Fashion Week in der DDR

Levi Jeans? Kurze Röcke? Ein Designer-Kleid? Dinge, von denen Modebegeisterte in der DDR nur träumen konnten. Westliche Mode war ein No-Go in dem sozialistischen Land, und für hochwertige Stoffe war kein Geld da. Kleidung war auch Teil der Planwirtschaft, was bedeutet, dass die Designs nie der neuesten Mode entsprachen. Das bedeutete aber nicht, dass die Liebe zur Mode etwas war, was die DDR nicht erreicht hätte. Die Teenager in DDR sahen, dass Fernsehstars aus dem Westen Outfits trugen, die in ihrem Land nicht zu finden waren – also wurden sie kreativ.

Jeans aus dem Westen

Ein wichtiger Aspekt von Sozialismus ist die Gleichheit aller Bürger. Auch wenn es um Mode geht. Gute Kleidung sollte für jeden erhältlich sein und nicht aus luxuriösen Extravaganzen oder ‘Firlefanz’ bestehen. Jeans waren in den 1950ern und 1960ern in Westdeutschland der letzte Schrei, aber wer auch immer es wagte, sie im Osten zu tragen, musste darauf gefasst sein, dass ihm Fragen nach seinen politischen Präferenzen gestellt wurden.

 

Denim schien jedoch hartnäckiger zu sein, als die DDR-Führung es erwartet hatte, und so beschlossen sie 1978, ihre eigenen Jeans auf den Markt zu bringen. Nun konnten die Jugendlichen ihre ‘Shanty’, ‘Boxer’ oder ‘Wisent’ tragen – sie sahen jedoch nicht annähernd so gut wie die Jeans aus dem Westen aus. Man konnte nur hoffen, dass ein Freund im Westen einem eine echte Jeans schicken würde; jenseits davon gab es noch die Option des Schwarzen Marktes, wenn man bereit war, exorbitant hohe Preise für eine Wrangler oder Levi Jeans zu zahlen.

Eine Revolution: Synthetische Kleidung

Ein großes Modeproblem war der Mangel an guten Stoffen, deshalb pries die DDR-Führung den Absatz von Kunstfasern an. Es gab ’Lederon’ als Lederersatz und ‘Dederon’, eine Chemiefaser als Stoffersatz, in dessen Namen sogar die DDR steckte. Anstelle von Seide oder Baumwolle wurde ‘Präsent.20’ für Kleidung verwendet. Heutzutage mögen Kunstfasern bei Kleidung weniger attraktiv sein, aber damals waren sie etwas Revolutionäres. Wenigstens für kurze Zeit. Sie sahen relativ gut aus, die Verbraucher beklagten jedoch, dass sie überhaupt nicht atmeten – somit war Schweiß auch Teil der Mode in der DDR.

Wer Geld hatte, konnte bei ‘Exquisit’ kaufen, einer Kette von exklusiven Läden, die erstmals 1962 eröffnet wurden. Sie verkauften teuere Mode aus dem Westen, aber auch ein Label mit exklusiver Kleidung, die in der DDR entworfen und angefertigt wurde. Die 30 Designer dieses Labels konnten Textilien nutzen, die ansonsten in ihrem Land unerschwinglich oder nicht erhältlich waren. Von jedem Modell wurden nur etwa 300 Stück angefertigt. Die Kleidung war von hoher Qualität und großer Wert wurde auf gute Passform und darauf gelegt, dass sie tragbar war. Die meisten Ostdeutschen würden sie sich jedoch leider nie leisten können.

 

Kreativität an der Nähmaschine

Ein Grund, unschöne Kleidung zu tragen? Nicht für jeden. Die Frauenzeitschrift Sibylle war sehr beliebt, da sie Vorlagen enthielt, um Kleidungsstücke nachzuarbeiten oder selbst zu entwerfen. Die Fotomodelle in der Zeitschrift trugen Kleidung, die staatlicherseits abgesegnet war – West-Outfits oder Miniröcke waren hingegen nie darin zu sehen. Dennoch: Wer eine Nähmaschine hatte (und das galt fast für jeden in der DDR) konnte die Vorlagen und die eigene Kreativität nutzen, um die Kleidung selbst zu kreieren, nach der man sich sehnte. Schätzungsweise ein Fünftel der gesamten Kleidung in der DDR wurde von den Verbrauchern selbst entworfen.

Josefine Edle von Krepl erinnert sich, wie sie 1960 Holzsandalen aus Frühstückbrettchen selbst herstellte, nachdem sie im West-Fernsehen gesehen hatte, dass die Mädchen damit herumliefen. Der Zeitschrift Der Spiegel erzählte sie 2010, dass sie einfach hübsch aussehen wollte und die Klamotten in den DDR-Läden hasste. Sie begann selbst Kleidung zu entwerfen, sehr zum Unmut ihrer Lehrer und später auch der Chefredaktion der Frauenzeitschrift ‘Für Dich’, für die sie arbeitete.

Eine wahre Liebe zur Mode

Allen Widrigkeiten zum Trotz gelang es ihr, 1980 ihre eigene Modeboutique in Ostberlin zu eröffnen. Ein großer Erfolg, aber Josefine musste gute Stoffe in die DDR schmuggeln und stand unter ständiger Beobachtung der Staatssicherheit (Stasi). Eine Leidenschaft für Mode, die in unserer modernen Zeit ihresgleichen sucht, war das, was sie immerfort antrieb. Nur wenige Monate vor dem Fall der Mauer beschloss sie, in den Westen zu fliehen.

In den 1990ern kehrte sie zurück, um allerdings festzustellen, dass die modische Undergroundszene völlig verschwunden und einem „Einheitslook“ gewichen war. Sie gab ihr Geschäft auf und eröffnete ihr eigenes Modemuseum (auf Schloss Meyenburg, 1,5 Stunden nordwestlich von Berlin), in der Hoffnung, junge Menschen zu inspirieren und für ihre Liebe zur Mode zu begeistern. Sie dürfte einer der wenigen Menschen sein, der wirklich sagen kann, er weiß, was das heißt.