Mit Blick über Berlin

Ich möchte gerne einen Fehler ansprechen, den die meisten Berlinbesucher während ihres Aufenthaltes machen. Er hängt mit einer der wichtigsten europäischen Sehenswürdigkeiten zusammen, welche ich von meinem Schlafzimmerfenster aus fast berühren kann (mit der Betonung auf fast, denn ich bräuchte 600 Meter lange Arme, um sie wirklich berühren zu können). Die Rede ist von dem Berliner Fernsehturm, von dem jeder Besucher denkt, er müsse darauf, um den besten Ausblick über die Stadt zu haben.

Dabei handelt es sich jedoch, wenn Sie mich fragen, um eine ziemlich teure (13,00€!!!) Fehleinschätzung. Was ist der Blick über Berlin wert, wenn der Fernsehturm selbst – und bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag ihn wirklich – nicht mit eingeschlossen ist? Deshalb gebe ich Ihnen heute meine Top 7 der besten Ausblicke über Berlin, welche ausnahmslos sehr besondere Orte sind. Diese Orte müssen kein Geld kosten, maximal einen zusätzlichen Atemzug bei dem Erklimmen der Spitze.

7. Die Reichstagskuppel

Es ist nicht sehr überraschend, dass die Reichstagskuppel es in diese Liste geschafft hat. Aber es wäre eine Schande, wenn Sie sich gegen einen Besuch entscheiden würden, denn die Zeiten der endlos langen Schlange vor dem Reichstag sind vorbei. Mittlerweile, können Sie sich nämlich einfach online anmelden und dort einen geeigneten Tag und die Zeit Ihres Besuches auswählen. Und bitte bringen Sie Ihren Ausweis an dem Tag mit, ansonsten wird Ihnen der Eintritt verwehrt. Das Ganze kostet Sie nicht einen Euro und Sie bekommen einen Einblick in das historische Parlamentsgebäude, bevor Sie die Kuppel erklimmen können.

Die kostenlose Audiotour erklärt Ihnen ganz genau, welches Gebäude im Zentrum Berlins Sie sich gerade anschauen und warum der Reichstag ein solch bedeutender Ort in der Geschichte der deutschen Demokratie und Vereinigung war. Ich gebe Ihnen einen kleinen Tipp: erbaut wurde er 1894, zerstört während des Zweiten Weltkrieges, gemeinsam mit der Kuppel in den 1990er Jahren wieder aufgebaut und seit 1999 wieder der Sitz der deutschen Regierung.

Reichstag
Platz der Republik 1
Mitte

6. Die Humboldtbox

Schwer zu verfehlen, wenn Sie Berlin besuchen, ist das wiederaufgebaute Schloss in nächster Nähe zum Berliner Dom. Es ist ein Großprojekt und kostet mehr als 550 Millionen Euro. Aber eines Tages wird die Museumsinsel ihr Stadtschloss wieder haben.

Wenn Sie mehr über den Palast der Republik erfahren möchten, der in der DDR erbaut wurde, nachdem das alte Stadtschloss abgerissen wurde, dann besuchen Sie doch die frei zugängliche Humboldtbox – das ist das merkwürdig geformte Objekt, welches vor dem neuen Schloss steht. Dort gibt es Bilder, Filme, architektonische Modelle und Freiwillige, die mehr als glücklich darüber sind, Ihnen etwas über die Geschichte dieses Schlosses zu erzählen. Wenn Sie dann den Fahrstuhl in das Restaurant in der obersten Etage nehmen, können Sie einen fabelhaften Ausblick auf den Dom, die Museumsinsel, über die Spree und das neue Stadtschloss genießen.

Humboldt-Box
Schloßplatz 5
Mitte

5. Ahrensfelder Berge

Die Ahrensfelder Berge sind ein sehr spezieller Ort und eher für Berlinexperten geeignet, als für jene, die erst das erste oder zweite Mal die Stadt besuchen. Nicht nur weil Marzahn, gelinde gesagt, einer der weniger bekannten Bezirke Berlins ist, sondern auch, weil es eine gefühlte Ewigkeit dauert, bis man da ist. Außerdem ist das Stadtzentrum von den Ahrensfelder Bergen sehr weit entfernt.

Dieser 114,5 Meter hohe „Berg“ ist der perfekte Ort, um einen Ausblick auf die Landschaft, die Berlin umgibt, zu ergattern (und das als Ganzes und nicht nur als Ausschnitt). Es ist vermutlich einer der ruhigsten und entlegensten Orte Berlins. Und wenn Sie schon einmal in Marzahn sind, würde ich Ihnen empfehlen, einen Abstecher zu der Museums Wohnung nahe Hellersdorf und einen Spaziergang zu dem alten Stadtzentrum (mit einer Windmühle und Ziegen) zu machen.

Ahrensfelder Berge (Marzahn)

Fahren Sie mit der Straßenbahn bis zu der Haltestelle Betriebsbahnhof Marzahn und überqueren Sie die Landsberger Allee, um zum Fuße des Bergers zu gelangen. Von hier aus führt eine Teppe auf die Ahrensfelder Berge.

Museums Wohnung
Hellersdorfer Str. 179
Hellersdorf

P4
der Weg zu den Ahrensfelder Bergen.
Quelle: Daphne Damiaans

4. Klunkerkranich

Einer der Gründe, warum ich mich schon jetzt auf meinen nächsten Frühling und Sommer in Berlin freue, ist der Klunkerkranich. Diese Bar befindet sich hoch oben auf dem Parkdeck eines Einkaufszentrums in Neukölln. Erreichen können Sie die Bar nur, wenn Sie mit dem Fahrstuhl in die oberste Etage des Parkhauses fahren. Sie gehen noch eine weitere Etage nach oben und sind dann in der Open Air Bar, mit dem wohl besten Ausblick in ganz Berlin.

Es steht Ihnen frei, ob Sie nichts bezahlen möchten und einfach nur für ein paar Minuten die Aussicht genießen wollen oder, und das würde ich Ihnen empfehlen, ob Sie sich einen Drink genehmigen und in entspannter Atmosphäre den wunderschönen Ausblick über die Stadt genießen wollen. Der Klunkerkranich hat auch im Winter geöffnet, allerdings werden Sie bei den kalten Temperaturen eher das Innere der Bar bevorzugen, als draußen zu bleiben und zu frieren.

Klunkerkranich
Neukölln Arcaden
Karl-Marx-Straße 66
Neukölln

P5
Klunkerkranich
Quelle: Daphne Damiaans

3. Der Teufelsberg

Zwischen dem Teufelsberg und den Arkenbergen, der ganz im Norden Berlins zu finden ist, gibt es seit jeher einen Wettstreit, wer denn der höchste sei. Derzeit bemisst der Teufelsberg ungefähr 120,1 Meter und die Arkenberge ungefähr 120,7m. Eine traurige Niederlage für den Teufelsberg, doch glücklicherweise hat er ein weiteres Alleinstellungmerkmal. Hier befinden sich nämlich auch die Überreste der „Feldstation“, einer Abhörstation, die die US-Truppen in den 90er Jahren hinterlassen haben. Die Ausrüstung wurde zwar entfernt, die Gebäude und die Radarkuppeln sind jedoch immer noch da.

Wenn Sie nur die Türme und die Aussicht über Berlin und den Grunewald erleben wollen, müssen Sie nicht den ziemlich hohen Eintrittspreis für die Feldstation bezahlen. Direkt neben dem Teufelsberg befindet sich nämlich der 99 Meter hohe Drachenberg, auf den Sie einfach hoch laufen können. Wenn Sie aber ein paar Euro entbehren können, dann ist die Feldstation es wirklich wert. Die Gebäude und Radartürme sind gefüllt mit wunderschöner Street-Art und somit ein Paradies für jeden UrbEx-Liebhaber.

Fahren Sie mit der S-Bahn bis Heerstraße und folgen Sie dann der Teufelsseechaussee. Diese führt Sie direkt zum Drachenberg und zum Teufelsberg mit der Feldstation.
Information über die Feldstation, welche 365 Tage geöffnet ist, finden Sie hier.

P6
Der Teufelsberg.
Quelle: Daphne Damiaans

2. Flakturm im Volkspark Humboldthain

Wenn man den Hügel im Volkspark Humboldthain, einem der schönsten Parks in Gesundbrunnen, hochläuft, könnte es einen Moment dauern, bis Sie bemerken, dass sich dort oben noch etwas befindet. Langsam erkennen Sie die Betonwände, die sich durch die Bäume nach oben erheben. Wenn Sie dann ein bisschen weiter gehen und noch einige Stufen nehmen, stehen Sie plötzlich vor den Überresten Hitlers wichtigster Konstruktion, die zum Schutze Berlins während des Zweiten Weltkrieges erbaut wurde.

Dabei handelt es sich um einen von drei sogenannten Flaktürmen, die Berlin einmal hatte. Wie die beiden anderen Türme wurde auch dieser in den späten 1940er Jahren in die Luft gesprengt – allerdings nicht so erfolgreich, wie die ersteren.
Steht man auf dem Turm, bemerkt man schnell, was für ein perfekter Ort das war um feindliche Bomber zu sichten. Es gibt außerdem die Möglichkeit, auch in den Turm zu gehen, in dem damals bis zu 15.000 Zivilisten Platz gehabt hätten. Die Berliner Unterwelten haben es möglich gemacht, diesen Ort zu besuchen und bieten von April bis Oktober Führungen an.

Volkspark Humboldthain
Nehmen Sie die S-Bahn, bis zur Station Gesundbrunnen und nehmen Sie den Ausgang Brunnenstraße. Dann befindet sich der Volkspark Humboldthain direkt vor Ihnen, auf der anderen Seite der Straße

Berliner Unterwelten
Brunnenstrasse 105
Gesundbrunnen

P7
Der Flakturm im Volkspark Humboldthain
Quelle: Daphne Damiaans

1. TanzSuite – PanoramaLounge

Aus ganz verschiedenen Gründen ist das meine absolute Nummer 1. Zum einen ist die Tanzschule/Bar in einem der DDR Türme am Straußberger Platz, und somit in meinem Lieblingsviertel im Herzen Berlins (und das ist es nicht nur, weil ich hier lebe). Denn es bietet sich damit auch die Möglichkeit, eines der architektonischen Highlights in Berlin zu besuchen. Außerdem sind Sie sehr nah am Alexanderplatz, was bedeutet, dass auf allen Bildern der berühmte Fernsehturm zu sehen ist. Und zu guter Letzt findet man hier keine Touristen. Sie klingeln einfach, fahren mit dem Fahrstuhl in die oberste Etage, setzen sich an die Bar und genießen den wundervollen Ausblick.

TanzSuite – PanoramaLounge
Strausberger Platz 1
Friedrichshain

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Die TanzSuite – PanoramaLounge.
Quelle: Daphne Damiaans

Und noch viele andere

In einer Stadt, die so groß ist wie Berlin, gibt es natürlich noch unzählige weitere Möglichkeiten für einen Blick von oben. Wenn Sie etwas mehr bezahlen, können Sie auch die Panorama Terrasse in dem Hotel Park Inn am Alexanderplatz besuchen oder den Panorama Punkt in einem der Wolkenkratzer am Potsdamer Platz. Der „WELT-Ballon“ in der Nähe des Checkpoint Charlie und die Siegessäule in Tiergarten sind zudem auch tolle Orte für einen Panoramablick über Berlin.