„Masse und Klasse“- Reklame und Gebrauchsgrafik in der DDR

Reklame und DDR – Wie passt das zusammen? Ganz gut eigentlich wie zahlreiche Beispiele und eine aktuelle Ausstellung in Berlin belegen. Denn auch im realexistierenden Sozialismus gab es Produktwerbung und auch in der DDR fand man sie an jeder Ecke. Sie prangte von Litfaßsäulen, lief im Radio und im Fernsehen und war dennoch zurückhaltend in ihrer Anzahl und Aufmachung. Trotz Mangelwirtschaft und politischer Zensur erfanden haben findige Werbetexter, Grafiker und Designer innovative Reklameplakate und ansprechende Produktverpackungen gestaltet. Viele der bis heute überlieferten Beispiele fanden sogar höchste Anerkennung im westlichen Ausland. Während die Werbung im Westen oftmals versuchte, mit greller Aufmachung Kunden für bestimmte Produkte zu locken, gab sich die Werbung und Aufmachung von Produkten und Zeitschriften im Osten zurückhaltender. Kein Wunder eigentlich, denn ihre Aufgabe war es nicht, die Konkurrenz durch die schrillste und exotischste Idee zu übertrumpfen. Ziel war es, auf die Kunden pädagogisch einzuwirken und Ladenhüter und Überproduktionen loszuwerden.

Werbung- erst unnütz dann omnipräsent

Ab 1954 erschien in der DDR sogar eine eigene Fachzeitschrift zum Thema Werbung. Die Zeitschrift „Die Neue Werbung“ erschien monatlich und behandelte unter anderem die Themen Werbung, Gebrauchsgrafik, Fotografie, Buch- und Plakatkunst. Obwohl Werbung in der DDR zwar allgegenwärtig, aber dennoch im Vergleich zum Westen in ihrer Präsenz und Aufmachung eingeschränkt war, erschien die Zeitschrift in einer Auflage von bis zu 17.000 Heften. Erstaunlich, denn noch wenige Jahre zuvor hatte die DDR-Führung Produktwerbung als unnütz bezeichnet. Erst Mitte der 1050er Jahre wandelte sich diese Einstellung und führte für DDR-Verhältnisse zu einer wahren Werbeflut.

Doch auch Produktverpackungen spielten im Aufleben der Werbung eine große Rolle. Ein Beispiel, das sich bis heute in den Supermarktregalen finden lässt, ist die Marke Florena. Der auch heute noch verwendete Werbeslogan: „…und Sie fühlen sich wohl in ihrer Haut“ wurde in den 1960er Jahren geprägt als auch die erste Florena Dose in blau-weißer Farbgebung auf den Markt kam. Frappierende allerdings bei diesem Beispiel ist die Ähnlichkeit mit der aus dem Westen bekannten Nivea Creme Dose.

DDR- Gestaltung heute

Nicht nur Florena lässt sich bis heute in den Regalen finden und kann als Anschauungsmaterial für die Gebrauchsgrafik in der DDR dienen. Viele weitere Produkte sind in ihrer typischen Präsentation erhalten geblieben oder nach der Wiedervereinigung wieder aufgelegt worden. Dabei spielt beim Erfolg der Produkte häufig sogar die typische Gestaltung eine große Rolle. Wessen Neugierde auf DDR-Reklame, Gestaltung und Gebrauchsgrafik geweckt wurde, sollte unbedingt bis zum 3.Juli im Werkbundarchiv – Museum der Dinge vorbeischauen. Das Museum in der Oranienstraße 25 in Kreuzberg zeigt in einer Sonderausstellung viele Exponate zum Thema Gebrauchsgrafik in der DDR. Ein umfangreiches Begleitprogramm sowie gesonderte Führungen für Kinder und Jugendliche versprechen eine neue Sichtweise auf DDR-Grafikdesign. Die Ausstellung „Masse und Klasse. Gebrauchsgrafik in der DDR“ lädt dazu ein, Reklame und Gebrauchsgrafik der DDR nicht bloß als blassen Abklatsch des Westens zu betrachten.