Rundreise durch die ehemalige DDR

Meine Faszination für die DDR reicht viele Jahre zurück – schon als Studentin habe ich mich mit ihrer Geschichte befasst –, aber bis vor drei Jahren hatte ich es nie weiter als bis nach Berlin geschafft. Das musste sich endlich ändern, und so packten Mark und ich unseren Kram ins Auto, fuhren über die Grenze nach Deutschland und von dort aus stracks nach Osten. Höchste Zeit, endlich diesen Teil Deutschlands, der mich immer so fasziniert hatte, mit eigenen Augen zu sehen.

Erste Station: Checkpoint Alpha

Ich wollte den Grenzübergang unbedingt offiziell machen, deswegen begannen wir unsere DDR-Tour so, wie sie einst für viele Besucher aus dem Westen angefangen hätte: mit einem Zwischenstopp an der innerdeutschen Grenze, genauer gesagt am damaligen Grenzübergangsstelle Marienborn, die auch als Checkpoint Alpha bekannt war. Die Gebäude und Anlagen sind noch intakt und können als Teil der Gedenkstätte „Deutsche Teilung Marienborn“ besichtigt werden.

Central Berlin - Checkpoint Marienborn
Checkpoint Alpha heute. Bildquelle: Daphne Damiaans

Wir ließen unser Auto an der ehemaligen Passkontrolle stehen und machten einen Rundgang über das Gelände des einstmals größten Grenzübergangs in Deutschland. Außer uns waren kaum andere Besucher da, und der menschenleere Komplex wirkte, als wären die Grenzbeamten gerade in der Mittagspause und würden jeden Moment zurückkehren.

Zweite Station: Leipzig

Berlin war natürlich ein absolutes Muss für uns – ich wollte aber auch das „neue Berlin“ besichtigen: Leipzig. Also mieteten wir uns in einem Hostel an der Karl-Liebknecht-Straße ein, weil ich gelesen hatte, dass dort jeden Abend der Bär steppt, und machten uns auf in Richtung Zentrum. Die Karl-Liebknecht-Straße erinnerte mich in der Tat an Berlin, aber in den Gassen rund um den Marktplatz war der grundlegende Unterschied zwischen beiden Städten unübersehbar: Leipzig hat eine historische Altstadt!

Auch von der DDR sind noch einige Spuren geblieben. Die Massenproteste, die letztlich zum Mauerfall führten, begannen an der Nicolaikirche. Besonders gefallen hat mir auch das DDR-Museum, das die inspirierende Bezeichnung „Zeitgeschichtliches Forum” trägt. Der Eintritt ist frei, das Museum selbst steht dem Berliner DDR-Museum in nichts nach. Aber das Highlight unseres Leipzig-Besuchs war wohl das Ausstellungsgelände, auf dem zu DDR-Zeiten zahlreiche wichtige Großveranstaltungen stattfanden. Bis heute ziert der rote Stern das Dach des Sowjetischen Pavillons.

Dritte Station: Chemnitz (Karl-Marx-Stadt)

Chemnitz ist einzigartig. Die Stadt trägt ihren Namen schon seit dem Mittelalter – bis die DDR-Führung 1952 auf die Idee kam, ihr einen neuen zu verpassen. Zur Begründung sagte der Ministerpräsident Otto Grotewohl: „Die Menschen, die hier wohnen, schauen nicht rückwärts, sondern sie schauen vorwärts auf eine neue und bessere Zukunft. Sie schauen auf den Sozialismus. Sie schauen mit Liebe und Verehrung auf den Begründer der sozialistischen Lehre, auf den größten Sohn des deutschen Volkes, auf Karl Marx.“ Daher der neue Name: Karl-Marx-Stadt.

Central Berlin - Chemnitz
Chemnitz, Karl Marx ist immer noch da. Bildquelle: Daphne Damiaans

Vierte Station: Sächsische Schweiz

Die Sächsische Schweiz zählt seit jeher zu den beliebtesten Urlaubszielen in Deutschland, und zwar vollkommen zu Recht. Die wildromantische Landschaft mit ihren seltsamen Felsformationen sieht in etwa so aus, wie ich mir amerikanische Nationalparks vorstelle. Kein Wunder, dass Caspar David Friedrich und seine Malerkollegen hier Inspiration fanden.

Central Berlin - Sächsische Schweiz
Sächsische Schweiz. Bildquelle: Daphne Damiaans

Die Westdeutschen mussten nach dem Krieg 45 Jahre warten, bevor sie das Sandsteingebirge wiedersehen durften. Dafür gab es nur wenige DDR-Bürger, die nicht mindestens ein oder zwei Nächte in der Gegend verbracht hätten. Zu DDR-Zeiten gingen in der Hochsaison über 50.000 Besucher über die berühmte Basteibrücke. Wir taten es ihnen nach und machten ein paar wunderschöne Spaziergänge. Ich bin mir fast sicher, dass der kleine Laden in unmittelbarer Nähe der Brücke immer noch dieselben Andenken und Snacks verkauft wie vor 40 Jahren.

Central Berlin - Rundreise
Urlaub in der Sächsischen Schweiz zu DDR-Zeiten. Bildquelle: DDR-Museum Pirna

Fünfte Station: Dresden

Um ganz ehrlich zu sein: Ich stehe nicht sonderlich auf Barock, deswegen stand Dresden nicht ganz oben auf meiner Liste. Aber da wir schon einmal in der Gegend waren, wollte ich mir Gelegenheit zu einem Besuch doch nicht entgehen lassen. Aus Zeitmangel beschränkten wir unsere Stadtbesichtigung auf die Gegend um die Frauenkirche. Der Wiederaufbau wurde 2005 abgeschlossen, und die Kirche ragt nun beinahe als Fremdkörper auf einem Platz hervor, der ansonsten noch deutliche Spuren der DDR-Geschichte trägt, allen voran das Monstrum von Kulturpalast (mir gefällt‘s).

Trotzdem war ich ein wenig schockiert, wie touristisch die Stadt ist – wir ließen uns an einen Tisch am Marktplatz locken und besannen uns eines Besseren, als wir sahen, wie teuer der Kaffee war. Wir gingen dann noch kurz an die Elbe, und ich bildete mir ein, ich hätte jetzt so ziemlich alles von der Stadt gesehen. Mittlerweile weiß ich, dass Dresden auch eine Neustadt hat, die durch ihren rauen Charme und ihre netten Kneipen besticht. Ich komme auf jeden Fall nochmal zurück!

Sechste Station: Berlin

Berlin zählt schon immer zu meinen Lieblingsstädten, deswegen brachten wir es nicht über uns, die Hauptstadt bei unserer DDR-Rundreise links liegen zu lassen. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht mehr, was wir dort gemacht haben – aber Spaß hatten wir ganz bestimmt!

Siebte Station: Rügen

Die Sächsische Schweiz ist kaum zu schlagen, aber Rügen zählt ebenfalls zu den schönsten Naturlandschaften, die ich in meinem Leben gesehen habe. Nur ein paar Stunden nördlich von Berlin bietet die Insel unendliche Strände, weiße Steilklippen und riesige Wälder, die man fast für sich alleine hat. Wir machten einen langen Strandspaziergang und genossen die frische Seeluft.

Der eigentliche Grund unseres Besuchs war freilich ein ganz anderer: der 4,5 Kilometer lange „Koloss von Prora“ wurde in den 1930ern von den Nazis als Ferienort für bis zu 20.000 Gäste erbaut. Nach Ausbruch des Krieges wurden die Bauarbeiten vor der für 1940 geplanten Eröffnung eingestellt. Später nutzte die Rote Armee den Komplex zu militärischen Zwecken.

Central Berlin - Rügen Prora
Rügen, Prora. Bildquelle: Daphne Damiaans

Der Abriss stand zur Debatte, wurde aber als zu aufwendig verworfen. Stattdessen wurden die Ruinen teilweise zu Kasernen umgebaut, während der südliche Teil als Erholungsheim für Angehörige der Nationalen Volksarmee und der DDR-Grenztruppen diente. Seit der Wende steht die Anlage größtenteils leer; im ehemaligen Haus der NVA am Südrand befindet sich seit 2000 ein Dokumentationszentrum.

Central Berlin - Rügen Beaches
Die Rügener Strände. Bildquelle: Daphne Damiaans