Warum Berlin den Bären liebt

Vor einiger Zeit habe ich über die wilden Tiere der Stadt Berlin geschrieben. Mit Füchsen, Hasen und Wildschweinen hat Berlin wirklich eine beeindruckende Tierwelt. Aber ich hätte fast vergessen, den wohl wichtigsten tierischen Bewohner Berlins zu nennen: den Bären. Auch wenn Sie keine Angst haben müssen, auf der Karl-Marx-Allee einem Grizzlybären über den Weg zu laufen, ist es doch unmöglich, einen Trip in die deutsche Hauptstadt zu machen, ohne dabei ein oder zwei Bären zu sichten. Lassen Sie mich Ihnen Berlins beste Bären vorstellen und Ihnen erklären, warum die Berliner diese pelzigen Tiere so sehr lieben.

Zunächst einmal: Warum Bären? Warum nicht Tiere, die auch wirklich in Berlin leben, wie Füchse oder Hasen? Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung: der Bär findet sich in dem Berliner Wappen wieder. Das jedoch lässt die Frage aufkommen: Warum der Bär? Die Wahrheit ist, dass es niemand weiß. Je mehr man recherchiert, desto größer wird die Verwirrung. Es ist möglich, dass die Berliner den Bären zu Ehren von Albrecht I. von Brandenburg wählten, der auch „Albrecht der Bär“ genannt wurde, denn dieser verteidigte Berlin im 12. Jahrhundert. Eine andere Theorie ist, dass der Bär gewählt wurde, weil Berlin sehr nach Bärlin klingt.

Was auch immer der Grund für die Wahl des Bären im Wappen ist, Berlin ist bekannt dafür, die „Stadt der Bären“ zu sein. Wo man diese heute noch überall finden kann? Das verrate ich Ihnen jetzt.

Die schönsten Bären

Wenn Sie einmal begonnen haben, nach ihnen Ausschau zu halten, werden Sie sie überall finden. Die lebensgroßen Bärenstatuen sind in allen nur erdenklichen Motiven und Farben dekoriert. Bislang wusste ich auch nicht, dass sie „Buddy Bären“ genannt werden und Berlin seit 2001 bewohnen. Es entstanden Hunderte von ihnen in den letzten 15 Jahren und einige haben sogar eine Weltreise gemacht. Ich muss sagen, dass der Bär in meinem Heimatviertel, dem Strausberger Platz, nicht gerade zu den schönsten zählt (er gehört auch zu einer Bank), aber wenn Sie sich die interaktive Karte anschauen, werden Sie die Bären buchstäblich in jeder Ecke der Stadt finden.
Meine Lieblinge sind die Botschafts-Bären, denn sie sind immer in den jeweiligen Farben und Motiven des Landes gestaltet. Nehmen Sie zum Beispiel den ägyptischen Bären: mit den historischen Figuren und der Pharaonen Krone ist er doch der hübscheste Bär, den Sie jemals gesehen haben, oder?

Die sportlichen Bären

„Hey, wir wollen die Eisbären sehen!“ Auch wenn Eishockey nie zu meinen Lieblingssportarten zählte und sich daran bislang auch noch nichts geändert hat, bin ich, nachdem ich jedes Wochenende die Eishockey Fans an der Arena gesehen habe, nicht mehr abgeneigt, mir selbst einmal ein Spiel anzusehen. Die Berliner Eisbären gehören seit ihrer Gründung 1994 zu den besten Eishockeymannschaften Deutschlands. Sie sind kein Eishockey-Fan? Dann finden Sie vielleicht das American Football Team „Berliner Bären” mit dem gleichnamigen Cheerleader Verein besser. Sportliche Bären gibt es also für jeden Geschmack.

 

Die wirklich echten Bären

Ja, zwischen den Berliner Stadtgrenzen leben tatsächlich auch echte Bären. Und ja, sie leben im Zoo. Oder um genauer zu sein, in den Zoos, denn Berlin hat zwei. Einen im ehemaligen Westteil der Stadt, den Zoologischen Garten und einen im Osten, den Tierpark. Und beide sind ziemlich stolz auf ihre Bären. Während der Zoologische Garten Eisbären und Lippenbären beherbergt, nennen Braunbären und Eisbären den Tierpark ihr Zuhause. Im letzten Dezember wurde außerdem angekündigt, nachdem der Panda Bao Bao vor mehr als drei Jahren gestorben war, dass Berlin in naher Zukunft wieder zwei Pandas aus China bekommen soll.

Der hochoffizielle Bär

Ich realisierte zum ersten Mal, dass ich mich zu einem richtigen Berliner entwickelt habe, als ich von meiner Reise aus Holland zurückkam und die Flagge auf dem Berliner Gebäude des Roten Rathauses gesehen habe. Die Flagge meiner ehemaligen Heimatstadt ist auch sehr schön, aber ich muss zugeben, dass ich den kleinen, schwarzen und herumtanzenden (oder gegen unerwünschte Eindringlinge kämpfenden) Bären in der Mitte der roten Flagge bevorzuge. Und es wird noch besser: Wenn man die Flagge von Nahem betrachtet, kann man die extrem lange Zunge, die aus dem Maul des Bären hängt, erkennen. Genau in diesem Moment, als ich den tanzenden Bären sah, wusste ich, dass ich eine neue Heimatstadt habe.

Der legendärste Bär

Knut. Der Eisbär, der das Herz jedes einzelnen Berliners gestohlen hat – oder zumindest das Herz all derer, die die Möglichkeit hatten, ihn während seines kurzem Lebens einmal live zu sehen. Von der Mutter verstoßen, wurde er von seinem Pfleger aufgezogen und so zu einer kleinen Weltberühmtheit. Knut liebte es im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen und dann für die Gäste des Zoologischen Gartens eine kleine Show abzuliefern (verstehen Sie mich nicht falsch, alles natürlich ohne Menschen, die ihn dazu drängten).

2011 ist er leider im Alter von nur vier Jahren gestorben. 600 bis 700 Zuschauer haben gesehen, wie Knut gestorben ist. Was folgte, war eine Stadt in Trauer.
Die meisten Berliner sagen, dass ihnen Knut sehr am Herzen lag und dass er der Star der Berliner Zoos gewesen sei. Sie möchten Knut auch noch einmal die letzte Ehre erweisen? Dann können Sie das im Naturkundemuseum tun, denn dort ist er präpariert und aufgestellt.

Die verschwundenen Bären

Enden möchte ich mit Bären, die es hier nicht mehr gibt. Einfach um einer möglichen Enttäuschung vorzubeugen oder um Sie glücklich zu machen, falls Sie ein Tierschützer sind. Denn im Herzen Berlins, nahe dem Märkischen Museum, gibt es einen Bärenzwinger. Dieser Bärenzwinger wurde 1939 eröffnet (was ich für ein äußerst seltsames Timing halte). Anfangs lebten in dieser Grube, die nur mit Kacheln und einer kleinen Plattform ausgestattet war, zwei Bären.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste der Zwinger wieder aufgebaut werden und eröffnete 1949 erneut mit zwei Bären, die aus Bern gestiftet wurden. Einer dieser zwei Bären war äußerst fruchtbar und gebar nicht weniger als 33 Junge.
Schnute und ihre Tochter Maxi waren die letzten beiden Bären, die dort lebten. Aber als Maxi 2013 und Schnute 2015 starben, wurde aus Tierschutzgründen beschlossen, die Tradition, Bären in einem Graben im Stadtzentrum zu halten, abzuschaffen.