Trabrennbahn Karlshorst – Reitsport in der DDR

Auf die Plätze – fertig – Teilnehmer ab, so heißt es im Trabrennsport, der auf der Trabrennbahn Karlshorst schon lange Tradition hat. Die lange und bewegte Geschichte der Rennbahn im Nachbarbezirk von Central Berlin in Lichtenberg erzählen wir Ihnen heute in diesem Blogbeitrag.


Gründung und Bau

Die Trabrennbahn an der Treskowallee liegt im Ortsteil Karlshorst und entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Der Großgrundbesitzer Sigismund von Treskow verkaufte das 1,2 Quadratkilometer große Gelände, auf dem 1893/94 die Rennbahn entstand. Die Architekten Johannes Lange, Rudolph Jürgens und Matin Haller gestalteten das Gelände für den Verein für Hindernisrennen aus Charlottenburg, die zu der Zeit einen neuen Platz für ihre Rennbahn suchten.

So fanden ab 1894 regelmäßig Hindernisrennen auf der Rennbahn in Karlshorst statt.

Traberrennen 1910
Besucher der Pferderennbahn Karlshorst 1910; Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-1971-071-45 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Die Trabrennbahn Karlshorst in der DDR

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Hindernisrennbahn auf Anordnung des sowjetischen Stadtkommandanten Bersarin zur Trabrennbahn umgebaut. Dadurch wuchs die Fläche der Anlage auf etwa 2,4 Quadratkilometer an. Sie war die einzige Trabrennbahn, die in der DDR genutzt wurde. In Hoppegarten bei Berlin existierte zwar eine weitere Reitanlage, diese war jedoch eine Galopprennbahn.

Mit der Gründung der DDR und dem später folgenden Bau der Mauer wurde der Betrieb der Trabrennbahn und des Gestütes in einen „Volkseigenen Betrieb Trabergestüte und Trabrennbahn“ geändert. Speziell der Mauerbau bedeutete für den Pferdesport auf dem Gebiet der DDR eine neue Ausrichtung.

Trabrennbahn Karlshorst
Traberrennen 1985; Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0811-001 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Besonders durch den Mauerbau wurde der Trabrennsport von den westeuropäischen Reitsportzentren isoliert. So sollte unter den Vorgaben der SED ein „sozialistischer Trabrennsport“ entstehen. Daher ergaben sich konkrete Aufgaben für den „sozialistische Trabrennsport im Zusammenhang mit der kontinuierlichen Verbesserung des sportlich-kulturellen Lebensniveaus der Bürger auf dem Gebiet der Freizeitgestaltung“, wie es aus einem offiziellen Beschluss der SED auf dem IX. Parteitag heißt. Es sollten „interessante und niveauvolle Rennveranstaltungen“ dem werktätigen DDR-Bürger geboten werden, um dessen „Bedürfnisse nach Sport, Erholung und Entspannung“ zu befriedigen.

Traber im Rennen
Trabergespann; Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-1988-0814-009 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Mitte der 1970er Jahre wurde der Karlshorster Rennbetrieb mit den Gestüten Prieros und Lindenhof unter dem Namen „VEB Trabergestüte und Trabrennbahn“ zusammengelegt. Private Züchter und Reitställe wurden immer mehr von den Volkseigenen Rennställen verdrängt, was die Konkurrenz und Leistung im Pferdesport der DDR nicht förderte. Auch die Qualität der Trainer wurde nicht weiter gefördert, wodurch die Rennen selbst eher „gemütlich“ waren.

Natürlich war die Anlage samt Ställen, Technik, Tribünen und Gastronomie durch staatliche Subventionen in einem guten Zustand, jedoch erreichte die Anlage nie westlichen Standard.

Und heute?

Nach dem Fall der Mauer pachtete der Trabrennverein Mariendorf aus dem Berliner Süden die Anlage und richtete pro Woche zwei Renntage auf der Bahn aus. Dies ging bis zum Anfang der Jahrtausendwende gut, danach hatte der Reitsport in Deutschland eine schlechte Phase und nicht sehr rentable Zeit und der Trabrennverein Marienfelde zog sich zurück. Zur Rettung der Anlage wurde 2004 ein Teil des Gebiets als Bauland verkauft. Mittlerweile entwickelt sich die Trabrennbahn Karlshorst wieder und es werden monatlich zwei Rennveranstaltungen ausgerichtet.
Wer also gerne einmal von Central Berlin aus ohne großen Aufwand ein Pferderennen sehen möchte und eine Wette platzieren will, der hat es nicht weit zu der Trabrennbahn Karlshorst.