Tanz das Kino

Das Kino International führt ein Doppelleben: Einerseits Lichtspielhaus –andererseits Party-Location. Das Café Moskau auf der anderen Straßenseite ebenso: Events für Firmen in der oberen Etage und im Souterrain findet sich ein Club.

caf moskau
Quelle: Fotalia.com

Wenn es Nacht wird, entwickelt sich die Karl-Marx-Allee zur Partymeile. Die zwei Hotspots sind dabei das Kino International und das Café Moskau. Am Wochenende sind die temporären Clubs leicht zu finden, denn die langen Schlangen vor der Tür weisen den Weg. Die beiden Party-Locations spiegeln das Berliner Nachtleben perfekt wieder. Während auf der einen Seite, im Kino International, das Semesterende gefeiert wird, lässt auf der anderen Straßenseite – vor dem Café Moskau –die nächste Schlange nicht lange auf sich warten.

Im Keller des Café Moskau hat der Avenue Club seine Pforten geöffnet. Von Donnerstag bis Samstag jeweils unter einem anderen Motto. Pop Club Mitte – immer donnerstags – ist der Kick-Off für das Partywochenende in einem der wenigen denkmalgeschützte Club-Locations weltweit. Der markante Bau, entstanden Ende der Fünfzigerjahre als DDR Nationalitätenrestaurant, ist 2007 perfekt renoviert worden. Viel Holz, schräge 50er-Jahre Leuchten und Lounge-Mobiliar gaukeln dem Partyvolk eine Zeitreise vor. Ganz im Stil der Zeit: die Tanzfläche, die zwei Bars und eine separate Raucherlounge. Mit entsprechend moderner Technik. Das Innenleben des Café Moskau Clubs ist von dem Architekten Team Karhard entworfen worden. Insiderschnack? Weit gefehlt, denn spätestens bei der Vokabel „Berghain“ fällt bei den meisten der Groschen. In dem Berliner Vorzeige Club haben die Architekten die Panorama Bar gestaltet. Das Berghain hat international Furore gemacht und die nächtlichen Schlangen sind im Vergleich zu den Clubs an der Karl-Marx-Allee wie der Sommerschlussverkauf bei H&M. Auf der nächtlichen Karl-Marx-Allee sind die Berliner unter sich. Na ja, fast. Denn im Avenue Club feierten schon die Spieler vom FC Barcelona, vom FC Bayern Fußballclub und auch der Basketball Superstar Dirk Nowitzki hat dem Club schon einen Besuch abgestattet. Nicht nur für dies Stars hat der Avenue Club eine VIP Area mit elf Lounges, denn mit dem nötigen Kleingeld kann jeder sich dort zurückziehen. Bis zu 900 Gäste genießen hier eine Berliner Besonderheit: Open End-Partys. Denn während im Rest von Deutschland die Sperrstunde den Spaß verdirbt, wird hier bis in den frühen Morgen abgetanzt. Wenn Honecker das wüsste… Am 15. Januar 1964 wurde das Café Moskau eröffnet. Deutsch-russische Freundschaft, bis heute erkennbar an einer etwas ramponierten Metallkugel, die in der rechten Ecke des Kaffees in den Himmel strebt. Es handelt sich um einen Sputnik, einem russischen Satelliten, der in Originalgröße nachgebaut über dem Partyvolk schwebt.

Auf der anderen Straßenseite, im Kino International, ist ebenfalls ein Seiteneingang, der viel Spaß garantiert. Hier geht es allerdings nicht in den Keller – die Treppe führt nach oben. Dem Kinobesucher diskret verborgen, bietet das Kino International auf der Rückseite des Gebäudes und dem Obergeschoss eine ausgedehnte Club Landschaft. Bars, Lounges, Dancefloors – ein Disneyland für Nachteulen. Erstaunlicherweise schon seit 1969. Zu diesem Zeitpunkt bezog der legendäre „Oktober Club“ hier sein Quartier. Von der sozialistischen Politikfolklore erzählt das Ambiente, während durch die Boxen der Sound von Berlin wummert. Jeden ersten Samstag im Monat, seit Ende der 90er-Jahre, ist das Kino International der Treffpunkt der lesbisch-schwulen Community. Und auch das Queer-Volk hat eine Panorama Bar. Nicht nur im Berghain, auch hier, im Kino international. Mit riesiger Fensterfront und Blick auf die Karl-Marx-Allee. Es sind mit Abstand die buntesten Partys in Berlin, die hier gefeiert werden. Heterosexuelle Mitmenschen ausdrücklich erwünscht. Umgekehrt genauso: Jeden zweiten Samstag im Monat lautet das Motto „United Berlin“. Dann sieht die Schlange vor dem Club etwas anders aus, der Anteil von Männern und Frauen liegt bei jeweils fünfzig Prozent und die sexuelle Orientierung ist Nebensache. Und wem das eine so wenig gefällt wie das andere, der kann ja einfach die Straßenseite wechseln. Das ist Berlin, für jeden Geschmack das Richtige. Auch bei Nacht, auch auf der Karl-Marx-Allee.