Symbiose aus Sozialismus und Kapitalismus – Die Karl-Marx-Allee in Berlin

Man sagt, wenn der Ostwind weht, dann spürt man ihn hier deutlicher als anderswo. Die Karl-Marx-Allee, ehemals Stalinallee, in den Ortsteilen Mitte und Friedrichshain, gehört zu Berlins markantesten Straßenabschnitten – selten liegen politische Geschichte, Systemkampf und Architektur so dicht beieinander. Die circa drei Kilometer lange Allee ist ein Stück Nachkriegsgeschichte im Herzen der deutschen Hauptstadt. Im Stile des Sozialistischen Klassizismus, die in der DDR auch Architektur der nationalen Tradition genannt wurde, und des Schinkelschen (preußischen) Klassizismus säumen sich entlang der Straße die sogenannten „Arbeiter-Paläste“. Im Laufe der Zeit wurde sie unter verschiedenen Namen bekannt. Vor 1949 war die Allee zweigeteilt, es gab die Große Frankfurter Straße (Frankfurter Tor bis Strausberger Platz) und die Frankfurter Allee (östlich des Frankfurter Tores). Die Nachkriegszeit änderte nicht nur die Bebauung und Architektur, sondern auch den Namen: Am 21.12.1949, Stalins 70. Geburtstag, wurde die Straße als Ganzes in Stalinallee umbenannt. Ein auffälliges Merkmal der ehemaligen Stalinallee ist die sehr ausladende, vielspurige Straße. Sie war nicht nur für den regulären Verkehr vorgesehen, sondern diente auch als Schauplatz für Paraden und Aufmärsche. Eingerahmt wird die Allee von den beiden Türmen am Frankfurter Tor, die im Stile des Französischen Doms gehalten sind, und den markanten Bauten am Strausberger Platz mit ihrer eigentümlichen treppenhaften Abstufung, die man sonst nur von repräsentativen Gebäuden in den USA kennt. Oft wird dieser Teil Berlins auch mit dem Begriff „goldener Osten“ umworben. Die Begriffsherkunft kommt vermutlich von der besonderen Lage der Arbeiterpaläste, denn im Sommer spiegelt sich die tiefstehende Abendsonne an den Außenfassaden und lässt die ganze Allee in einem schönen goldenen Sonnenton erstrahlen.

Straußberger_Platz_15-18_2

Continue reading