Start und Ziel: Strausberger Platz – Die Formel E rast über die Karl-Marx-Allee

Die Bilder mit Champagner, Mittelmeer und Rennwagen kennen wir alle aus Monaco. Das Fürstentum verwandelt sich zur Formel 1 in eine einzige Boxengasse. Die Plätze auf den Balkonen sind über Jahre ausgebucht und kosten ein Vermögen. 5.500 Euro müssen locker gemacht werden, um in der ersten Reihe zu sitzen. Viel Geld für brüllende Lautstärke, ein paar Sekunden, in denen die Boliden vorbeiflitzen und der nicht grade milde Geruch von Benzin, der einem in die Nase steigt.


Preview der Strecke für den E-Prix 2016 in Berlin. Quelle: Racingblog

Es geht auch anders. Ganz anders. Wie wäre es mit einer unfassbaren Kulisse mitten in Berlin, vor der beinah lautlos Rennwagen innerhalb von drei Sekunden auf 100 km/h beschleunigen? Und dabei mit rund 80 Dezibel gerade einmal die Lautstärke eines normalen PKWs entwickeln. Ja, das gibt es. Und zwar am kommenden Wochenende in Berlin. Hier wird es mit bis zu 225 km/h die insgesamt 2,03 Kilometer und elf Kurven auf der Karl-Marx-Allee und der Lichtenberger Straße entlanggehen. Die FIA Formula E Berlin ePrix ist das achte von insgesamt zehn Rennen der Serie. Und die Tickets kosten gerade einmal 18 Euro. Erschwingliche Innovation. Aber mit dem ganzen Paket.

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Quelle: Digital Storm – shutterstock.com

Zehn Teams treten insgesamt bei der Formel E mit zwei Fahrern pro Team und vier Autos gegeneinander an. Es sind Fahrer mit klassischer Formel 1 Erfahrung und darunter sind Namen, die Rennsportfans weltweit begeistern: Nick Heidfeld, Nicolas Prost, Nelson Piquet, Bruno Senna, Lucas di Grassi und Daniel Abt – noch Fragen? Es ist alles wie beim „richtigen“ Rennen: Die Punktvergabe erfolgt im Stil der Formel 1. Mit zwei Extras: zusätzliche drei Punkte für die Pole-Position und zwei Punkte für die am schnellsten gefahrene Runde. Das heißt: bedingungslose Tempo-Kämpfe nicht nur während des Rennens, sondern schon beim Qualifying. Wer bremst, verliert.

Innovativ ist das Rennen nicht nur auf der Straße – pardon – Allee. Im Netz können Zuschauer vor jedem Rennen über den beliebtesten Formel-E-Fahrer abstimmen. Auf den „Fan-Boost“ werden die drei Favoriten gewählt. Sie werden vor dem Rennen bekannt gegeben und bekommen als Bonus fünf Sekunden 50 PS extra. Ach ja – extra: Was bei der Formel 1 der Reifenwechsel, ist in der Formel E der Wagenwechsel. Die Batterielaufzeit ist nur 25 Minuten lang. Deshalb müssen die Fahrer in der zweiten Rennhälfte auf einen weiteren, vorbereiteten Wagen umsteigen. Und wie beim Reifenwechsel kommt es auf jede Sekunde an. Da ist zwischendrin ein bisschen Entschleunigung nicht schlecht.

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Brunnen am Strausberger Platz. Quelle: jock+scott – photocase.de

Am Strausberger Platz sprudelt ein Brunnen mitten im Kreisverkehr, der die höchsten Fontänen Berlins hat. Um diesen werden die Boliden brettern. Zudem bietet die Karl-Marx-Allee auf über zwei Kilometern eine Sichtachse sondergleichen. Das Erlebnis, auf einer der Parade- und Demonstrationsprachtstraßen der DDR die Zukunft der Mobilität in der aktuell technisch ausgereiftesten Version zu erleben, zeigt, dass Geschichte oft genug eine positive Wende nimmt. Und die Allee ist Teil davon. Auch in sportlicher Hinsicht. Der jährlich wiederkehrende Halbmarathon hat als festen Punkt die Karl-Marx-Allee. 40.000 Läufer hatten sich dieses Jahr angemeldet und wie bei der Formel E sitzen die Zuschauer am Strausberger Platz in der ersten Reihe. Das nebenan die Magnolien blühen, ist nur ein Bonus. Es ist ein Platz zum Leben und Erleben. Und hier wird es immer schöner.

Termin: Samstag, 21. Mai 2016
Tagesablauf des Berlin ePrix

08:15–09:00 Uhr: 1. Freies Training (45 min)
10:30–11:00 Uhr: 2. Freies Training (30 min)
12:00–12:06 Uhr: Qualifying Gruppe 1 (6 min)
12:10–12:16 Uhr: Qualifying Gruppe 2 (6 min)
12:20–12:26 Uhr: Qualifying Gruppe 3 (6 min)
12:30–13:36 Uhr: Qualifying Gruppe 4 (10 min)
12:45–13:00 Uhr: Super Pole (10 min)

16:00–17:00 Uhr: Formula-E-Rennen (ca. 60 Min.)
17:00 Uhr: Siegerehrung