Ich kaufe ein A

Weltweit ein Unikat: Ein Buchstabenmuseum. Come on. Was kann das, was soll das und was hat das mit der Karl-Marx-Allee zu tun?

Wo ist sie hin, diese wunderbare Neonreklame „Zierfische“, die am Frankfurter Tor an einem der Türme den Weg zum Kleintierhandel gewiesen hat? Blauer Grund, umrahmt von gelben Neonleuchten. Ein Unikat, ein echter Hingucker aus den frühen 80ern – den Jahren, als Berlin noch geteilt war und Ost-Berlin wenigstens hier nicht Einheitsgrau, sondern ein bisschen bunt war. Barbara Dechant, Grafik-Designerin aus Österreich, zog nach der Wende in den Turm am Ende der Karl-Marx-Allee. In eine Wohnung mit Blick auf die Leuchtreklame. Wir trafen uns für eine Reportage Anfang der 90er, für MAX, einem dieser damals angesagten Magazine. Das Miteinander – besser Nebeneinander – in der Karl-Marx-Allee war das Thema. Ossis hatten es auf einmal mit neuzugezogenen Wessis als Nachbarn zu tun – den Wessis, die schon vor über zwanzig Jahren die Karl-Marx-Allee als einen besonderen Ort entdeckt hatten.

Die Architektur der Allee lockte auch Barbara Dechant an. Die Neonleuchte war ein extra Bonus. 2009 ging der Zoo- und Aquarienhandel pleite, der Schriftzug wäre dann im Müll gelandet. Barbara Dechant und Anja Schulze, hauptberuflich in der Öffentlichkeitsarbeit beim Stadtmuseum Berlin tätig, hatten jedoch vier Jahre zuvor die Idee für ein Buchstabenmuseum und gründeten, nach guter deutscher Manier, einen Verein. Sie sammelten über Jahre alles was leuchtete, flackerte, was Infos von Fassaden vermittelte und das, was irgendwann keinen relevanten Nutzen mehr hatte.

Mit dem Spendenaufruf „Rettet die Zierfische“ haben die beiden Damen den ersten Ankauf für das Museum finanzieren können. Das Buchstabenmuseum, das mittlerweile über 1000 Exponate verfügt, ist ein Unikat der ganz besonderen Art. Und nach insgesamt vier Umzügen haben die Zierfische endlich ein festes Zuhause –  und zwar unweit eines weiteren Design- und Architekturhighlights, dem Hansaviertel.

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Das Hansaviertel in Berlin. Quelle: Claudio Divizia, shutterstock.com

Das Hansaviertel ist „Gegenentwurf“ zu Karl-Marx-Alle und Strausberger Platz.  Es wurde im Westen Ende der 50er Jahre als eines der ersten großen Pilot- und Prestigeprojekte im Zuge der Internationalen Bauausstellung radikal neugestaltet. Hier zeigt sich bis heute, wie sich Architekten wie Le Corbusier und Oscar Niemeyer zeitgemäßes Wohnen vorstellten. Im Westen bedeutete das knackigen Funktionalismus, im Osten, an der Karl-Marx-Alle, vom Klassizismus inspirierte Fassaden in Kombination mit funktionalen Wohnungen à la Bauhaus.

Auch im Buchstabenmuseum findet man heute noch die Umsetzung der verschiedenen Baustile. Hier jedoch in Form von Typografie. Tafeln, Leuchtreklamen und Fassadenbeschriftungen…kombiniert mit unzähligen Formen, Größen, Schriftarten und Materialien…ein Alphabet des öffentlichen Raums. Und so wie Berlin: Einzigartig!