Wriezener Bahnhof – Vom Bahnhof zum Tanztempel

Bahnhof, Bürgerpark und Berghain – das Gelände des ehemaligen Wriezener Bahnhofs ist ein typisches Beispiel für die Berliner Stadtentwicklung. Nur wenige Minuten zu Fuß vom Strausberger Platz, zwischen Spree und Wohnhäusern, liegt dieses alte Bahngelände. Erst ein Bahnhof, dann stillgelegt und nun über die Jahre zu einem Bürgerpark und Gewerbegebiet umgewandelt.

Der Anfang

Anfangs (1903) war der Wriezener Bahnhof Teil des Schlesischen Bahnhofs und hieß deswegen auch Schlesischer Bahnhof – Wriezener Bahnsteig. Erst 1924 wurde der Bahnhof in Wriezener Bahnhof umbenannt. Wie der Name schon vermuten lässt, verband die Bahnstrecke Berlin mit der Stadt Wriezen im Märkischen-Oderland. In den frühen Jahren wurde Berlin aus der Region und über die Bahnstrecke mit Gemüse und Fisch versorgt.

Ab 1949 wurde der Bahnhof nur noch für den Güter- und Postverkehr genutzt und schließlich begann 2005 der Rückbau der Gleisanlagen, bei der ein historisches Stellwerk aus dem Jahr 1895 trotz Denkmalschutz von der Deutschen Bahn abgerissen wurde.

Wriezener Bahnhof 1992
Wriezener Bahnhof 1992 Quelle: Roehrensee (Own work) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Gewerbe, Kultur und Entspannung

Das nun frei gewordene Gelände wurde teilweise zu einem Gewerbegebiet umgebaut. Auf diesem befindet sich jetzt ein großer Baumarkt und der Großmarkt „Metro“. Schüler des angrenzenden Dathe-Gymnasiums schlugen im Rahmen einer Bevölkerungsbeteiligung zur Bauleitplanung vor, einen Sportplatz für Vereins- und Schulsport auf dem Dach des Metrogebäudes bauen zu lassen. Dies wurde dann auch umgesetzt und nun befindet sich auf dem Dach des Gebäudes ein 8.700 Quadratmeter großer Kunstrasen-Fußballplatz.

Natürlich ist so ein großes und freies Gelände nicht nur gut für ein Gewerbegebiet. Auf dem alten Bahngelände entstand ein Bürgerpark, der durch Ideen von Anwohnern, Schülern des Dathe-Gymnasiums und lokalen Unternehmen zu einem weiteren grünen Highlight der Stadt gestaltet wurde. Für die Schüler wurde ein „grünes Klassenzimmer“ bzw. ein Schulgarten eingerichtet, der von den Schülern gepflegt wird.

Urban-Gardening, veganer Biergarten und Berghain

Neben dem Schulgarten existiert das Urban-Gardening-Projekt „Gleisbeet“ auf dem Gelände, welches sich die Renaturierung des Geländes in Verbindung mit einer ökologischen Nutzung der Fläche zum Ziel gesetzt hat. Neben Gemüsebeeten soll ein funktionierendes Ökosystem geschaffen werden, in dem Tiere, Pflanzen und der Mensch einen Platz finden.

Wie auch im Volkspark Friedrichshain hat sich in dem Park, in einem alten Lokschuppen, ein Biergarten angesiedelt. Im „Wilden Hasen“ gibt es neben leckerem Bier auch vegane Speisen. Gelegentlich finden in dem Lokschuppen kleine Feiern und Veranstaltungen statt. Der Biergarten befindet sich in direkter Nachbarschaft zu dem wohl bekanntesten Techno-Club Berlins – dem Berghain.

Das sagenumwobene Berghain, am nordwestlichen Ende des Parks gelegen, ist weit über die Grenzen Berlins bekannt und Synonym für die Berliner Techno-Kultur geworden. Hier laufen die Partys von Samstagabend bis Montagvormittag non-stop und oft stehen die Besucher Sonntagmittags in der Schlange, um zu feiern.
Neben den Technopartys am Wochenende bietet das Berghain unter der Woche Konzerte und weitere Kulturveranstaltungen, wie Ausstellungen und Theateraufführungen an.

Wriezener Bahnhof – typisch Berlin

Das alte Wriezener Bahnhofsgelände zeigt eine typische Entwicklung, wie sie schon an vielen anderen Ecken Berlins stattgefunden hat. Unter der Beteiligung von Bürgerinitiativen entstehen immer wieder Projekte, die die Stadt schöner und lebenswerter machen und aus alten vergessenen Gegenden Neue und Interessante entstehen lassen.