Westdeutsch und Ostdeutsch: Gleiche Sprache, aber unterschiedliche Ausdrücke

Bayerisch, Schwäbisch, Hessisch, Sächsisch. Der deutsche Sprachraum ist reich an regionalen Dialekten. Auch die vier Jahrzehnte andauernde politisch-geografische Teilung Deutschlands in Deutsche Demokratische Republik (DDR) und Bundesrepublik Deutschland (BRD) hinterließ bei der sprachlichen Entwicklung Spuren. Obwohl es eine gemeinsame Schriftsprache gibt, fällt Ossis und Wessis die Verständigung untereinander oftmals schwer. In diesem Beitrag erfahren Sie, inwiefern sich das Ostdeutsche vom Westdeutschen unter-scheidet.

Central Berlin Sprachunterschiede

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Politisch gewollte sprachliche Abgrenzung

Die DDR-Staatspartei SED wollte auf ihrem Hoheitsgebiet ein sozialistisch eingefärbtes Deutsch etablieren. Trotz der ideologischen Bemühungen unterschieden sich Zeitungsjargon und politische Reden jedoch sehr stark vom privaten Sprachgebrauch. Linguisten schätzen die Zahl der abweichenden Wörter und Wortbedeutungen zwischen DDR und BRD auf 800 bis 3.000 Begriffe. In absoluten Zahlen sind das 1,8 bis 3 Prozent des gesamten Vokabulars. Bis heute haben nur wenige überlebt. Zur vollständigen sprachlichen Einheit kommt es aber wahrscheinlich erst in der nächsten Generation.

Unterschiedliche Bedeutung derselben Wörter

Vor allem ostdeutsche Ohren mussten sich nach der Wende an die andere Bedeutung von scheinbar banalen Begriffen gewöhnen. Wenn ein Westdeutscher am Ende des Quartals Bilanz zieht, stellt er Gewinne und Verluste gegenüber. Betagtere Bürger aus Ostdeutschland denken dabei heute noch ganz im Sinne der sozialistischen Planwirtschaft an die Übereinstimmung von Planung und Auflage. Missverständnisse traten ebenfalls bei Wörtern wie Freiheit und Bewusstsein auf. Im Osten waren sie auf das Kollektiv und im Westen auf das Individuum gemünzt. Die Sozialisation der Sprecher spiegelt sich damit auch im sprachlichen Umgang.

Gleiche Bedeutung unterschiedlicher Wörter

Die Verwendung unterschiedlicher Wörter für denselben Sachverhalt im west- und ostdeut-schen Sprachgebrauch bildet genauso hohe Hürden. Ost-Berliner erledigten ihre Einkäufe in Kaufhallen während West-Berliner das in Supermärkten taten. Nach Feierabend machte sich der Ossi eine Pulle Bier auf. Wessis tranken dagegen aus der Dose. Zum Weihnachtsfest schmückten DDR-Bürger ihre Wohnung mit einem als „geflügelte Jahresendfigur“, „Jahres-endflügelwesen“ oder „Jahresendemann“ bezeichneten Weihnachtsengel. Mit dieser skurrilen Umbenennung wollte die sozialistische Führung die christliche Bedeutung des Festes verwischen. Das löste selbst bei den meisten Menschen im Osten nur Schmunzeln und Kopfschütteln aus.

Unsere Top 10 eines deutsch – deutschen Wörterbuchs:

East German Westdeutsch
Bemme belegtes Brot
Campingbeutel Rucksack
Erdmöbel Sarg
Feierabendheim Seniorenheim
Flebben Fahrerlaubnis
Getränkestützpunkt Getränkeladen
Grüne Minna Polizeiauto
Kombinat Konzern
Niethosen Jeans
Untertrikotagen Unterwäsche

Fazit

Im Laufe der vierzigjährigen Teilung der beiden deutschen Staaten hat sich auf dem Gebiet der ehemaligen DDR zum Verdruss der politischen Führung keine eigene Sprache heraus-gebildet. Einzelne Wörter und deren Bedeutung wichen in den beiden Landesteilen jedoch stark voneinander ab. Einige davon haben bis heute überlebt.