Stadtentwicklung in Ost- und West-Berlin

Die Wiedervereinigung ist schon 25 Jahre her, aber die Folgen der DDR-Zeit sind in der deutschen Hauptstadt immer noch zu erkennen. Stadtplanung, Wohnungsbau und Infrastruktur haben sich in Ost und West aber nicht erst seit dem Mauerbau 1963 unterschiedlich entwickelt. Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Entwicklung in ganz Deutschland im Allgemeinen und in Berlin im Besonderen auseinander. Ursache waren die Zerstörungen des Krieges. Berlin musste in vielen Teilen neu aufgebaut werden. Vorher hatten Mietskasernen aus dem 19. Jahrhundert das Stadtbild geprägt. Jetzt sahen Architekten und Bauplaner ihre Chance, eine neue Stadtlandschaft zu gestalten. Die Ansätze liefen dabei in den beiden Teilen Berlins zuerst auseinander, bevor sie sich stilistisch wieder annäherten.

an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, DDR BRD
Quelle: Ezio Gutzemberg – Fotalia.com

„Neue Stadt“ – neues Glück?

Für die Neugestaltung des Berliner Ostens veröffentlichte die DDR im Jahr 1950 insgesamt 16 sogenannte „Grundsätze des Städtebauens“. Im Kern dieser Leitsätze wurden die Ideen der modernen Stadtentwicklung grundsätzlich abgelehnt. Mit dem sechsten Grundsatz, der das Berliner Zentrum zum politischen Mittelpunkt der DDR erkor, wurde unter anderem der Abriss des alten Berliner Stadtschlosses begründet, für das im Städtebaukonzept der DDR kein Platz mehr vorgesehen war. Das erste große Projekt, das im Osten Berlins verwirklicht wurde, war die Bebauung rund um den Strausberger Platz und die Stalinallee (heute Frankfurter Allee). Die traditionelle Bauweise, die beeindruckenden Torhäuser und klassizistischen Elemente sollten die Abkehr von der Moderne weiter unterstreichen. Es wurden großzügige Wohnungen geschaffen und viele klassizistische Elemente wie Säulen und Portale verwendet.

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Quelle: Andreas Tölke

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Quelle: Lisa Marie Koch – Stay Architekturfotografie

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Quelle: Lisa Marie Koch – Stay Architekturfotografie

Wie der Osten, so der Westen

Die Antwort des Westens ließ nicht lange auf sich warten, denn auch dort mangelte es an Wohnraum. Als eines der ersten großen Pilot- und Prestigeprojekte wurde das Hansaviertel nahe des Zoologischen Gartens im Zuge der Internationalen Bauausstellung im Jahr 1957 radikal neugestaltet. Nach dem Krieg und den Abrissarbeiten war vom Hansaviertel zu dieser Zeit nicht mehr viel vorhanden. Mehrere Architekten, teilweise von internationalem Rang, setzten ihre Ideen einer neuen Stadtplanung um. Die sogenannte „Stadtlandschaft“ wurde zum Leitbild der Entwicklung des Viertels, das die zentrumsnahe Stadt mit der grünen Landschaft verschmelzen sollte. Die stilistischen Merkmale der Moderne blieben als Leitbild auch in den folgenden Jahrzehnten für die Entwicklung des Westteils bestimmend.

Berliner Mauer, Denkmal
Quelle: bina01 – Fotalia.com

Zwei Zentren, eine Mauer

Während West-Berlin aufgrund seiner abgeschotteten Lage mit sinkenden Einwohnerzahlen zu kämpfen hatte und keine Hauptstadtfunktion für Westdeutschland übernahm, lag Ost-Berlin im Zentrum der DDR und wurde als Standort für alle wichtigen Einrichtungen vorgesehen. Im Westen hingegen blieb vor allem das Gebiet rund um den Zoologischen Garten und die Gedächtniskirche im Fokus der Entwicklung. Das 1965 eröffnete Europacenter wurde im Zuge dessen zu einem neuen Einkaufs- und Geschäftszentrum.
Nachdem 1963 die Mauer gebaut wurde, veränderte sich von heute auf morgen ein Großteil des Stadtbildes. Vorhandene Infrastrukturen wie Verkehrswege wurden gekappt, Stadtviertel geteilt und viele Gebäude, die an der Mauer oder auf dem Grenzstreifen standen, wurden abgerissen. Nachdem zunächst ein Mauer-Provisorium aus Zäunen entstand, erfolgte ab 1965 der erste dauerhafte Ausbau der Mauer mit vorgefertigten Betonelementen und Stahlbetonpfeilern. Bis 1975 erreichte die Grenzmauer schließlich ihre maximale Ausdehnung und teilte die Stadt bis zur Wiedervereinigung im Jahr 1989.