die Mauer durchbricht und so als Symbol für den Fall der Mauer stehen kann.

Test the Best
“Test the Best” von Birgit Kinder, Quelle: Pixabay.com

Erhalt und Zerstörung der Mauer

Zum Schutz der Mauer wurde die East Side Gallery 1991 unter Denkmalschutz gestellt und so zu einem besonders zu schützenden Bauwerk erklärt. Fünf Jahre später (1996) gründete sich der Verein „Künstlerinitiative East Side Gallery e.V.“, in dem sich die Künstler der East Side Gallery zusätzlich für den Erhalt und die Bewahrung der Bilder einsetzen. Unter anderem wurden durch den Verein 500.000 D-Mark Spenden (rund 250.000 Euro) von der Farben- und Lackiererinnung Berlin eingesammelt, die zur Sanierung und Restauration von 330 Meter Mauer und 33 Bildern verwendet wurden. Trotz Denkmalschutz wurden leider immer wieder Teile der Mauer zerstört. 2006 wurden 44 Meter Mauer auf Höhe der heutigen Mercedes Benz Arena entfernt, um Zugang zu einem Schiffsanleger zu schaffen.

18 Jahre nach Fertigstellung der East Side Gallery wurde es Zeit für eine umfassende Sanierung und Restaurierung aller Bilder und Mauerelemente. Hierzu wurden 2 Millionen Euro vom Berliner Senat zur Verfügung gestellt. 2009 konnte die East Side Gallery nach knapp einem Jahr Restaurierung feierlich wiedereröffnet werden. Insgesamt wurden 100 Bilder wiederhergestellt und große Teile des Mauerfundaments saniert.

2013 wurde die Mauer dann ein weiteres Mal nach 2006 unterbrochen. Nach der Genehmigung für den Bau eines Luxus-Apartmenthauses direkt an der Spree wurde unter Protest von vielen Berlinern und David Hasselhoff mehrere Segmente der Mauer entfernt.

East Side Gallery - Tower
Berlin East Side Gallery, Source: Pixabay.com

Trotz der einzelnen Unterbrechungen in der Mauer ist die East Side Gallery weiterhin eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Berlins. Jährlich strömen die Besucher bei jedem Wetter an das alte Mauerstück, um sich vor ihren Lieblingsmotiven zu fotografieren.

East Side Gallery - Musician
Berlin East Side Gallery, Source: Pixabay.com