Februar, Berlinale Berlin: Das Leben ist ein Film

Heike-Melba Fendel hat grade ihren Roman „Zehn Tage im Februar“ über Liebe(n) veröffentlicht. Geschrieben hat die Autorin das Werk in großen Teilen am Strausberger Platz. Aber sie schreibt hier nicht nur.

Schwer bepackt mit Tüten begegne ich ihr. Der eine (ich) auf dem Weg zum Supermarkt, die andere, Heike-Melba Fendel, auf dem Weg vom Supermarkt in Richtung Strausberger Platz – ihrem Berliner Zuhause. Es entspinnt sich ein kurzer Nachbarschafts-Schwatz, denn man kennt sich. Der eine (ich) erinnert sich an die erste Begegnung.
Damals. In Köln, als Heike-Melba Fendel 1991 mit zwei Freundinnen eine Agentur gegründet hat, um dem Schauspielernachwuchs die Türen zum Film zu öffnen. „Barbarella Entertainment“, so heißt und hieß das Baby. Barbarella? Das war ein Science-Fiction von 1968 mit Jane Fonda als super-sexy, super selbstbewusste, super-smarte Heldin. Und irgendwie ein Alter Ego für Heike-Melba Fendel.
Die Tüten stehen neben ihr, wie eine triviale Dekoration, denn sie haben eigentlich so gar nichts mit der blonden, schönen Frau zu tun, die in Gedankenpausen immer wieder ihre vollen Lippen schürzt. Ist das schon sexistisch? Würde man das über einen Mann schreiben? Heike kann über solche Gedanken lachen. Aber nicht nur. Die Zeit, eine der wichtigsten deutschen Wochenzeitungen, schreibt über sie: „Heike-Melba Fendel ist Autorin, Agentin und eine der unabhängigsten Frauen im deutschen Medienbetrieb.“

Sie begleitet und berät mit ihrer Agentur „Barbarella Entertainment“ Schauspieler, Moderatoren und Autoren, sie schreibt Kolumnen und sie hat unter anderem für Hessen den Filmpreis entwickelt.

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Bildquelle: Elke – photocase.de

Und dann die Bücher. Zwei sind es mittlerweile mit ihr alleine als Autorin, in vielen mehr hat sie ihren Beitrag geleistet. Das aktuelle Buch „Zehn Tage im Februar“ ist grade im Aufbau Verlag erschienen. „Ein Mann verlässt seine Frau, und die Frau geht ins Kino. Denn das Karussell der Liebe hat sie nie wirklich interessiert, sondern immer nur der nächste Film. Wie konnte es da passieren, dass sich ihr Leben zu einem müden Melodrama entwickelt hat? Es gibt nur eine Person, die ihr helfen kann: die große Regisseurin Jane Campion.“, fasst der Verlag den Inhalt zusammen. Es sind zehn Tage im kalten Berlin, die Tage der Berlinale, einem der größten Filmfestivals der Welt. Vieles offenbart sich im Dunkel der Kinos, einiges auf den roten Teppichen, wenn Matt Damon, Martin Scorsese, Gwyneth Paltrow oder Angelina Jolie die Parade abnehmen. Heike-Melba Fendel ist eine der Frauen, die dann im Dunkeln verschwinden, die den Spagat zwischen VIP-Empfang, Small-Talk und ernsthaften Gespräch aus dem FF beherrscht. Strahlend und witzig. Und immer mit dem Wissen um das später folgende. Sie hat ihn aufgeschrieben, den Spagat zwischen Dunkelheit, Oberfläche, großen Gefühlen und gefühlter Leere.

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Die Tüten vom Einkauf sind längst ausgepackt und der Inhalt längst verspeist. Drei Viertel ihrer Zeit verbringt Heike-Melba Fendel am Strausberger Platz, den Rest in Köln. Nach vorne, aus dem Esszimmer, überblickt sie den Strausberger Platz, schaut knapp über den großen Ahorn vor dem Fenster. Nach hinten fällt der Blick auf den Fernsehturm am Alexanderplatz. Jedes Jahr bis zum Herbst radelt sie unter meinem Fenster Richtung Alex vorbei. Ab und zu sehe ich sie, wenn ich vom Computer hochschaue.
Bald ist Frühling, dann ist es wieder so weit. Frau Fendel auf dem Rad. Es ist ein fröhlicher Anblick, manchmal weht ein Kleid, oft bearbeitet sie die Pedale in High-Heels. Und immer ist es eine Frau, die sich ganz bewusst entschieden hat, hier zu leben. In einer der ungewöhnlichsten Situationen, in der man in Berlin leben kann. Nichts passt besser zu ihr.

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Bildquelle: kallejipp – photocase.de

Letzten Sommer wurde Deutschland mit einer „ungewöhnlichen“ Situation überrascht. Flüchtlinge. Heike-Melba Fendel, auf Urlaub in Bosnien, rief an: „Meine Wohnung steht leer, wenn du Menschen da unterbringen willst, bringt meine Assistentin dir den Schlüssel.“ Sie kannte Ali, Saleh, Mujahid und Kazeem nicht, sie hat sie nie kennen gelernt. Sie haben über Wochen bei ihr gewohnt, bis sie von der Stadt endlich ein Dach über dem Kopf zugewiesen bekamen. Heike meldete sich aus ihrer Wohnung in Köln zurück. Ihre einzige Sorge: „Kannst Du bitte dafür sorgen, dass in der Wohnung nicht geraucht wird und das mein Samtsofa mit einem Laken abgedeckt wird. Das ist nämlich ziemlich empfindlich.“ Das Sofa ist empfindlich, Heike-Melba Fendel empfindsam. Für Außergewöhnliches. Menschen wie Umgebungen. Eine traumhafte Nachbarin. Und das kann man nachlesen in „Zehn Tage im Februar“.