Ein Blick zurück – Wie der Strausberger Platz zu dem wurde, was er heute ist

An kaum einem anderen Ort in Berlin lässt sich Geschichte so gut nachvollziehen, wie am Strausberger Platz. Die Häuser, gebaut im „Zuckerbäckerstil“, lassen heute nur noch erahnen, was der Platz mit der angrenzenden Karl-Marx-Allee alles gesehen haben muss. Zerstörung, Wiederaufbau, Demonstrationen…und heute? Heute entwickelt sich der Strausberger Platz zu einem neuen Berliner Hotspot, der das pure Großstadtleben widerspiegelt. Aber zunächst blicken wir noch einmal zurück auf die Geschichte und Erlebnisse dieses außergewöhnlichen Ortes.

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Der „Zuckerbäckerstil“ am Strausberger Platz

Vom Richtplatz zum Demonstrationstreffpunkt

Ja, das war der Strausberger Platz früher einmal: ein Richtplatz. Sein berühmtestes Opfer in dieser Periode war 1540 der Kaufmann Hans Kohlhase, der nach seiner sechs Jahre andauernden Fehde mit einem sächsischen Machthaber hingerichtet wurde. Das allein machte Kohlhase aber noch nicht zu einer Berühmtheit. Er diente später als Vorbild für Heinrich von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“, einem Pferdehändler, der zur Selbstjustiz griff, als er von einem sächsischen Junker unrechtmäßig behandelt wurde.

Als Richtplatz dient der Strausberger Platz jedoch schon lange nicht mehr. Machen wir also einen Sprung, in die etwas jüngere Geschichte: Während der Märzrevolution wurde der Strausberger Platz zum Schauplatz der Barrikadenkämpfe. Die Revolution forderte damals eine liberale Regierung, sowie die Aufhebung von Zensur und die damit verbundene Pressefreiheit. Als am 18. März 1848 jene Demonstration auf dem Schlossplatz eskalierte, wurden in ganz Berlin durch unzählige Bürger Barrikaden errichtet, und das eben auch auf dem Strausberger Platz.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Platz und die Karl-Marx-Allee, damals noch Große Frankfurter Straße, komplett zerstört. Daher musste sie in der Nachkriegszeit wiederaufgebaut werden. Nach einem städtebaulichen Wettbewerb wurde das Gebiet in Blöcke aufgeteilt und Hermann Henselmann als „Chefarchitekt“ gestaltete den Strausberger Platz. Die Karl-Marx-Allee, welche von 1949-61 den Namen Stalinallee trug, sollte mit dem Strausberger Platz die erste sozialistische Straße werden, die die Welt beeindrucken konnte. Und das tut sie bis heute, denn mit 90 Metern ist sie breiter als die Champs-Élysées und zählt damit zum letzten großen, europäischen Boulevard. Direkt nach dem Wiederaufbau zogen die Menschen zurück in die Wohnungen rund um den Strausberger Platz.

Avenue des Champs-Elysees with Christmas lighting leading up to the Arc de Triomphe in Paris, France

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Zum Vergleich: Die Champs-Élysées oben und die Karl-Marx-Allee unten.
Quelle Champs-Élysées: FelixCatana – Fotolia.com

Der Wiederaufbau und die damit verbundenen Bauarbeiten bargen jedoch auch ihre ganz neuen Probleme. Als sich am 16. Juni 1953 die Bauarbeiter der Baustelle des Klinikums am Friedrichshain und der benachbarten, heute, Karl-Marx-Allee zusammentaten, um gegen die im Mai verabschiedete Verschärfung der Arbeitsnormen zu demonstrieren, wuchs die Menge auf 10.000 Menschen an. Für den 17. Juni 1953 wurde ein Generalstreik geplant, der sich zu einem Volksaufstand in über 700 Städten und Gemeinden der DDR entwickelte. Gefordert wurden dabei die Senkung der Arbeitsnormen, Freilassung politischer Häftlinge, Rücktritt der Regierung und die Einheit Deutschlands. Damit rückte die Karl-Marx-Allee mit dem Strausberger Platz erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Denn der Aufstand wurde von den Panzern der sowjetischen Armee niedergeschlagen und blieb der SED-Führung bis zum Schluss im Gedächtnis.

Demonstriert wurde auch ab 1977 rund um den Strausberger Platz, denn die weitläufige Straße wurde als Veranstaltungsort für die jährlichen Demonstrationen zum 1.Mai gewählt. Und um dem Ruf als Hauptstadt der DDR gerecht zu werden, veranstaltete die Nationale Volksarmee (NVA) ab dem 7.Oktober 1979 jährlich eine Ehrenparade über die Karl-Marx-Allee und den Strausberger Platz.

Berlins neuer Place-To-Be?

Auf jeden Fall! Nach der Wiedervereinigung ist die Gegend um den Strausberger Platz zu neuem Leben erweckt. Ob sportliches Großereignis wie der jährliche Berliner Halbmarathon oder Sommerfeste, wie das internationale Bierfestival: Der Strausberger Platz zieht Touristen und Berliner gleichermaßen an. Doch auch ohne besondere Events lohnt sich ein Besuch. Locations wie der AVENUE-Club oder der Klub International, laden dazu ein, um an diesem geschichtsträchtigen Ort das Leben zu feiern.