Eine Erkundung der DDR-Ruinen

Während der Strausberger Platz ein ausgezeichnetes Beispiel für perfekt restaurierte DDR-Geschichte und -Architektur ist, gibt es aus derselben Zeit auch eine Reihe von Gebäuden, die dieses Glück nicht hatten. Sie sind in Vergessenheit geraten und warten entweder auf ihren unausweichlichen Verfall oder auf ihren Abriss. Traurig, oder? Als großer Fan der DDR-Geschichte und Architektur UND verlassener Häuser sind diese Gebäude für mich ein kleines Paradies. Einige habe ich bereits besucht, und meine Favoriten möchte ich Ihnen heute vorstellen.

Ein letzter Tanz: Das Ballhaus Grünau

Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, welch ein Bilderbuch-Ort das Ballhaus Grünau damals für jegliche Veranstaltung gewesen sein mag. Von 1890 bis 1991 war es ein beliebter Ort für Tanzabende, und mit ein klein wenig Fantasie kann man die Gäste immer noch sehen, wie sie plaudernd durch den Garten flanieren oder sich am Ufer der Dahme einen Drink genehmigen. Der Ballsaal, mit seinen neun Meter hohen Decken und den eleganten Fenstern, ist immer noch unglaublich schön. Leider hatte ich bei meinem letzten Besuch vor zwei Jahren Angst, dass alles jeden Moment zusammenbrechen könnte.

Wir nahmen allerdings das Risiko in Kauf und besichtigten sogar die oberen Räume, in denen sich die Gäste umziehen oder nach einer Nacht voller Tanz und Alkohol sogar nächtigen konnten. Im Keller fanden wir große Küchen, die vermutlich bis zur letzten Stunde des Ballhauses genutzt wurden. In den letzten zwei Jahrzehnten wurde mit einigen Entwicklern und der Stadt Berlin eine neue Nutzung diskutiert, zu der es jedoch nie kam. Was wirklich sehr schade ist, denn das Ballhaus könnte auch heute noch als eindrucksvolle Event-Location dienen.

Ein Teil des Iraks in Pankow – die irakische Botschaft

Der Irak war 1969 das erste nicht-sozialistische Land, welches in der DDR anerkannt wurde. Die Botschaft wurde in Pankow, Ost-Berlin, eröffnet. Von Beginn an gab es jedoch eine Menge Gerüchte. Mitarbeiter wurden mit Koffern voll Sprengstoff erwischt, der wohl für Anschläge in West-Berlin bestimmt war. Ja, die Botschaft beherbergte Terroristen. Und das nicht nur aus dem Irak, sondern auch von der deutschen Terror-Bewegung RAF.

Die DDR schien das alles zu akzeptieren, da der Irak ein loyaler, ölreicher Verbündeter war. Im Jahr 1991 verlor Saddam Hussein jedoch seine deutschen Freunde. Mitten im ersten Golfkrieg wurde das Personal der irakischen Botschaft dazu aufgefordert, das Land so schnell wie möglich zu verlassen. Die DDR war nun Teil des wiedervereinigten Deutschlands, und dieses hatte kein Interesse an einer Verbindung in den Irak.

Von diesem Moment an kümmerte sich niemand mehr um die verlassene Botschaft. Heute gibt es in einer hübschen Gegend im Westen Berlins eine neue Botschaft. Die alte wurde jedoch nie abgerissen. Als ich das Gebäude im Jahr 2013 besuchte, konnte man geradezu sehen, wie das Personal die Botschaft in Eile verlassen haben muss. Ein Großteil der Möbel ist immer noch erhalten, etwa die gemütlich aussehenden Sessel, Bürostühle und Schreibtische mit Schreibmaschinen, genauso wie die Küche samt Töpfen. Im Keller standen sogar noch Klappbetten.

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Allzeit bereit für den nächsten Job.
Quelle: Daphne Damiaans

Tschaikowskistraße 51, 13156 Berlin 

Wo sich das Riesenrad nie aufhört zu drehen – Der Spreepark

Der wohl bekannteste verlassene Platz der DDR und gleichzeitig der mit den größten Chancen, irgendwann wieder einen Zweck zu erfüllen, ist der Spreepark. Der einzige Freizeitpark der DDR öffnete 1969 seine Pforten und nannte sich eigentlich ,VEB Kulturpark Plänterwald‘. Er hieß täglich 1,7 Mio. Besucher willkommen, was ungefähr 10% der gesamten DDR-Bevölkerung entsprach.

Der Park behielt seine Funktion selbst nach der Wiedervereinigung noch bei, konnte jedoch nicht mit den großen und viel moderneren Themenparks im Westen Deutschlands mithalten. Nachdem er 2002 geschlossen wurde, entwickelte er sich zu einer ganz eigenen Attraktion: Machen Sie doch mal einen Spaziergang vorbei an rostigen Achterbahnen, bröseligen Plastikdinosauriern, Schwanenbooten, die im ganzen Park verstreut sind und einem sich stetig drehenden Riesenrad.

 

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Eininge des Schwannenboote sind in einem besseren Zustand als andere.
Quelle: Daphne Damiaans

Mit den Jahren wurden die Zäune, die den Spreepark umgeben, immer höher. Zum einen wusste die Stadt nicht, was sie mit dem Gelände anfangen sollte, und zum anderen verschafften sich Neugierige immer wieder unerlaubt Zutritt. Einige wenige Events wurden in den letzten Jahren organisiert, was mir die Möglichkeit gab, 2013 legal auf das Gelände zu gelangen. Es war uns nicht erlaubt, herumzuschnüffeln und hinter die Kulissen der Attraktionen zu schauen, aber offensichtlich haben wir es doch getan.

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Das quietschende Riesenrad.
Quelle: Daphne Damiaans

Kiehnwerderallee 1, 12437 Berlin

Die verlassene sowjetische Stadt: Vogelsang

Das war mein letzter Ausflug. Vor zwei Wochen fuhr ich zusammen mit meinem Freund und Bloggerkollegen Sebastian, der einen großartigen Bericht über unseren Ausflug geschrieben hat, dorthin. Man braucht ungefähr 1,5 Stunden von Berlin bis zu dem kleinen Dorf Vogelsang im Norden der Stadt. Und dann weitere 30 Minuten, um wirklich zu finden, wonach man gesucht hat: In den Wäldern findet man die verlassene sowjetische Stadt, die einst das Zuhause von 15.000 Seelen war.

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Hier ist die Sowjet-Union immer noch greifbar.
Quelle: Daphne Damiaans

Es gab ein Restaurant, ein Kino, eine Sporthalle, also alles, was eine kleine Stadt braucht. Aber eigentlich war alles nur auf eine Sache ausgerichtet: Atomwaffen. Und diese standen bereit für den Abwurf über England und Westeuropa.

Die Sowjets bauten Vogelsang im Jahr 1951 und blieben bis 1994. Aber selbst nach 20 Jahren sind die Spuren noch nicht vollständig verwischt, obwohl es durch die Natur oder den Menschen durchaus versucht wurde. Waffen haben wir nicht mehr gefunden, und das, wo die Stadt doch voll mit nuklearen Sprengköpfen, Raketen und Panzern war. Viele Häuser sind jedoch noch erhalten. Zwar ist es nicht so beeindruckend wie Tschernobyl, das ich vor drei Jahren besucht habe, aber das Gefühl ist ein ähnliches: Man läuft durch einen Wald und plötzlich merkt man, dass man inmitten einer einst lebendigen Stadt steht.

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Die Sporthalle ist immer noch erkennbar.
Quelle: Daphne Damiaans

Vogelsang, 16792 Zehdenick, Oberhavel, Brandenburg, Germany

Erklärung: Urban Exploring, also Stadterkundung, wie sich meine Gewohnheit nennt, bedeutet meist, dass man ein Gebäude oder ein Grundstück widerrechtlich betritt. Es ist also illegal. Es macht zwar Spaß, aber bitte zerstören Sie nichts und seien Sie vorsichtig, da die meisten Gebäude einsturzgefährdet sind.