So schmeckt Berlin (mit Tipps von mir)

Man könnte sagen, ich war auf einer lokalen Entdeckungsreise, oder dass ich versucht habe, als “Locavore” zu leben. Aber für mich war es eher eine Art Liebeserklärung an die beste Stadt der Welt. Am letzten Valentinswochenende wollte ich herausfinden, wie Berlin schmeckt. Natürlich hatte ich bereits eine (vegetarische) Currywurst und einige Berliner Biere probiert, aber ich wusste, dass es in meiner Stadt noch mehr kulinarische Highlights auf mich warten. Darum beschloss ich, mich letzten Samstag nur von in Berlin produzierten Speisen und Getränken zu ernähren.

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Ein Stand gefüllt mit regionalen Produkten aus Berlin in der Markthalle Neun.
Quelle: Daphne Damiaans

09:00 Uhr

Da ich immer hungrig aufwache, hatte ich am Vortag schon einige Einkäufe erledigt. Und es stellte sich heraus, dass sogar mein Supermarkt um die Ecke ein gutes Sortiment aus in Berlin produzierten Waren führt. Während meiner, noch nicht mal sehr ausgiebigen, Suche, fand ich Gemüse, Brot, Limonaden und Fruchtsäfte. Alles aus der Region. Um meinen Tag in Berlin gesund zu starten, kaufte ich einen Bio-Smoothie von fruchtWerk aus Kreuzberg.
Das Beste, das es gibt, sind Mangos, Maracujas und Bananen aus Berlin.
Jetzt war ich bereit, in den Tag zu starten.

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Ein Fruchtsmoothie made in Kreuzberg.
Quelle: Daphne Damiaans

09:30 Uhr

Zeit fürs Frühstück bedeutet Zeit für Brot! Ein kurzer Blick auf die unendlich lange Schlange vor der Bäckerei in Berlin-Mitte verrät, dass dies einer der beliebtesten Brotverkäufe in Berlin ist. Alles was man hier essen kann, besteht aus Bio-Produkten und wird in der Backstube im hinteren Teil des Gebäudes von Hand gemacht. Zeit für Brot ist bekannt für seine köstlichen Snacks und Brote. Man sollte keine große Dekoration erwarten, aber an den kleinen Tisches können Sie frisch gebackene Zimtschnecken oder Rosinenknoten genießen.
Sie fragen sich, wie es geschmeckt hat? Unglaublich! Also hoffte ich, dass der Rest von Berlin genauso gut schmecken würde.

Zeit für Brot: Alte Schönhauser Straße 4, Mitte

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Im Zeit für Brot gibt es wahrscheinlich die leckerste Zimtschnecke in ganz Berlin.
Quelle: Daphne Damiaans

10:00 Uhr

Ich war nunmehr bereits seit zwei Stunden wach und hatte noch keinen Kaffee. Das lag daran, dass ich nicht wusste, ob der Kaffee im Zeit für Brot auch wirklich ein Berliner Original war. Nur ein paar Minuten von dort entfernt befindet sich jedoch The Barn. The Barn hat seine eigene Kaffeerösterei im Prenzlauer Berg und man kann sehen, wie die Bohnen in einer „Probat Röstmaschine“ von 1955 geröstet werden. Sie können den Kaffee direkt vor Ort in der Rösterei probieren oder, wie ich, in dem sehr viel kleineren Café in Berlin-Mitte.
Auch hier werden Sie keine aufwendigen Dekorationen finden, dafür aber den Geruch von frisch geröstetem, leckerem Kaffee. Mein Cappuccino war zweifelslos einer der besten, den ich je in Berlin hatte.
Könnte das der süße Geschmack von Prenzlauer Berg sein?

The Barn: Auguststraße 58, Mitte
Rösterei: Schönhauser Allee 8, Prenzlauer Berg

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Im The Barn gibt es noch Kaffee aus den Händen eines echten Barista.
Quelle: Daphne Damiaans

11:30 Uhr

Berlin-Mitte ist perfekt für einen kleinen Spaziergang geeignet. Dabei lassen sich wunderschöne Gebäude, außergewöhnliche Boutiquen und handgefertigte Pralinen finden. Während wir (mein Freund und ich) über die berühmten Hackeschen Höfe spazierten, stolperten wir über Sawade. Ein Geschäft, in dem seit 135 Jahren Pralinen und Schokoladentrüffel gefertigt und verkauft werden. Wir probierten eine Praline mit einer knusprigen Nougatfüllung und eine mit Marzipanfüllung. Ich kann Ihnen sagen – das war eine kleine Geschmacksexplosion und uns war klar, dass wir das Mittagessen noch um etwa fünf Stunden verschieben mussten.

Sawade: Rosenthaler Straße 40–41 (Hackesche Höfe.), Mitte

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Im Sawade ist im Schokoladenhimmel
Quelle: Daphne Damiaans

13:30 Uhr

Oder zumindest um zwei Stunden, denn langsam begann ich wieder Hunger zu bekommen. Zeit um mit dem Fahrrad nach Kreuzberg zur Markthalle Neun zu fahren. Das Streetfood am Donnerstag ist eine Art Institution, aber was Sie vielleicht noch nicht wussten, ist, dass es am Dienstag, Freitag und Samstag auch einen Wochenmarkt gibt. Nahezu alles, was hier verkauft wird, kommt aus der Region Berlin-Brandenburg: vom frisch gebackenen Kucken bis hin zum Bio-Gemüse. Wir haben einen mit cremiger Erdnussbutter gefüllten Schokoriegel probiert – ein Snickers in einem Mars, wie Mark sagte – und einen Apfel, der direkt von einer Bäuerin verkauft wurde. Es war nicht das beeindruckendste Mittagessen, was ich je hatte, aber ich musste mir auch noch etwas Hunger aufheben: für…

Markthalle Neun: Eisenbahnstraße 42-43, Kreuzberg

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Ich kaufe Bio-Lebensmittel von einem regionalen Farmer in der Markthalle Neun.
Quelle: Daphne Damiaans

14:30 Uhr

…die Currywurst! Nur wenige Minuten von der Markthalle Neun entfernt, befindet sich das Yellow Sunshine, ein vegetarisch/veganes Bio-Fast-Food-Restaurant in Kreuzberg. Ja, das haben Sie richtig gelesen. Dort gibt es nicht nur Currywurst auf der Karte, sondern auch veganen Chicken-Cheeseburger und vegane Schnitzel. Aber ich hatte ein Vorhaben und das hieß: Berlin, Berlin, Berlin – also habe ich mich für die Currywurst entschieden. Aber um ehrlich zu sein, haben die frischen Pommes den Geschmack der Currywurst ziemlich überdeckt, da diese, wäre sie nicht in Sauce eingelegt gewesen, nach gar nichts schmeckte. Mein Tipp ist daher: Gehen Sie ins Yellow Sunshine, wenn Sie mit einer Gruppe (zeitweiser) Vegetarier oder Veganer unterwegs sind. Aber für eine richtige Currywurst, ganz gleich ob vegan oder mit Fleisch, besuchen Sie Konnopke’s Imbiss in Prenzlauer Berg oder Hain & Friedrich in Friedrichshain.

Yellow Sunshine: Wiener Straße 19, Kreuzberg
Konnopke’s Imbiss: Schönhauser Allee 44b, Prenzlauer Berg (Unter den Gleisen)
Hain & Friedrichs: Simon-Dach-Straße 37, Friedrichshain

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Was würde Berlin nur ohne die vegane Currywurst tun?
Quelle: Daphne Damiaans

16:00 Uhr

Kein Bier vor vier! Oder vielleicht doch?
In jedem gewöhnlichen Supermarkt gibt es eine Auswahl aus in Berlin gebrauten Bieren, sei es Berliner Pilsner, Berliner Kindl oder Schultheiss. Aber ich wollte heute etwas Besonderes trinken. Also gingen wir ins Hops & Barley in Friedrichshain. Es gibt Pilsner, Weizen, dunkles Bier sowie wöchentlich wechselnde Spezialbiere. Und alle werden direkt im Haus gebraut. Wir bestellten uns ein Pale Ale und ein Cider, die in Friedrichshain hergestellt werden. Dabei schauten wir ein Fußballspiel auf der Leinwand. Was Sie wissen sollten: stoßen Sie nicht an einem Moment an, an dem ein Tor gegen Hertha fällt. Das trifft bei Berlinern nicht unbedingt auf Zuspruch…

Hops & Barley: Wühlischstraße 22/23, Friedrichshain

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Bier aus der hauseigenen Brauerei und Fußball auf der Leinwand.
Quelle: Daphne Damiaans

19:00 Uhr

Ein bisschen beschwipst und noch glücklicher und verliebter in die Stadt, fuhren wir zu unserer letzten Station. Nach einer ca. 25 minütigen Fahrradfahrt durch Prenzlauer Berg kamen wir an der urigen Eckkneipe Zum Schusterjungen an. Diese Kneipe hat sich scheinbar während der letzten 100 Jahre nicht verändert und serviert noch heute die traditionelle „Altberliner Küche“. Eisbein, Blutwurst, Kapernklopse und Kohlrouladen sind das, was der Berliner „deftig“ nennt – und es ist auch genug, um die nächsten Wochen nichts mehr essen zu müssen.

Von Leber, Blut und anderen Körperteilen auf der Karte fühlte ich mich nicht wirklich angesprochen. Mark entschied sich für Bouletten. Die vegetarische Karte war für ein Restaurant, welches nur traditionelle Speisen serviert, länger als gedacht und bestand aus Kartoffeln, Kartoffeln, Eiern und Eiern. Und etwas Spinat, nur für den Fall, dass jemand sich gesünder ernähren wollte. Daher entschied ich mich stattdessen für „Senfeier“ (das sind drei gekochte Eier in Senfsauce mit Kartoffelbrei). Mein Plan war, auch noch ein Dessert zu essen, da es endlich mal Zeit für Rote Grütze (gekochte Früchte mit Zucker und Sahne) war. Aber als ich meine Senfeier aufgegessen und meinen halben Liter Bier – ein spezielles Schusterjungenbräu – ausgetrunken hatte, war ich froh, dass ich überhaupt noch die Kraft fand, um zu atmen.

Zum Schusterjungen: Danziger Straße 9, Prenzlauer Berg

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Das liegt schwer im Magen. Ein Abendessen wie es Berliner auch um 1916 aßen.
Quelle: Daphne Damiaans

23:00 Uhr

Mein Bauch und ich waren überglücklich, als wir endlich im Bett lagen. Ich weiß nicht, wann ich in den letzten Jahren jemals so satt war. Ich glaube noch nicht mal zu Weihnachten.

Zugegeben, Essen in Berlin kann durchaus gesünder sein als das, was ich heute gemacht habe (wobei ich einen Smoothie und einen Apfel hatte!), aber dann hätte ich auch all die Leckereien verpasst. Ich werde wahrscheinlich mindestens eine Woche brauchen, um mich davon zu erholen, aber ich hätte nichts dagegen, das Ganze eine Woche später zu wiederholen. Und eine Sache ist sicher: Meine Liebe zu Berlin geht auch durch den Magen!