Wo laufen sie denn?

Jupiter ist ein Planet. Und ein Gott. Und einer der wichtigsten Preise der Deutschen Filmkultur. Marathon ist eine Stadt. Und ein Sportereignis, unter anderem in Berlin. Aber Jupiter Marathon gibt es nur an der Karl Marx Allee.

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Quelle: Powermind / photocase.de

Von meinem Schreibtisch am Strausberger Platz fällt der Blick auf den roten Teppich. Der Bodenbelag für Stars und Sternchen ist ausgerollt zum diesjährigen Jupiter Award, -und zwar vor dem Café Moskau. Sterne allerorten – über dem Café Moskau „schwebt“ nämlich eine Sputnik-Miniatur. Der russische Satellit wurde 1957 ins All geschossen, heute hängen bei der Kopie auf dem Dach des Café Moskau die Flügelchen etwas schlapp runter. Aber darunter breitet Jupiter ja seine Schwingen aus. Die Vorboten: junge Leute, Fans, die sich mit Rucksack und warmen Getränken schon nachmittags um drei als Teppichumrandung niedergelassen haben.

Die Filmenthusiasten mussten sich mit der Premiere League der deutschen Kreativen begnügen: Regisseure und Schauspieler wie Til Schweiger, Jeanette Hain sowie viele weitere rauschten am frühen Abend vorbei. Im Inneren wurde Hollywood immerhin zugeschaltet. Keira Knightly flimmerte mit einer Live-Botschaft über die Leinwand. Aber Glamour geht an der Karl-Marx-Allee auch ohne Beverly Hills. Obwohl… Thomas Gottschalk, so blond wie Sigfried und Jupiter-Preisträger brillierte immerhin neben Whoopi Goldberg in Sister Act 2. Ob der Streifen auch im Kino International, auf das die geladenen Jupiter-Gäste beim Blick aus dem Fenster schauen, gezeigt wurde, ist nicht überliefert. Premiere für die Komödie war 1993, drei Jahre nach dem Mauerfall.

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Ost-Berlin und die  Karl-Marx-Allee befanden sich zu dieser Zeit zwar in einer Aufholjagd, was westlichen Lifestyle angeht, und auch das Kino International hatte sein Programm der neuen Zeit angepasst, aber inwieweit große Hollywoodproduzenten à la Walt Disney damals das ehemalige Vorzeigekino des Ostens überhaupt auf dem Radar hatten, ist nicht überliefert.

Heute gehören Blockbuster zum Standardprogramm des Kinos International, das mit Sicherheit zu einem der Schönsten, der aller-aller-schönsten in Berlin gehört.

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Aber wie auch immer. Ins Schwitzen sind die Jupiter-Stars auf jeden Fall nicht gekommen. Dafür sorgte aber das zweite Event vergangene Woche auf der Karl-Marx-Allee. Und gibt vom Schreibtisch einen ganz neuen Blick frei. Nicht nur. Denn plötzlich ist es still. Nichts. Kein Auto, kein wie auch immer geartetes Vehikel rauscht die sechs Spuren vor den Wohnungen am Strausberger Platz entlang. Ganz ehrlich: Im ersten Jahr war ich irritiert über die Ruhe. Das Grundrauschen (bei geöffneten Fenster) gehört einfach dazu und dann – nichts. Der Berliner Halbmarathon ist nicht nur der größte deutsche Lauf seiner Art, sondern auch der hochkarätigste und am stärksten international besetzte. Und in der Vorbereitung wird ab dem Strausberger Platz die Karl-Marx-Allee Richtung Alexander Platz für den Verkehr gesperrt. Ob für Läufer, Autos oder Radfahrer – am Strausberger Platz führt kein Weg vorbei.

Marathonläufer in Berlin
Quelle: lumen-digital / photocase.de

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